Das Logo der Ameos-Klinik
Der Krankenhausbetreiber AMEOS hat die Geburtenstation bereits abgemeldet. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Haldensleben Ungewisse Zukunft für AMEOS-Klinik

Im AMEOS-Krankenhaus in Haldensleben stehen die Gynäkologie- und Geburtenstation sowie die Kinderstation auf der Kippe. Land und Betreiber scheuen aber eine endgültige Entscheidung und spielen sich den Ball gegenseitig zu.

von Mario Köhne, MDR SACHSEN-ANHALT

Das Logo der Ameos-Klinik
Der Krankenhausbetreiber AMEOS hat die Geburtenstation bereits abgemeldet. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Börde-Landrat Hans Walker legt seine Stirn in Falten, wenn man ihn auf die Gynäkologie- und Geburtenstation sowie die Kinderstation im Haldensleber AMEOS-Krankenhaus anspricht: "Was dort passiert, erfüllt uns mit großer Sorge." Beide Stationen stehen vor dem Aus.

Nach der Schließung der Geburtenstation in Neindorf vor mehr als vier Jahren würde die Börde damit die letzte Einrichtung dieser Art verlieren. Der Kreis wünscht sich zwar medizinische Leistungen im vollen Umfang im Grundbereich. Direkt Einfluss nehmen können Walker und seine Mitarbeiter aber nicht. Der Landkreis hat nur ein Vetorecht, wenn Stationen ungerechtfertigt geschlossen werden. Ungerechtfertigt wäre eine Schließung beispielsweise dann, wenn die "bedarfsgerechte Versorgung" der Bevölkerung nicht mehr sichergestellt ist. "Bedarfsgerecht" ist nicht genauer definiert. Deswegen sagt Walker auch: "Wir sind es nicht, die auf den betreffenden Stationen bei AMEOS in Haldensleben die Lichter ausmachen werden." Der Landrat verweist stattdessen an den Betreiber und ans Sozialministerium.

Im Ministerium ist die Lage in Haldensleben schon länger bekannt. Im Krankenhausplan von 2014 sind die Stationen mit einem Sternchen versehen. Heißt: Sie stehen unter Beobachtung. Denn auch das Land weiß: Die Stationen arbeiten nicht kostendeckend. Deswegen wird von dessen Seite eine Schließung nicht mehr ausgeschlossen. Das Ministerium spielt den Ball mit der endgültigen Entscheidung aber an den Kreis zurück und an Betreiber AMEOS weiter.

Notärzte und Patienten meiden das Krankenhaus

AMEOS hat bereits Konsequenzen aus der Entwicklung der vergangenen Jahre gezogen. Die Geburtenstation ist abgemeldet, komplett geschlossen ist sie noch nicht. In den anderen Bereichen gibt es teilweise nur noch Sprechstunden, berichtet ein Unternehmenssprecher dem MDR. Der Rettungsdienst ist darüber informiert und fährt bei solchen Notfällen direkt andere Krankenhäuser an.

Die Ameos-Klinik von außen
Der Rettungsdienst fährt teilweise das Krankenhaus gar nicht erst an und bringt Patienten direkt zu anderen Einrichtungen. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Und damit nehmen die Rettungswagen den Weg, den viele Patientinnen und Patienten schon von sich aus gehen. Andere Krankenhäuser in Gardelegen, Halberstadt oder Magdeburg sind nicht weit weg. Und genau daraus entwickelt sich eine Art Teufelskreis für AMEOS: Fehlen Patienten, ist ein Krankenhaus als Arbeitgeber für Mediziner unattraktiv. Gibt es auf den Stationen wiederum kein gutes Personal, gehen Kranke in andere Kliniken. Diese Entwicklung hat sich in Haldensleben schon seit Jahren abgezeichnet. Betreiber AMEOS verweist allerdings auf seinen Versorgungsauftrag und sagt, diesen auch erfüllen zu wollen. Der Unternehmenssprecher betont, AMEOS als Betreiber dürfe die Station von sich aus gar nicht schließen. Die Entscheidung liege beim Land.

Entscheidung muss her, doch keiner will sie fällen

2018 will Sachsen-Anhalt ein neues Krankenhausgesetz beschließen. Dann soll auch der Krankenhausplan von 2014 erneuert werden. Ob und wie die betroffenen Haldensleber Stationen dort noch auftauchen, ist auch auf Grund des Hin und Hers zwischen den Beteiligten heute noch völlig offen. Eine Sprecherin des Landkreises Börde machte gegenüber dem MDR aber deutlich, dass sie über kurz oder lang eine Entscheidung erwartet: "Aber keiner will der Erste sein, der so eine Entscheidung trifft."

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23.02.2017 | 9:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2017, 11:32 Uhr

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4 Kommentare

23.02.2017 14:03 Janine Schurig. 4

Das die Geburtsstation /Kinderstation komplett schließen ist doch kein Wunder. Als meine Schwester mit geplatzter Fruchtblase dort an kam wurde sie gleich nach MD verwiesen und gar nicht erst aufgenommen. Es dürfen nur Kinder in einem Zeitfenster geboren werden, als ob man da Einfluss drauf hätte... Als ich meinen Sohn im November zur Welt gebracht habe, bin ich ohne Umwege gleich nach MD gefahren. Ich meide das Krankenhaus... Sollte irgendetwas mit den Kindern sein fahre ich wieder nach MD.. Denn wer möchte schon, dass das eigene Kind zum Bsp. Mit auf der Inneren bei den Erwachsenen liegen?! Kindgerecht ist das jedenfalls nicht...

23.02.2017 08:45 Susan 3

Ich meinte natürlich: Ex-Börde-Landrat Thomas Webel. Darüber hinaus würde ich nach eigenem persönlichen Erleben dort auch nie wieder hingehen. Stundenlang wartete ich, am Tropf und Maschinen angeschlossen, auf eine geplante OP. Es waren zwei Schwestern für zwei Stationen zuständig. Als ich klingelte, weil ich ein gravierendes Problem hatte, aber mich halt nicht groß bewegen konnte, kam niemand. Irgendwann in der Nacht holte man mich. Die OP-Schwester erklärte mir, dass ihr 24-Stunden-Dienst (Am Stück!) eigentlich schon um und sie sehr müde sei. Auf vorsichtige Nachfrage meinte sie, der OP-Ärztin gehe es genauso. Die sei in dieser Zeit "noch gar nicht zum Ausruhen gekommen". Voll beruhigend, sag ich mal so. Ich begann mir Vorwürfe zu machen, noch kein Testament und keinen Abschiedsbrief an meine Hinterbliebenen fertig gestellt zu haben. Über diesen Gedanken schlief ich dann ein. Das kann man ja wohl nur als Ausbeutung erster Sahne bezeichnen.

23.02.2017 08:36 Susan 2

Aha, Herr Walker legt seine Stirn in Falten. Es war die CDU unter dem damaligen, jetzt zum Verkehrminister aufgestiegenden Thomas Webel, die 2006 die Privatisierung das Kreiskrankenhauses durchsetzte. Es war eine Bürgerinitiative, die genau das vorhergesehen hatte und darum Unterschriften für einen Bürgerentscheid sammelte. Diese BI hatte die geforderte Anzahl sogar überboten. Der CDU-geführte Landkreis fand aber einen Formfehler und ignorierte die Unterschriften. Viel später erkannte das Verwaltungsgericht, dass der Formfehler nicht existiert. Pustekuchen, da gehörte das Ding schon dem SANA-Konzern. Vorher hatte der Kreis natürlich noch einen Millionen-Umbau aus dem Steuertopf finanziert. Alle Konzerne eint das alleinige Ziel, Profit zu machen. Der war für SANA trotz Stellenbau, Ausgliederungen und Lohndrückerei nicht groß genug. Man verkloppte das Ding an Ameos. Und weiter gehts...

23.02.2017 08:22 Kevin Krombholz 1

Aus dieser Situation heraus entsteht aus meiner Sicht ein viel größeres Problem.
Rettungsfahrzeuge müssen immer weitere Wege in Kauf nehmen und daraus resultierend ist die restliche Bevölkerung Rettungsdienstlich unterversorgt. Da kann man unter Umständen auch mal 20 Min oder länger auf einen Rettungswagen warten. Was dass bei einem Kreislaufstillstand bedeutet, muss ich wohl niemandem erklären!