Streik vor der Uniklinik Magdeburg
Etwa 300 Menschen beteiligten sich an dem Streik. Bildrechte: MDR/ Roland Jäger

Uniklinik Magdeburg 500 Mitarbeiter folgen Streikaufruf

Gut 500 Menschen haben am Donnerstag vor dem Uniklinikum Magdeburg gestreikt. Sie forderten mehr Gehalt. Aufgrund des Arbeitskampfes mussten sich Patienten auf Verzögerungen einstellen.

Streik vor der Uniklinik Magdeburg
Etwa 300 Menschen beteiligten sich an dem Streik. Bildrechte: MDR/ Roland Jäger

An der Uni-Klinik Magdeburg wurde am Donnerstag gestreikt. Die Gewerkschaft Verdi hatte rund 3.000 Beschäftigte aufgerufen, bis 11 Uhr die Arbeit niederzulegen. Wie es von Verdi hieß, sind dem Aufruf etwa 500 Mitarbeiter gefolgt. Der Ärztliche Direktor des Klinikums, Jan Hülsemann, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, durch den Ausstand hätten sich Termine und Operationen verschoben. Der Personalstand sei mit Wochenenden oder Feiertagen vergleichbar. Die Notfallversorgung war aber gesichert.

Gewerkschaft will Differenz zu Landesangestellten ausgleichen

Mit dem Streik wollte Verdi Druck in den Tarifverhandlungen machen. Die Gewerkschaft fordert 4,3 Prozent mehr Gehalt für das nichtärztliche Personal. Damit soll die Differenz zu Universitätsangestellten, für die ein Landestarifvertrag gilt, kompensiert werden. Die Arbeitgeberseite hat bisher die Hälfte angeboten. Eine erste Verhandlungsrunde zwischen Klinik und Gewerkschaft scheiterte im April.

Die Arbeitsniederlegung traf den Ärztlichen Direktor Jan Hülsemann unerwartet: "Wir haben angefangen mit Verdi zu verhandeln und waren natürlich in den Positionen weit voneinander entfernt, weil wir das in unserer finanziellen Situation im Augenblick nicht vereinbaren können. Deswegen waren wir überrascht, dass nach dieser ersten Verhandlungsrunde es zu diesem kurzfristig angekündigten Warnstreik kommt."

Die Gewerkschaft wirft den Arbeitgebern ein Spiel auf Zeit vor, weil sie die Verhandlungen erst in drei bis vier Monaten fortsetzen wollten. Klinikchef Hülsemann widerspricht dieser Darstellung. So habe man der Gewerkschaft mehrere Termine vorgeschlagen.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08.06.2017 | 09:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07.06.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/olei

Zuletzt aktualisiert: 09. Juni 2017, 10:32 Uhr

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6 Kommentare

09.06.2017 19:15 @Streiker1 6

Tatsächlich habe ich über einen Zeitraum von fast knapp 20 Jahren (unterbrochen) in verschiedenen Pflegeeinrichtungen in verschiedenen Positionen gearbeitet.

Sicher gibt es nahezu unerträgliche Zustände im Einzelfall. Diese hatten aber in keinem mir bekannten Fall etwas mit der Bezahlung zu tun, sondern insbesondere mit der Verteilung des Personals sowie dem menschlichen Umgang untereinander.

Wesentlich in der Breite ist aber, wie die Arbeitszeit genutzt wird und was davon beim Patienten noch ankommt. Meine Erfahrungen haben durchwegs gezeigt, dass der vorhandene Spielraum leider nicht regelmäßig zu Gunsten der Patienten ausgenutzt wird. Dies betrifft allerdings nicht die Pflege insbesondere, sondern ist ein allgemeines Problem.

Die zunehmende Akademisierung des Pflegebereichs verschlimmert die Situation zusätzlich. Es ist daher wichtig, Berufe im Pflegebereich für junge Schulabgänger von Beginn an schmackhaft zu machen. Dazu gehört eine angemessene Bezahlung.

09.06.2017 16:15 Streiker1 5

Hallo prozukunft,
schade das du als azubi solch negativen Erfahrungen gemacht hast.deine Beschreibung spiegelt aber nicht den Alltag in der Pflege wieder.mit wenigen Ausnahmen arbeitet das Pflegepersonal am und über dem limit.wenn du auch mal mehr als zwanzig Jahre gepflegt hast wirst du erkennen was über zogen bzw nicht über zogen ist.

08.06.2017 22:55 Pro Zukunft 4

Erfahrungen in der Pflege an der Uni:
6-7 Dienstübergabe = Kaffee + Lästereien über besser verdienende Ärzte und Schülerinnen anderer Stationen = LBÄSAS
7-8 Patienten aufwecken + Frühstück verteilen
8-9 selber Frühstück + LBÄSAS
9-11 Medikamente verteilen + Kreuze in Patientenakten machen
11-12 Mittagessen verteilen
12-13 selber Mittagessen + LBÄSAS
13-14 Dienstübergabe = Kaffee + LBÄSAS

Die Forderungen von verdi sind überzogen und werden der tatsächlich erbrachten Leistung nicht gerecht. Berechtigt sind die Forderungen der jungen Auszubildenden. Es ist vollkommen inakzeptabel, diese Gruppe für die Ausbildung zur Kasse zu beten und ihr beim Arbeiten zuzuschauen während diese danach nicht weiß, wie es weiter geht.
Eine gerechte Lösung sähe so aus, diesen eine Mindestvergütung von 1200€ zu zahlen und dafür beim Stammpersonal Abstriche vorzunehmen. Ein Blick auf dessen Fuhrpark sowie das großspurige Auftreten zeigt sofort, wer die Einschnitte am Besten verkraften kann.

08.06.2017 19:32 ankipans 3

Die Uniklinik Magdeburg zahlt jetzt schon mehrere hundert Euro mehr Gehalt für Pflegende als in kreiseigenen oder privaten Unternehmen. Dafür dürfen dann die Unikliniken im Land regelmäßig mehrere Millionen Schulden machen. Ich kann daher dem Streik beim besten Willen nichts abgewinnen.

08.06.2017 14:15 pudd'nhead 2

meine sympathie gehört den streikenden, aber solange nur um bessere arbeitsbedingungen und bezahlung gestreikt wird, wird sich nichts ändern. die für die ökonomisierung des gesundheitswesens verantwortlichen müssen beim namen genannt und zur verantwortung gezogen werden, und das sind bekanntlich unsere sogenannten volksvertreter, die in der mehrzahl eigentlich kapitalvertreter heißen sollten. ob sich dafür die heutigen gewerkschaftsfunktionäre eignen wäre eine frage wert, denn diese situation besteht ja schon seit jahrzehnten.

08.06.2017 10:15 RZille 1

Ich wünsche den Streikenden viel Erfolg!
Leider sind die Gewerkschaften in Deutschland im Vergleich zu den Kollegen im europäischen Ausland eher handzahm und konfliktscheu.