Made in Schönebeck Ein DDR-Traktor will die Welt verbessern

Der RS 09 war der meist gebaute Traktor der DDR – hergestellt im Traktorenwerk Schönebeck. Nun steht die Kult-Maschine vor ihrer Wiedergeburt: Studenten aus Magdeburg haben das Konzept des Traktors weiterentwickelt. Entstanden ist die Idee eines Treckers, der in Entwicklungsländern gute Dienste leisten soll.

von André Strobel, MDR SACHSEN-ANHALT

Animation des Traktorkonzepts ELWA
So könnte "ELWA" über die Felder fahren. (Animation) Bildrechte: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Sie haben sich aus den verschiedensten Richtungen zusammengefunden: Angehende Maschinenbauer, Industriedesigner oder Produktgestalter. Gemeinsam haben die Studenten der Universität Magdeburg und der Hochschule Magdeburg-Stendal seit 2016 einen Traktor entwickelt. Sie haben ihn "ELWA" getauft. "ELWA" sieht aus wie ein Traktor, der einst im Schönebecker Traktorenwerk gebaut wurde, der RS 09 – der meist gebaute Traktor der DDR.

Johann Rumpler von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt war der Initiator des Projekts. Sein Ziel war es, den RS 09 in diesem Studentenprojekt weiterzuentwickeln: "Ich habe die Idee hier rein getragen und mich gefreut, dass sich die Studenten so schnell gefunden haben."

Hilfe für Landwirte in Entwicklungsländern

Einfahrt zum Traktorenwerk Schönebeck in den 1970er-Jahren.
Einfahrt zum Traktorenwerk Schönebeck in den 1970er-Jahren. Bildrechte: Salzlandmuseum

Die Studenten sollten einen Traktor entwickeln, der vor allem in Entwicklungsländern zur Anwendung kommen soll. Der Grund: Gerade in Entwicklungsländern arbeiten Landwirte noch mit einfachsten Mitteln. Die Hoffnung der Projektgruppe: Wenn man Bauern in Entwicklungs- und Schwellenländern einen verlässlichen, robusten, flexiblen und vor allem günstigen Helfer an die Seite stellt, könnte man den Ertrag immens steigern und die Versorgung in diesen Regionen verbessern.

Vorbild für den Studenten-Trecker ist der RS 09, der Mitte der 1950er Jahre im Traktorenwerk Schönebeck erstmals vom Band lief. Martin Wiesner von der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg ist der Projektleiter. Er war von Anfang an ein Fan des Vorhabens.

Ein Teil des Projektteams: Student Marcel Böge, Projektleiter Martin Wiesner und Initiator Johann Rumpler (v.l.n.r.).
Ein Teil des Projektteams: Student Marcel Böge, Projektleiter Martin Wiesner und Initiator Johann Rumpler (v.l.). Bildrechte: André Strobel

Es war untypisch, dass wir ein sehr altes Produkt verbessern sollten. Aber es ist ein gutes Projekt, weil wir vor Ort gehen konnten, es gibt ja noch viele davon im Einsatz. Und so war es auch: Wir sind raus und haben jedes Detail angeguckt. Wir haben da schon gemerkt, dass Vieles gut gemacht wurde und dass es nur Details sind, die man ändern kann.

Projektleiter Martin Wiesner

Und das stimmt. Viele Experten sagen, dass der RS 09 der beste Traktor war, den die DDR je hervorgebracht hat. Der Grund: Er war mehr als ein Traktor, denn in ihm steckten zig verschiedene Maschinen. Der Rote mit den gelben Rädern, der die Landwirtschaft der DDR in den 1950er Jahren wieder nach vorn brachte, war ein wahrer Alleskönner.

Der RS 09 beim Traktorentreffen in Schönebeck.
Der RS 09 beim Traktorentreffen in Schönebeck. Bildrechte: André Strobel

Am RS 09 war nicht viel dran, aber sein Aufbau mit dem langen Holm, an dem man die unterschiedlichsten Anbaugeräte für jegliche landwirtschaftliche Arbeit anbringen konnte, war ideal konstruiert. Das wiederum machte den RS 09 bei Bauern in aller Welt so beliebt – er wurde in alle Himmelsrichtungen exportiert: nach Indien, Großbritannien, Spanien, Südamerika oder in die SU-Staaten.

Genau das wollen auch die Studenten: ihren Traktor in die Welt hinaus tragen und damit Gutes tun. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, denn erst einmal müssen sie einen Prototyp bauen. Und dieser soll ein wenig besser sein als sein Vorbild der RS 09.

Mit dem "ELWA" Erfolgsgeschichte weiterschreiben

Nach Südamerika möchte Marcel Böge zuallererst fahren. Der angehende Wirtschaftsingenieur ist Teil des Projekts und möchte es weiter vorantreiben. Schon bald hofft er, viele prekäre Staaten bereisen zu können, um vor Ort zu schauen, ob die dortigen Bauern mit dem neuen "ELWA" etwas anfangen können.

"Mein Plan ist, das Gerät zu verstehen und was man damit alles machen kann. Ich möchte den Bauern helfen und ihnen sagen, was man damit machen kann, zu welchem Preis und was man noch so wissen muss zu diesem Gerät", sagt er.

Ein Ziel auf seiner Reise: Kuba. Gerade in dem schlecht entwickelten Inselstaat hoffen die Projektentwickler, vielen Landwirten helfen zu können. Doch das ist schon der übernächste Schritt. Erst einmal soll ein Prototyp entstehen, bisher gibt es schließlich "nur" Animationen und Berechnungen. Trotzdem stehen die Chancen gut, dass der RS 09 in leicht modifizierter Form seine Erfolgsgeschichte auch in Zukunft weiterschreiben könnte – die Wiedergeburt eines DDR-Traktors.

Traktor
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Umschau Di 14.11.2017 20:15Uhr 03:59 min

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Traktor
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Quelle: MDR/ap,as

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | "Der Osten – Entdecke wo du lebst" | 14. November 2017 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2017, 07:18 Uhr

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15 Kommentare

15.11.2017 13:41 Lyn 15

tolle Idee, viel Erfolg

15.11.2017 11:46 Manfred 14

Im Traktorenwerk Schönebeck wurde Anfang der 60-er Jahre auch ein Gabelstapler auf Grundlage des RS09 gebaut. Eigentlich war dieser nur für den innerbetrieblichen Transport gedacht, wurde aber dann auch über die BGH vorwiegend an landwirtschaftliche Betriebe verkauft. Ich habe selbst einen solchen Gabelstapler gefahren. Er war sehr robust und konnte mit seinen 8 Vorwärts- und 8 Rückwärtsgängen auch über Stufen klettern. Seine Höchstgeschwindigkeit war 19 km/h. War das dem MDR nicht bekannt, da er mit keinem Wort erwähnt wurde ?

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT: Der Fokus des Artikels liegt auf dem RS 09, aber danke für den Hinweis.

15.11.2017 10:22 Frederic 13

@ an N° 11 Agrotechniker, wie Recht Sie haben. In einem arabischen Land wurd von einem Deutschen Unternehmen - Brunnen gebohrt und Stromaggre gate zur Bewässerung der Felder aufgebaut. Nach ca. 8 Jahren lief von den 3 Stromaggregate nur noch eins. Das Wasser wurde - wie vorher - von im Kreis laufendem Esel gefördert. Ersatzteile für die Gerät wurden nicht gekauft.
Denn der Ulema war gegen das Moderne! Hier kommt das was der tunesische Religionsgelehrte sagt, der Islam hat keinen Menschen, welche etwas erfunden - oder gemacht hat. Der Islam sündigt. usw.

15.11.2017 10:00 Mölle 12

Klasse. Habe damals bei der LPG auch RS 09 gefahren. Damit wurden die Ställe ausgemistet und neu eingestreut. Für die Ackerbearbeitung wurde der zumindestens zu meiner LPG Zeit nicht eingesetzt.

14.11.2017 22:09 Agrotechniker 11

Ich halte die Idee für gut. Aber man sollte sich sehr gut überlegen, die gescheiterten "Mechanisierung der Landwirtschaft" wieder zu beleben! Ob Entwicklungshilfe des Ostens, oder des Westens, beide hatten auf moderne Technik gesetzt. Und beide sind gescheitert. Am Anfang braucht man praktische Ortsbezogene, einfache Landwirtschaft, mit der JEDER zurechtkommt. Technik die keiner reparieren kann und die teuer ist, bleibt zum scheitern verurteilt.

14.11.2017 21:39 Werner Rudolph 10

ob ZT-303 oder GT-124: auch wenn die beiden noch so gut waren, sie durften nicht überleben.
Da haben schon die entsprechenden Konzerne im Einklang mit der sog. "Treuhand" gesorgt.
Ich wünsche dem Studententeam viel Erfolg.
Der kleine Bauer in Afrika oder Südamerika braucht keine 300-PS-Boliden.

14.11.2017 21:33 Goofy 9

@part; nicht nur zwei Mähdrescher, auch Ballenpressen und -zig Hektar Getreide noch gleich mit dazu. Was soll's, die Versicherungen bezahlen es offenbar gut. Und 10 Hektar abgebranntes Getreide müssen nicht mehr geerntet und vermarktet werden. Zu DDR-Zeiten hatte doch jeder Komplex mindestens einen vollen Wasserwagen und Traktor mit angesatteltem Pflug auf dem Feld zu stehen. So was sieht man doch heute nicht mehr. Wozu auch. Und bis die meist nur noch knapp besetzte Feuerwehr ran ist, ist Technik und Feld längst abgefackelt. Macht doch nichts. Die Versicherung zahlt und man kann sich vom Geld eine viel modernere Technik neu anschaffen, als die alte abgebrannte Technik je war. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

14.11.2017 19:31 Dorfmensch 8

aber hallo,

reden wir vom RS09 oder vom GT124? Da gibt´s einen Unterschied.

14.11.2017 18:22 part 7

...und heute brennen jedes Jahr mindestens zwei Mähdrescher aus neuester Produktion ab auf unseren Feldern ...

14.11.2017 15:41 optinator 6

Als gelernter Landmaschinen - und Traktorenschlosser hatte ich den vollen Durchblick bei der Technik.
Solide und robust, konnte repariert werden und wie bei VW - läuft und läuft und läuft ....

Aber will keiner Wissen. Reparatur ist scheiße, Neukauf wird angestrebt mit Umsatz und vor allem GEWINN !

Mir wurde ein siebzehntel millionstel geklaut, der Teil von meinem VOLKSEIGENTUM.