Blitzer Jenoptik-Anlage TraffiStar S330 auf einer Autobahnbrücke
Auf der A2 sollen Blitzer des Typs TraffiStar S330 zum Einsatz kommen. Bildrechte: JENOPTIK AG

Kontrolle an Unfallschwerpunkten Neue Blitzer gegen Raser auf A2

Immer wieder kommt es auf der A2 zu schweren Unfällen. Deswegen sollen noch in diesem Jahr auf der Autobahn zwei feste Blitzeranlagen in Betrieb gehen. Sie werden an Unfallschwerpunkten zwischen Bornstedt und dem Rasthof Börde und Richtung Hannover hinter der Ausfahrt Rothensee aufgestellt. Das Land hat einen Testlauf für zwei Jahre geplant. MDR SACHSEN-ANHALT beantwortet die wichtigsten Fragen zu den neuen Blitzeranlagen.

Blitzer Jenoptik-Anlage TraffiStar S330 auf einer Autobahnbrücke
Auf der A2 sollen Blitzer des Typs TraffiStar S330 zum Einsatz kommen. Bildrechte: JENOPTIK AG

An der Autobahn 2 bei Magdeburg sollen in den nächsten Wochen zwei stationäre Blitzeranlagen installiert  werden. Der Sprecher des Ministeriums, Danilo Weiser, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man habe festgestellt, dass die A2 ein Schwerpunkt mit sehr vielen Unfällen sei, bei denen viele Schwerverletzte und Tote zu beklagen seien. "Wir wollen das entschärfen und nicht tatenlos zuschauen", so Weiser.

Auf der A2 kommt es immer wieder zu schweren Unfällen mit Toten. Erst am Dienstag war ein Auto bei Magdeburg auf einen Lkw aufgefahren. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben.

Grafik der Blitzer auf der Autobahn 2
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die neuen Anlagen sollen bis Ende des Jahres in Richtung Berlin zwischen Bornstedt und dem Rasthof Börde sowie in Richtung Hannover hinter der Anschlussstelle Magdeburg-Rothensee installiert werden. Die Standorte seien gezielt ausgewählt worden. Bei den Blitzern handelt es sich laut Weiser um sogenannte intelligente Blitzer, die auf temporäre Tempolimits reagieren. "Wir werden uns nach einer Frist ansehen, ob die Unfallzahlen sinken. Wenn es einen deutlichen Rückgang gibt, wird geprüft, ob weitere Blitzer an A9, A14 und A38 aufgestellt werden", so Weiser weiter.

Das Land rechnet mit Einnahmen durch die Blitzer im siebenstelligen Bereich. Das Personal in der Zentralen Bußgeldstelle soll deshalb aufgestockt werden.

Fragen und Antworten zu den neuen Blitzeranlagen

Was ist das Besondere an den neuen Blitzern?

Blitzer Jenoptik-Anlage TraffiStar S330 auf einer Autobahnbrücke
Die Blitzer können die Geschwindigkeitsüberschreitungen auf drei Spuren messen. Bildrechte: JENOPTIK AG

Die Anlagen können über drei Spuren hinweg erkennen, ob sie die Geschwindigkeit eines Lkw oder eines Pkw kontrollieren. Außerdem sind nicht auf ein bestimmtes Tempolimit festgelegt, da die Blitzer mit den digitalen Hinweistafeln auf der A2 gekoppelt sind. Der Sprecher des Innenministeriums, Danilo Weiser, erklärt dazu: "Ist zum Beispiel wegen Aquaplaning ein Tempolimit auf 80 oder 90 km/h angesetzt, dann registrieren die Blitzer das temporäre Tempolimit – und lösen auch aus."

Wurde bisher nicht kontrolliert?

Bisher hat die Polizei mit mobilen Blitzern an der A2 kontrolliert. Nach Angaben des Innenministeriums sind die Kontrollen aber nur schwer mit den üblichen Polizeiabläufen umsetzbar gewesen.

Geht es bei den neuen Blitzern auch um Geld?

Die Unfallvermeidung steht im Vordergrund, sagt das Ministerium. Aber es wird auch mit Einnahmen im sechs bis siebenstelligen Bereich gerechnet. Schließlich können die Blitzer rund um die Uhr aktiv sein und senden ihre Fotos direkt digital zur Auswertung in die Bußgeldstelle.

Wer betreibt die neuen Blitzanlagen?

Die Firma Jenoptik aus Jena stellt die Geräte die Anlagen des Typs Traffistar S 330 zur Verfügung und übernimmt auch die Wartung. Das Land zahlt keine Betriebskosten. Dafür erhält Jenoptik einen Anteil der eingenommenen Verwarn- und Bußgelder.

Wie hoch waren in der Vergangenheit die Bußgeld-Einnahmen und wer bekommt sie?

Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 km/h auf einer Autobahn
Die Anlagen sind mit den digitalen Warntafeln gekoppelt. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß

Die Einnahmen teilen sich zu je 50 Prozent die Kommunen, also die Städte und Gemeinden an den Autobahnen, und das Land. Und sie steigen kontinuierlich. So haben die Kommunen im Jahr 2013 etwa 443.000 Euro Bußgeld eingenommen, im  Jahr 2016 waren es schon rund 858.000 Euro.

Insgesamt wurden 2016 rund 250.000 Autofahrer im Land geblitzt, gelasert oder gefilmt.

Was sagen die Automobilclubs zu den Kontrollstellen?

Der ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt zeigte sich eher skeptisch. Sprecherin Anne Heinrich sagte, man lehne Blitzer nicht grundsätzlich ab, da sie einen Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit leisten könnten. Gerade die A2 sei aufgrund des Verkehrsaufkommens tatsächlich an ihrer Belastungsgrenze. Zur Verkehrserziehung seien die üblichen Polizeikontrollen, bei denen Temposünder nicht einfach geblitzt, sondern auch angehalten werden, wohl effektiver.

Der Verkehrsclub Deutschland, der eher ökologisch ausgerichtet ist, begrüßte dagegen die Pläne. Sprecher Michael Müller-Görnert erklärte, generell seien Kontrollen richtig, da überhöhtes Tempo eine der Hauptursachen für Unfälle im Straßenverkehr sei. Der VCD sehe den Schritt als notwendige Maßnahme, die Autofahrer zu einem vernünftigen Tempo zu bewegen.

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Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11. Oktober 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2017, 08:28 Uhr

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29 Kommentare

13.10.2017 14:13 Frauke Garstig 29

Wo ist das Problem? Wer nicht lesen kann, bekommt teure Nachhilfe nach Hause geschickt!

13.10.2017 13:05 @13.10.2017 11:46 Wolfgang Böhme 28

Klar, gäbe es keine Straftaten, gäbe es auch viel weniger Justizvollzugsbeamte. Also Dank die Straftäter, dass sie die Arbeitslosigkeit so niedrig halten.

13.10.2017 11:46 Wolfgang Böhme 27

Ich warte auf den Tag an dem die ersten Computergesteuerten Autos fahren. Dann fährt kein Auto oder LKW( die sind schon viel weiter mit autonomen Fahrzeugen) mehr zu schnell. Der Computer hält immer alle Gesetze ein. Es wäre auch jetzt schon möglich , das Navi kennt sämtliche Geschwindigkeitsbeschränkungen und könnte wenn gewollt, die Geschwindigkeit des Fahrzeuges beschränken. Nur die Sache mit der dynamischen Verkehrslenkung durch die Verkehrszeichentafeln auf den Autobahnen müsste noch ins Navi einfließen, das geht sicher durch TMC. Und was machen dann die ganzen Abkassierer? Und die vielen arbeitslosen Polizisten, die Politessen sind auch alle arbeitslos, Computer parken nicht im Parkverbot. Schlimme Zeiten!!! Wieder 3 Millionen Arbeitslose mehr.

13.10.2017 09:44 @12.10.2017 17:11 behemoth 26

Nein, es sind nicht nur die Brummifahrer. Würde ich für jeden nicht blinkenden oder Handytelefonierenden PKW Fahrer ein Kopfgeld bekommen, könnte ich mir die Fahrt zur Arbiet jeden Morgen locker ersparen.
Übrigens halten sich über 80% aller Autofahrer für besser als der Durchschnitt. Diese grenzenlose Selbstüberschätzung aller Verkehrsteilnehmer ist das eigentliche Problem.

13.10.2017 09:24 Untermensch aus Dunkeldeutschland 25

An den Tunneln bei Jena wollte Thüringen fleißig mittels Abstandsmessung kassieren. Nunn muss davon abgesehen werden, weil die Nachweise nicht eindeutig waren. Jena selbst wollte durch Blitzersäulen Millionen kassieren. Leider waren die bösen Autofahrer nicht bereit, die erlaubten Geschwindigkeiten zu übertreten.

13.10.2017 08:47 @12.10.2017 16:47 wasbinich 24

Sorry: Selbst Schuld.

13.10.2017 06:20 fläming 23

Inzwischen glaubt man den Entscheidungsträgern kein Wort mehr. Zu oft haben sie sich unter den Vorwand des allgemeinen Interesses ganz andere Ziele verfolgt. Wie auch hier! Es geht nur um das blanke Abkassieren.

12.10.2017 22:34 Andreas 22

Kann man mit leben. Ist ja nur für Raser.

12.10.2017 20:55 Policeman 21

@MDR
Es gibt keine Vereinbarung. Recherieren Sie auch oder vermuten Sie nur?
Zum Nachlesen:
§ 2 Abs. 3 und 4 AG OWiG (Geld, nur wenn zuständig) i.V.m. § 16 Abs. 2 ZustVO SOG (Kommunen nicht auf Autobahnen zuständig, Überwachung nur in geschlossenen Ortschaften).

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:

Auf welche Vereinbarung beziehen Sie sich?

12.10.2017 19:16 Wiesel 20

1. Wo ist die Kontrolle der LKW an der Elbebrücke zwischen Lostau und Rothensee? Da stehen Tempo 60 für LKW, da die Brücke marode ist. Würde ich da 75 auf der rechten Sur fahren, würden mich die LKW hupend überholen.
2. Warum versuchen die LKW auf 2 Spuren in die Baustelle zu fahren? Sehe ich zwischen Rothensee und Zentrum täglich.
3. Warum wird bereits in Rothensee die Geschwindigkeit gedrosselt, nur weil in Irxleben was passiert ist?
4. Warum wird vor Blitzern immer reifenquitschend abgebremst? Täglich zu sehen auf dem Ring. da wird auf 60km/h abgebremst, weil da ein Blitzer in Zone 80 steht.