Treffen verschiedener Behinderten-Verbände zum Thema Barrierefreiheit im großen Sitzungssaal der Alten Börse
Der MDR zählt unter den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu den führenden Anbietern in Sachen Barrierefreiheit. Bildrechte: MDR/Axel Berger

In eigener Sache MDR weitet barrierefreies Angebot für Sehbehinderte aus

Eine Smartphone-App für iOS-Nutzer gab es schon länger, jetzt kommt sie auch für Nutzer von Android-Geräten auf den Markt. Der MDR erweitert sein barrierefreies Angebot für Blinde und Sehbehinderte. Ab Dienstag bekommen Android-Nutzer Wetteraussichten, Nachrichten und die Livestreams aller MDR-Hörfunkwellen barrierefrei aufs Smartphone geliefert.

von Kathrin Zappe

Treffen verschiedener Behinderten-Verbände zum Thema Barrierefreiheit im großen Sitzungssaal der Alten Börse
Der MDR zählt unter den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu den führenden Anbietern in Sachen Barrierefreiheit. Bildrechte: MDR/Axel Berger

Pünktlich zum Tag der Sehbehinderten erweitert der Mitteldeutsche Rundfunk am Dienstag sein Angebot für barrierefreien Medienzugang. Bei Hörfunk und Fernsehen achtet der MDR seit langem auf die Bedürfnisse von Menschen mit Einschränkungen. Mit der Smartphone-App "MDR Audio – Das inklusive Hörangebot" haben blinde und sehbehinderte Menschen von nun an auch die Möglichkeit, das Informations- und Unterhaltungsangebot des MDR auf Android-Geräten zu nutzen.

Mit dem neuen Programm für Android-Geräte weitet der Mitteldeutsche Rundfunk die Barrierefreiheit für Blinde und Sehbehinderte nun aus. Für iPhones gibt es die MDR-App bereits seit zwei Jahren. Auf der neuen Audio-App sind sämtliche Livestreams der MDR-Hörfunk-Programme zu finden – die im Internet verbreiteten Hörfunk-Kanäle eingeschlossen.

Zudem können Nutzer ausgewählte On Demand-Audios und Podcasts darauf finden. Auch das MDR-Fernsehen und die Audio-Beschreibungen können mit der App gehört werden. Dazu kommen Nachrichten aus Mitteldeutschland, dem Bundesgebiet und aus dem Ausland sowie Verkehrsnachrichten und Wetterinformationen.

Wetteraussichten, Nachrichten und Sportergebnisse

Ein Mann sitzt auf einer Couch, in den Händen hält er ein Mobiltelefon
Erol Sakinc ist von Geburt an blind – die App "MDR Audio – Das inklusive Hörangebot" schätzt er deshalb besonders. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die App nutzt auch Erol Sakinc gern. Er ist von Geburt an blind – und hat sich als Testnutzer zur Verfügung gestellt, um festzustellen, wie die neue App funktioniert. Sakinc hat das Programm zusammen mit der Deutschen Zentralbücherei für Blinde und dem MDR für Android-Smartphones weiterentwickelt. Besonders gern hört er die aktuellen Wetter-Infos – die braucht Sakinc, wenn er mit seinem Blindenhund unterwegs ist. "Heute Nachmittag oft sonnig mit lockeren Quell- oder Schleierwolken", sagt eine angenehme Frauenstimme und erläutert die im Fernsehen dazu eingeblendete Wettergrafik. Auf dem Display kann Erol Sakinc dann zwischen großen und leicht verständlichen Symbolen wählen, was er hören möchte.

Erol Sakinc hat die App während der Testphase genauso verwendet, wie er das auch in seinem Alltag tun würde, erklärt er. "Das meiste, was ich genutzt habe, sind die Radioangebote. Wenn ich mit dem Hund auf der Wiese war, wollte ich schnell mal wissen, wie die Sportergebnisse waren oder Nachrichten oder auch Musik.", Die App sei angenehm leicht zu bedienen.

Georg Schmolz, Leiter Barrierefreiheit beim MDR, präsentiert das Startbild der MDR AudioApp.
Georg Schmolz ist beim MDR für barrierefreihe Angebote zuständig. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Der MDR-Verantwortliche für Barrierefreiheit, Georg Schmolz, erläutert, warum der MDR nach dem Erfolg der IOS-App für iPhones nun auch Blinden und Sehbehinderten mit Android-Geräten das inklusive Hörangebot des Senders zur Verfügung stellt. "Es gibt im Monat etwa 56.000 Zugriffe auf die IOS-App. Das ist ein sehr hoher Wert", sagt Schmolz. Apple aber habe bei Smartphones nicht so einen großen Marktanteil wie Android. "Wir erwarten uns, dass auch deutlich mehr Menschen auf das Angebot von MDR Audio zurückgreifen werden, wenn es auch über Android-Geräte angeboten wird", so Schmolz.

Die neue Android-App ist eigentlich für alle gedacht, aber zunächst für Blinde und Sehbehinderte entwickelt worden, weil sie sehr klar und einfach strukturiert ist.

Georg Schmolz

Das bedeute: Blinde und sehbehinderte Menschen können sich Inhalte mit den jeweiligen Bedienungshilfen vorlesen lassen. "Aber – und das ist das Besondere – die App ist inklusiv. Sie kann auch von vollsehenden Menschen, die auf eine Bedienoberfläche angewiesen sind, genutzt werden."

Der MDR für die Westentasche – und das nicht nur für Menschen, die blind oder sehbehindert sind, so drückt es der Direktor der Zentralbücherei für Blinde und Sehbehinderte in Leipzig, Thomas Kahlisch, aus. "Das ist ein Angebot für alle, audiophil sind, die Spaß am Zuhören haben. Und man hat ja das ganze Programm vom Fernsehen über die Rundfunk-Sender wunderbar in einer Hand." Ob man das Angebot abends mit ins Bett nehme oder im Auto höre – all das funktioniere wunderbar.

Man hat den MDR immer am Ohr.

Thomas Kahlisch, Direktor der Zentralbücherei für Blinde und Sehbhinderte

Auch sein Fernsehprogramm befreit der MDR Schritt für Schritt von Barrieren für Blinde und Sehbehinderte – zur Freude von Bernd Peters, einem von 5.000 Betroffenen in Sachsen-Anhalt. Peters ist stark sehbehindert und kann nur mit einer 12-fach vergrößernden Brille überhaupt etwas entziffern. Fernsehen ist für ihn ein Problem – denn in Deutschland produzieren nur wenige Hersteller Geräte, die mit Audio-Beschreibung arbeiten können. Ein Geschäft, das solche Fernseher anbietet, hat er auf der Internetseite hörfilm.info gefunden. Sie wird vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband gestaltet und enthält monatlich aktualisierte Listen mit Filmen und anderen Sendungen, die mit der sogenannten Audio-Deskription versehen sind.

Ein Kunde lässt sich vom Mitarbeiter eines Elektronikfachgeschäftes beraten
Bernd Peters (rechts) lässt sich im Elektrofachgeschäft von Anselm Schubert beraten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Fachgeschäft von Anselm Schubert in der Halberstädter Straße in Magdeburg sucht Bernd Peters nun nach einem passenden Gerät für sich. "Ich suche ein Fernsehgerät, das diese Filmbeschreibung für Sehbehinderte kann", erklärt er dem Verkäufer. "Könnten Sie mir dazu was zeigen? Meine Frau ist auch blind. Vielleicht auch idealerweise ein Gerät mit Sprachführung für Blinde und Sehbehinderte."

Barrierefreiheit bei den Medien ist noch nicht überall selbstverständlich, schon gar nicht bei privaten Rundfunkanstalten. Und auch bei den Öffentlich-Rechtlichen könnten es nach dem Geschmack von Bernd Peters noch mehr Programme sein, die mit der sogenannten Audio-Deskription versehen sind.

Bundesweite Service-Offensive für Sehbehinderte

Der Verband der Blinden und Sehbehinderten ruft deshalb am Tag der Sehbehinderten zu einer bundesweiten Service-Offensive auf. "Audiodeskription sollte bei allen Sendungen gemacht werden", sagt Bernd Peters. "Das ist im Moment nicht ganz Fall. Die technische Geschichte ist: Bei Kabelanbietern werden die Tonspuren leider nicht komplett mit durchgeführt. Das liegt ja nicht am MDR, sondern an den Kabelanbietern", so Peters.

Noch gibt es also eine Menge Baustellen, auf denen an barrierefreien Zugängen zu Medien gearbeitet werden muss. Der Mitteldeutsche Rundfunk gilt bei den Öffentlich-Rechtlichen als einer der Vorreiter – ob bei Hörfunk oder im Fernsehen oder mit seiner neuen MDR-App, die von nun an auch Android-Nutzern zur Verfügung steht.

So sieht die MDR Audio-App aus

Die Bildergalerie zur MDR Audio-App.

Georg Schmolz, Leiter Barrierefreiheit beim MDR, präsentiert das Startbild der MDR AudioApp.
Das inklusive Hörangebot Georg Schmolz, Leiter Barrierefreiheit beim MDR, präsentiert das Startbild der MDR Audio-App. "Das inklusive Hörangebot" vereint alle Livestreams der MDR-Radiowellen, ausgewählte Audio-Beiträge sowie Nachrichten, Verkehrs- und Wetterinformationen. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Georg Schmolz, Leiter Barrierefreiheit beim MDR, präsentiert das Startbild der MDR AudioApp.
Das inklusive Hörangebot Georg Schmolz, Leiter Barrierefreiheit beim MDR, präsentiert das Startbild der MDR Audio-App. "Das inklusive Hörangebot" vereint alle Livestreams der MDR-Radiowellen, ausgewählte Audio-Beiträge sowie Nachrichten, Verkehrs- und Wetterinformationen. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Android-AudioApp
Live Nach dem Starten der MDR Audio-App kommt der Nutzer zu den Livestreams aller On Air Radio Programme des MDR, zum Live-Fernsehtons und zu den Webchannel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR Audio-App 2017
Unter dem Navigationspunkt "Audios" finden die Nutzer ausgewählte Beiträge von MDR AKTUELL, MDR KULTUR, MDR 1 RADIO SACHSEN, MDR SACHSEN-ANHALT, MDR THÜRINGEN, MDR JUMP und MDR SPUTNIK. Das Angebot umfasst weiterhin die Podcasts der Radiowellen und Filme zum Hören. Bildrechte: MDR/Jens Stelzner
Screenshots vom IPhone 6.
In der Rubrik "Filme zum Hören" werden die Tonspuren von Filmen mit Audio-Deskription aus dem MDR FERNSEHEN angeboten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR Audio-App 2017
Nach dem Starten eines Livestreams können die Nutzer auf weitere Inhalte zugreifen. Der gestartete Livestream läuft so lange weiter, bis er gestoppt, ein neuer gestartet oder ein einzelnes Audio angehört wird. Bildrechte: MDR/Jens Stelzner
Android-AudioApp
Bedienungshilfen für Android Bei Android-Geräten funktioniert die App ab Version 4.4. Damit können Sie einen Screenreader nutzen - wie etwa Voice Assistant. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Android-AudioApp
Screenreader für Android Den Screenreader für Android können Sie individuell anpassen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Android-AudioApp
Sprechtempo einstellen Das Sprechtempo kann auch bei Android-Geräten individuell eingestellt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Der MDR bietet die erste inklusive App Deutschlands an. Die App
Bedienungshilfen für Apple Bei Apple-Geräten funktioniert die App ab iOS-Betriebssystem 7.0. Im System integriert ist ein Screenreader (VoiceOver), der die Bildinhalte für blinde und sehbehinderte Nutzer vorliest. Das Sprechtempo kann individuell eingestellt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Der MDR bietet die erste inklusive App Deutschlands an. Die App
Bedienungshilfen Über die Bedienungshilfen lassen sich die Kontraste des Bildschirms so anpassen, dass sehbehinderte Menschen die Bildinhalte besser wahrnehmen können. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Präsentation der Apple-Version der MDR Audio-App 2015
Präsentation auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland 2015 Projektleiter Georg Schmolz, zuständig für die barrierefreien Angebote bei Redaktion Telemedien, erklärte: „Die App ist ein Angebot für blinde und sehbehinderte Menschen sowie für Nutzer, die z.B. gerade im Auto unterwegs oder joggen sind und sich so einzelne Audios oder Hörfilme anhören oder die Nachrichten vorlesen lassen. Damit ist „MDR Audio“ ein inklusives Hörangebot für alle und im gewissen Sinne einzigartig.“

Die App wurde außerdem vorgestellt von Prof. Dr. Thomas Kahlisch (li.), Direktor der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig sowie Kathrin Ruther vom Entwicklungslabor des MDR .
Bildrechte: MDR / Robert Hensel
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Dieses Thema im Programm: MDR um 11 | 06.06.2017 | 11:00 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 06. Juni 2017, 16:12 Uhr

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