Sachsen-Anhalt

Lieferprobleme : Medikamenten-Engpass an Sachsen-Anhalts Kliniken

Sachsen-Anhalts Krankenhäuser haben offenbar mit Medikamenten-Engpässen zu kämpfen. Der Sprecher der Apothekerkammer, Martin Wolff, sagte, die Versorgung der Kliniken verschlechtere sich zunehmend. Vor allem Ende 2012 sei die Situation teilweise "katastrophal und dramatisch" gewesen. Probleme gebe es unter anderem bei Arzneien zur Behandlung von Krebs sowie Herz- und Kreislauferkrankungen. Mitunter habe es auch Engpässe bei Antibiotika gegeben.

Wolff sagte, die Behandlung der Patienten abzusichern, stellte die 15 Krankenhausapotheken und die fast 60 krankenhausversorgenden Apotheken vor immense Probleme. Einige seiner Kollegen müssten Medikamente über Umwege aus dem Ausland ordern. Das verursache enorme Kosten für die Apotheken.

Pharmabranche warnt vor Panik

Medikamente
Vor allem bei Krebsmedikamenten spüren die Kliniken Engpässe.

MDR-Recherchen hatten im Oktober 2012 einzelne Versorgungsschwierigkeiten mit Arzneien in Sachsen aufgedeckt. Nach Angaben des Uniklinikums Dresden gab es vor allem bei Krebsmedikamenten erhebliche Probleme. Im Dezember räumten schließlich die Arzneimittelhersteller Lieferschwierigkeiten bei bestimmten Mitteln ein. Der Branchenverband Pro Generika warnte jedoch vor Panikmache. Als Ursache nannte die Pharmabranche eine unerwartet hohe Nachfrage und eingeschränkte Produktionskapazitäten. Wegen des hohen Kostendrucks gebe es nur wenige Hersteller.

Der Arzneimittelexperte Gerd Glaeske von der Universität Bremen bezeichnete den globalisierten Herstellungsprozess als "kaum noch kontrollierbar". Er sagte im MDR-Interview, aus einem Teil der Erde kämen die Wirkstoffe, im anderen Teil würden sie produziert - möglichst in Billiglohnländern. Unter einem solchen Profitdenken hätten letztlich die Patienten zu leiden, wenn die lebensnotwendigen Medikamente ausblieben.

"Man geht in Länder, die nur zu einem Zehntel des Preises oder zu noch weniger produzieren können, so dass sich die eigene Marge erhöht ... und das bedeutet letztendlich für die Patienten, dass sie genau unter dieser Globalisierung, unter diesem Profitdenken leiden, weil diese Produkte plötzlich nicht mehr verfügbar sind."

Arzneimittelexperte Gerd Glaeske, Universität Bremen

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2013, 22:05 Uhr

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