Sachsen-Anhalt

Änderungsantrag : Länder streiten über Mindestlohn

Vorstöße um einen branchenübergreifenen und deutschlandweiten Mindestlohn sind im Bundestag bislang gescheitert. Nun will der Bundesrat das Thema wieder auf die Agenda des Parlaments setzen. Im September legte Thüringen den anderen Länderregierungen einen Vorstoß vor, der nun in den Ausschüssen des Bundesrates beraten wird. Doch Sachsen-Anhalt kommt nun mit eigenen Vorstellungen und will den Vorstoß völlig abändern. In Thüringen stößt diese Kehrtwende auf starke Kritik.

Eine Reinigungskraft putzt Fensterscheiben.

In der Bundesratinitiative um einen bundesweit einheitlichen Mindestlohn verhärten sich die Fronten zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Magdeburger CDU-SPD-Landesregierung hatte zuletzt einen Änderungsantrag im Bundesrat eingebracht, der der Thüringer Mindestlohninitiative weitestgehend widerspricht. Die Thüringer SPD und Linke reagierten mit scharfer Kritik und sprachen davon, dass Sachsen-Anhalt damit die Pläne Thüringens durchkreuze.

Magdeburg hat eigene Vorstellung von Mindestlohn

Im Änderungsantrag von Sachsen-Anhalt ist von einem deutschlandweit einheitlichen und branchenübergreifendem Mindestlohn wie ihn die Thüringer Landesregierung vorschlägt, keine Rede mehr. Stattdessen plädiert Magdeburg dafür, dass die Lohnuntergrenze je nach Branche und Region ausgehandelt wird. Auch sollen bestehende Tarifverträge einen Bestandsschutz bekommen, selbst wenn sie - wie etwa im Frisörgewerbe - Stundenlöhne von nur 3,82 Euro festschreiben.

Der Thüringer SPD-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Lemb sprach bei MDR SACHSEN-ANHALT von einem Schock. Sachsen-Anhalt springe von der vereinbarten Linie ab. Thüringens Linken-Fraktionschef Bodo Ramelow kritisierte, dass Sachsen-Anhalt all das konterkariere, was an Diskussionen zum Mindestlohn bislang bundesweit gelaufen sei.

Zustimmung der Länder bislang unterschiedlich

Die Thüringer CDU-SPD-Regierung hatte im September ihren Vorschlag im Bundesrat eingebracht und damit viel Zustimmung von anderen Ländern geerntet. Der Gesetzentwurf wird gerade in den entsprechenden Ausschüssen diskutiert und soll dann noch einmal im Bundestag vorgelegt werden. Die Thüringer Initiative sieht zudem vor, dass eine unabhängige Kommission aus Vertretern von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite jährlich den bundesweiten Mindestlohn für alle Branchen festlegt. Saarland und Brandenburg sprechen sich klar für den Thüringer Vorstoß aus. Sachsen ist jedoch dagegen. Es will, dass der Mindestlohn nur in Branchen ausgehandelt wird, in denen es keine tarifliche Bindung gibt. Sachsen-Anhalt hatte Mitte September noch angedeutet, die Thüringer Initiative zu unterstützen. Ministerpräsident Reiner Haseloff hatte damals aber zugleich erklärt, dass noch einiges verhandelt werden müsse.

Mit der Thüringer Initiative müsste sich der Bundestag nur befassen, wenn sie tatsächlich auch im Bundesrat angenommen wird. Doch die Entscheidung könnte äußerst knapp ausfallen. Im Bundesrat wären 35 von 69 Stimmen für einen Erfolg nötig. Die schwarz-gelb regierten Länder kommen auf 21 Stimmen, die mit einer großen Koalition auf 18. Die von der SPD oder in einer Koalition mit Grünen oder Linken geführten Länder schaffen 30 Stimmen.

Fast jeder Fünfte arbeitet für einen Niedriglohn

Eine Reinigungskraft putzt Fensterscheiben.
Gebäudereiniger haben als eine der wenigen Branchen in Deutschland einen Mindestlohn.

Im Bundestag ist eine gesetzliche Regelung zum Mindestlohn bislang immer gescheitert. Die Fronten sind hier stark verhärtet. Die SPD verlangt mindestens 8,50 Euro als Mindeststundenlohn, die Linksfraktion zehn Euro pro Stunde. Die FDP lehnt hingegen einen flächendeckenden Mindestlohn kategorisch ab. Die CDU ist beim Thema zweigeteilt.

In Deutschland arbeitet laut Statistischem Bundesamt fast jeder Fünfte für einen Niedriglohn. Die Arbeitnehmer müssen trotz Vollzeit-Arbeit ihren Lohn mit staatlichen Zuschüssen aufstocken. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hatte im September die Initiative ihres Landes damit begründet, dass nicht hinnehmbar sei, dass Menschen, die acht Stunden arbeiteten, sich noch als Bittsteller an den Staat wenden müssten. Momentan gibt es nur in einigen Branchen einen Mindestlohn, der von Branche zu Branche unterschiedlich geregelt ist. Gebäudereiniger müssen in den neuen Ländern mindestens 7,33 Euro und in den alten Ländern 8,28 Euro pro Stunde erhalten. Im Dachdeckerhandwerk gilt ein bundeseinheitlicher Mindestlohn von 11 Euro pro Stunde.

Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2012, 15:26 Uhr

6. Armes Deutschland:
Dass in Deutschland überhaupt darüber verhandelt und diskutiert werden muss, dass jemand der täglich von früh bes spät schuften geht, zumindest soviel Geld bekommen muss, dass er davon ein Dach überm Kopf und was zu Essen finanzieren kann, ist eine absolute SCHANDE! Und, dass es dann tatsächlich immer noch Leute gibt, die gegen einen gescheiten Mindestlohn sind, beweist doch nur, dass wir von menschenverachtenden [...] regiert werden, denen der Bürger am Ar... vorbeigeht und nur der eigene Gewinn interessiert! Wer gegen einen gescheiten Mindestlohn ist, ist gleichzeitig auch für Ausbeutung! Wenn durch einen Mindestlohn einige Arbeitsplätze verloren gehen, Na und? Arbeitsplätze die nichtmal das Überleben sichern können, der Allgemeinheit ( Aufstocken) zur Last fallen und Altersarmut garantieren sind ohnehin NICHTS wert und gehören Verboten! Und nicht gefördert!! [Löschung eines Kampfbegriffs, der in der Nazizeit vorwiegend zur abwertenden Bezeichnung von Vertretern der organisierten Arbeiterbewegung verwandt wurde - MDR.DE_Redaktion]
29.10.2012
18:25 Uhr
5. Politischer Laie Ost seit 1975, ohne Nebeneinkünfte:
An ihren Taten sollt ihr sie messen und was sie versprachen... Ungleiche Löhne und Renten Ost, West. Es gibt das Besserverdienerland und das Schattendeutschland. Mauern gibt es nicht mehr, aber tiefe Gräben, die von der Bevölkerung (dem Tribun) so nicht gewollt sind.Das Geld bekommen stramme Nazis die sich als V-Leute bezahlen lassen und den Staat bis heute verarschen und am braunen Gängelbändel herumführen...Über 8 Millionen können in Deutschland trotz Arbeit nicht leben... Tut endlich was!
29.10.2012
11:23 Uhr
4. mächtig aber gewaltig:
Ja ja, die Länder streiten über den Mindestlohn. Was ist aber mit der Mindestrente und der zukünftigen Altersarmut die Erfolgt ? Die Altersarmut die durch die Niedrigenlöhne- ( Leiharbeit, Billig-Lohn-Shob, Ein-Euo-Shob, HarzIV usw.)von den Politikern gedultet ist und wird ist in den deutschen Altersheimen immer deutlicher sichtbar. Um der Altersarmut zu entfliehen, greifen bereits jetzt immer mehr Menschen zu ungewöhnlichen Mitteln. Laut hören und sagen sollen die Kassen bereits diskutieren in günsterige Heime die Altersarmutsempfänger ins Ausland zu verlegen. Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Die Politiker aller Parteien vor allen die Volksparteien schämt euch. Was habt ihr in den letzten Jahrzehnten die Rentenkasse für andere Zwecke genutzt. Die Sozialsysteme sprechen von einer Zeitbombe die da tickt und von einer Entwicklung dies als Alarmsingnal geteutet werden sollte.
29.10.2012
09:05 Uhr
3. jochen, bald Friedensnobelpreisträger:
Wenn der Herr Minister Haseloff beim Mindestlohn noch Verhandlungsbedarf erkennt,kann er ja sein Einkommen auf 3,82€ handeln. Es sind schon Unterschiede, ob er täglich ausgeschlafen, voll[...] und leer[...] seinen Dienst antritt, oder vor Existenzangst wieder nicht geschlafen, nichts zu fressen, deshalb kein Stuhl, mit 40 zu alt für´n Job, mit 25 keine 40-jährige Berufserfahrung, ich glaube nicht, daß der Herr (wie war nochmal sein Name?) noch weiß, wie diese schlimme Krankheit mit dem Vergessen hieß . [Kraftausdrücke gelöscht - MDR.DE_Redaktion]
28.10.2012
23:20 Uhr
2. August Bebel:
Ein jeder, der diese und ähnliche Nachrichten liest, möge sich erinnern, wem wir diese unfassbaren Zustände verdanken - im nächsten Jahr sind Bundestagswahlen... Es ist im übrigen sehr nützlich, sich die Einkommensentwicklung der letzten 10 Jahre vor Augen zu führen, um zu verstehen, wem diese Entwicklung nützt - und wem nicht.
28.10.2012
21:40 Uhr
1. Steffen:
Und welchen Mindeslohn, sieht man in der Gastronomie vor? Kein Gastronom..geschweige Lehrling, arbeitet 8 stunden! Als ich meine Lehre als Koche machte, waren 12 stunden normal. Nun bin ich ausgelernt, seit ca 10 jahren und schlafe teilweise nur 6 stunden am Wochenende, ingesamt! Mein lohn beträgt 700 euro netto! Is das Fair? Is das Fair,jedes Wochenende zu arbeiten? is das fair, Weinachten Arbeiten zu müssen? is das Fair, Sylvester Arbeiten zu müssen? Die Gastronomie und manche andere diensleister Arbeiten meine meinung am härstesten! Sie haben teilweise nur 1 tag in der Woche frei. Manche haben sogar wochen nicht einmal frei und als enschädigung, sind vllt mal 3 tage drin! Dann geht es wieder genauso weiter! Ich verlange als Koch, ein Mindestlohn von 10 euro, weil wir für euch immer bereit stehen, weil wir unser Soziales Umfeld so dermaßen vernachlässigen! Beißt niemals die Hand die euch Füttert, sagt man.
28.10.2012
20:29 Uhr

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