Sachsen-Anhalt

Nach Erdrutsch bei Nachterstedt : Bagger reißen Unglückssiedlung ab

Dreieinhalb Jahre liegt das Unglück von Nachterstedt zurück. Im Juli 2009 kam es in der einstigen Bergbauregion zu einem verhängnisvollen Erdrutsch, der Teile einer Siedlung und drei Menschen in den Abgrund riss. Damit die Böschung am Rande des Concordia-Tagebausees saniert werden kann, müssen die verbliebenen Gebäude der Unglückssiedlung "Am Ring" abgerissen werden. Dafür liegen nun die Genehmigungen vor.

Ein Abrissbagger reißt in Nachterstedt ein Haus ab

Dreieinhalb Jahre nach dem verheerenden Erdrutsch bei Nachterstedt hat am Donnerstag eine wichtige Etappe bei den Abrissarbeiten am verbliebenen Teil der Unglückssiedlung begonnen. Mit Baggern werden nun die verbliebenen Gebäude des Wohngebiets "Am Ring" abgetragen. Dem Bergbausanierer, der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), zufolge wurden die noch bestehenden zwölf Doppelhaushälten, ein Einfamilienhaus sowie Dutzende Nebengebäude zuvor entkernt. Einige Nebengebäude sowie Gartenlauben seien bereits abgerissen und eine Bauzufahrt für das schwere Gerät angelegt worden.

Böschungsgebiet soll saniert werden

Blick auf die Erdrutschstelle am Concordiasee in Nachterstedt
Nun soll auch die Siedlung von der Bildfläche verschwinden.

Bis Ende April sollen rund 5.400 Tonnen Material abgetragen werden. Für die nun im Sperrbereich beginnenden Abrissarbeiten lägen zudem die nötigen Genehmigungen vor. Die Siedlungshäuser müssen verschwinden, um den Weg für die Sanierung der Böschung frei zu machen.

Am frühen Morgen des 18. Juli 2009 war es am Hang des Concordia-Tagebaurestsees  zu einem gewaltigen Erdrutsch gekommen, bei dem ein etwa 350 Meter breiter Landstreifen absackte. Dabei wurden ein Doppelhaus sowie eine Haushälfte der angrenzenden Wohnsiedlung mit in die Tiefe gerissen. Insgesamt rutschten 2,8 Millionen Kubikmeter Erdreich ab, das entspricht dem Volumen von 1.700 Airbus A380. Drei Bewohner wurden unter den Massen begraben, ihre Leichen wurden nie gefunden. Etwa 40 Menschen mussten in Folge des Unglücks ihr Zuhause verlassen, weil die Siedlung zum Sperrgebiet erklärt wurde.

Unglücksursache soll bis Mitte des Jahres geklärt werden

Bis Ende Juni 2013 will die LMBV die Ergebnisse der Ursachenforschung vorlegen. Laut einem Zwischenbericht spielten der Aufbau der wasserführenden Erdschichten und die Druckverhältnisse unterhalb der abgebauten Kohleflöze für das Unglück vermutlich eine wesentliche Rolle.

Bei Nachterstedt war seit dem Jahr 1854 unter Tage und später im Parallelbetrieb zum offenen Tagebau Kohle abgebaut worden. Die Bergbaugeschichte endete im Jahr 1991. Seitdem wurde das Fördergebiet geflutet. Mit den neuen Seen entstanden Ausflugsziele, die jährlich rund 100.000 Gäste angezogen haben sollen.


Der MDR SACHSEN-ANHALT twitterte vom Beginn der Abrissarbeiten

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2013, 18:13 Uhr

3. Michel:
@pauline_8: Klar, jetzt kommen die aus den Löchern gekrochen, die schon immer alles gewusst haben. Die Leute sind trotzdem tot bzw. ohne Heim, da hat Ihr Wissen wohl nichts genutzt. Vielleicht, weil es einfach nicht stimmt? Der Hang ist nämlich nicht einfach so abgerutscht, das Ganze war schon etwas komplexer und vermutlich wäre ohne die Verkettung mehrerer Auslöser nie etwas passiert. Was ich viel ekliger finde, ist, dass die LMBV das Offensichtliche nicht anerkennen will: Grundwasserblasen und wasserführende Schichten, denn das hätte Auswirkungen nicht nur auf diesen einen Hang, sondern das halbe Haldengebiet.
31.01.2013
21:26 Uhr
2. Thomas J.:
Ich hoffe das die ehemaligen Hausbesitzer entschädigt werden. Denn in dem Fall haben die Behörden eindeutig geschlafen und für Häuser Baugenehmigungen erteilt die diese nicht hätten erteilen dürfen.
31.01.2013
20:27 Uhr
1. pauline_8:
Es war ein bodenloser Leichsinn Häuser auf dem aufgefüllten Boden zu errichten und dann noch den See zu fluten. Das in das Erdreich eindringende Wasser macht jeden Hang instabil, besonders wenn er aufgefüllt war. Da muß man jetzt nicht die Besonderheiten der Erdschichten in einem Gutachten untersuchen. Sowas ist immer ein Risiko und wäre nur mit einer sehr sehr flachen Böschung evtl. beherschbar gewesen. So etwas hätte auf allen mit Baufragen befassten Behörden den ausgebildeten "Fachleuten" bekannt sein müssen. Das lernt man nach spätesten 4 Semester Grundstudium. Warum hat da keiner aufgeschrien??? Jedem Privatmann, der eine kleine Baugrube aushebt, werden Auflagen bis zum geht nicht mehr wegen der Sicherheit gemacht, aber hier ist man im Tiefschlaf und natürlich für nichts verantwortlich.
31.01.2013
15:20 Uhr

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