Verfassungsschutz unter Druck V-Mann kam offenbar aus Halle

In der Affäre um die rechtsextreme Terrorgruppe NSU rückt ein mutmaßlicher V-Mann aus Sachsen-Anhalt in den Mittelpunkt des Interesses. Nachdem tagelang über die Existenz des Informanten spekuliert worden war, nennt die Berliner "tageszeitung" jetzt konkrete Einzelheiten über den Neonazi aus Halle.

Nach Informationen der Zeitung handelt es sich um Thomas R. Zwischen 1997 und 2007 sei er vom Bundesamt für Verfassungsschutz als V-Mann geführt worden. Zur Jahrtausendwende sei Thomas R. der führende Kopf der Gruppe "Nationaler Widerstand Halle/Saale" gewesen. Außerdem habe er von Halle aus das Neonazinetzwerk "Blood & Honour" organisiert. Das Bundeskriminalamt habe ihn damals in einem internen Bericht über die Neonazi-Szene in Deutschland als Einzigen in Sachsen-Anhalt namentlich erwähnt, so die "tageszeitung".

Keine Bestätigung von Behörden

Von offizieller Seite wurde der Bericht über den angeblichen V-Mann aus Halle bislang nicht kommentiert. Vom Innenministerium hieß es auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT nur, dass keine Informationen über Quellen mitgeteilt werden. Im Landtag in Magdeburg war der Bericht nur am Rande der laufenden Sitzung ein Thema. Die Opposition forderte dabei erneut eine umfassende Aufklärung, am Freitag will sie dies auch in einer Debatte im Landtag deutlich machen.

Stahlknecht will NSU-Verbindungen klären

Sachsen-Anhalts Innenminister Stahlknecht hatte in der vergangenen Woche Verfassungsschutzchef Limburg in den einstweiligen Ruhestand versetzen lassen. Als offizieller Grund wurde eine Aktenpanne beim Verfassungsschutz genannt, bei der es ebenfalls um die Terrorgruppe NSU ging. Die Behörde hatte vor Monaten von Stahlknecht die Anweisung erhalten, alle Akten herauszusuchen, die mit der NSU zusammenhängen. Zunächst wurden keine Dokumente gefunden, dann tauchte eine Akte des Militärischen Abschirmdienstes auf, die als Kopie in Magdeburg lag. Diese Panne schlug bundesweit hohe Wellen.

V-Mann soll Freund von Mundlos gewesen sein

Für Innenminister Stahlknecht ist die Aktenpanne unangenehm, weil er monatelang behauptet hatte, es gebe in Sachsen-Anhalt keinerlei Verbindungen zur NSU. Wenn nun der Bericht der "tageszeitung" stimmt, dann stellen sich eine Reihe weiterer Fragen. Der Zeitung und der Linken zufolge hatte der angebliche V-Mann aus Halle intensive Kontakte zum mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos. Beide sollen sogar befreundet gewesen sein. Ob der V-Mann dem Bundesamt für Verfassungsschutz im Detail Informationen über Mundlos geliefert hat, steht im Moment noch nicht fest. Zeitungsberichten zufolge soll der Neonazi nach den ersten Spekulationen über seine Informantentätigkeit vom Geheimdienst an einen unbekannten, sicheren Ort gebracht worden sein.

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2012, 14:29 Uhr

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1 Kommentar

20.09.2012 13:44 Richelieu 1

"Sachsen-Anhalts Innenminister Stahlknecht hatte in der vergangenen Woche Verfassungsschutzchef Limburg in den einstweiligen Ruhestand versetzen lassen."

ROTFL! Kein Wunder, dass die Wahlbeteiligung in diesem Land eine Katastrophe ist...