Sachsen-Anhalt

Altmark-Klinikum Gardelegen : Krankenkassen erstatten Anzeige im OP-Skandal

Im Skandal um offenbar überflüssige Operationen am Altmark-Klinikum Gardelegen haben mehrere Krankenkassen aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen Strafanzeige erstattet. Verschiedene Vorgänge seien bereits aktenkundig, erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stendal, Birte Iliev, am Sonnabend und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der "Altmark-Zeitung". Auslöser für die Ermittlungen sei eine vertrauliche Liste mit den Namen von mehr als 60 Patienten, die im vergangenen Jahr ohne ausreichenden Grund operiert worden sein sollen, die meisten von ihnen an der Wirbelsäule.

Operierender Arzt im Visier der Ermittler

Bei ihren Ermittlungen im Gardelegener OP-Skandal hat die Staatsanwaltschaft auch den Neurochirurgen im Visier, der in allen Fällen operiert hatte. "Wir ermitteln gegen einen namentlich bekannten Operatuer wegen fahrlässiger Körperverletzung", sagte Behördensprecherin Iliev. Der Betroffene stehe im Verdacht, die gebotene Sorgfaltspflicht außer Acht gelassen zu haben. Man stehe aber erst am Anfang der Ermittlungen. Womöglich werde das Verfahren in den kommenden Tagen noch ausgeweitet. Die Ermittlungen seien aufgrund entsprechender Medienberichte von Amts wegen aufgenommen worden.

Medienberichte setzen Ermittlungen in Gang

Den vermeintlichen Skandal hatten leitende Ärzte des Klinikums aufgedeckt. In einem ersten, bereits im März verfassten, Brief an die Klinikleitung  war von Operationen die Rede, die vor allem der Umsatz- und Gewinnsteigerung dienten. Außerdem sprachen die besorgten Mediziner von Abrechnungsbetrug und Körperverletzung. Anfang November hatte das ARD-Magazin "Fakt" erstmals über den Fall berichtet. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte die Klinikleitung diese zurückgewiesen. Zuvor war sie bereits gegen einzelne Unterzeichner des Briefes vorgegangen. So bekam ein Oberarzt eine Abmahnung, ein Chefarzt sollte gar fristlos entlassen werden. Der Mann zog deswegen vor Gericht. Mitte des Monats berichtete das MDR-Magazin "Exakt" über einen weiteren Brief von sechs Chef- und Oberärzten an den Aufsichtsratsvorsitzenden des Klinikums, den Landrat des Altmarkkreises Salzwedel Michael Ziche, in dem die Mediziner ihre Kritik erneut bekräftigten.

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Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2014, 13:57 Uhr

1. WB:
Was heißt denn hier "fahrlässige" Körperverletzung. Wenn die Vorwürfe stimmen, dann geht es um vorsätzliche Körperverletzung. Schwere Körperverletzung dürfte in einigen Fällen, wegen der eingetretenen Folgen, eh vorliegen.
25.11.2012
09:15 Uhr

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