Sachsen-Anhalt

Heiß diskutierter Gesetzentwurf : Polizei soll HIV-Test erzwingen dürfen

In Sachsen-Anhalt ist eine heiße Diskussion entbrannt: Unter welchen Umständen soll jemand gezwungen werden können, einen HIV-Test zu machen? Ein Gesetzentwurf der Landesregierung scheint da großen Spielraum zu eröffnen.

Polizeikontrolle

Nach Festnahmen und Personenkontrollen sollen Polizisten künftig unter bestimmten Umständen HIV-Tests verlangen können. Das sieht der Entwurf des neuen Polizeigesetzes in Sachsen-Anhalt vor, den das Innenministerium im Landtag durchbringen möchte und der MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt.

Konkret heißt es: "Wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen" und von der kontrollierten Person eine "Gefahr für Leib oder Leben einer anderen Person ausgegangen" ist, kann ein Beamter demnach einen Test verlangen. Bisher ist ein Test beim Verdacht auf eine HIV-Infektion nur dann möglich, wenn der Betroffene dem zustimmt.

Eine Person kann körperlich untersucht werden, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass von ihr eine Gefahr für Leib oder Leben anderer Personen ausgegangen ist, insbesondere weil es zu einer Übertragung besonders gefährlicher Krankheitserreger, insbesondere Hepatitis-B-Virus, Hepatitis-C-Virus oder Humanes Immundefizienzvirus (HIV), gekommen sein kann, (...).

Auszug aus dem Entwurf für das neue Polizeigesetz in Sachsen-Anhalt (§ 41, Absatz 6 )

Innenministerium: Untersuchung nur bei konkreter Infektionsgefahr

Das Innenministerium begründet den Absatz vor allem damit, dass gerade Rettungssanitäter und Polizisten sich in der Gefahr sähen, sich mit dem HI-Virus oder mit Hepatitis anzustecken. Nur wenn man wisse, ob der Verursacher infiziert war, könne man noch Gegenmaßnahmen einleiten.

Das Innenministerium stellte nach Bekanntwerden des Textes am Freitag klar, dass es sich nicht um einen generellen Zwangstest handle. Eine Sprecherin sagte, der Test sei nur in Einzelfällen vorgesehen. Es sollten nur Personen untersucht werden dürfen, bei denen Polizeikräfte oder Rettungshelfer mit offenen Wunden oder Körperflüssigkeiten in Berührung gekommen sind.

Gegenwind aus allen Richtungen

Verbände und Politiker kritisieren den Entwurf bereits vor dieser Klarstellung scharf, weil er den Beamten zu viel Deutungsspielraum lasse. Die Deutsche Aids-Hilfe lehnte ihn ab. Vorstandsmitglied Carsten Schatz bezeichnete ein solches Gesetz als "völlig unverhältnismäßig, denn es würde die Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit und informationelle Selbstbestimmung verletzen". Zudem bestehe nur sehr selten ein Infektionsrisiko.

Die Rechtspolitische Sprecherin der Linken, Eva von Angern, sieht die Gefahr, dass künftig eine unverhältnismäßig große Zahl aus sogenannten Risikogruppen zum Bluttest gezwungen werden könnte. Zu den Risikogruppen zähle sie Homosexuelle, Drogenkonsumenten, aber auch Obdachlose und Ausländer. Darin sehe sie einen klaren Diskriminierungstatbestand.

Auch der Schwulen- und Lesbenverband und die Opposition laufen Sturm gegen die Pläne. Schwere Bedenken aus medizinischen und ethischen Gründen äußerte auch das Robert-Koch-Institut, die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention.

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2012, 17:56 Uhr

92. Datenspion_Beamter_v.D.:
Hallo liebe Leser, was soll denn der ganze Geiz mit dem Test. Es ist doch voll ok, dass wir von jedem alles erfahren können. Natürlich nur wenn du in einem Amt arbeitest. Damit kannst du dich und deine Familie vor den bösen Steuer-, Sozialbetrügern schützen. Auch gut ist es, wenn du schon immer am politischen Rockzipfel genuggelt hast und weißt, welche Zielgruppe du zukünftig brauchst. Ggf. gibt es mehr Wähler mit Blutgruppe 0 oder so....keine Ahnung warum ich die Daten benötige...aber immer nur zu meinem Wohl, oder etwa nicht?
02.12.2012
15:56 Uhr
91. Th_Sch13:
RICHTIG SO Es ist richtig das Beamte, Sanitäter und Ersthelfer vor SEUCHEN geschützt werden. Das neoliberale Geschwätz in dieser Runde ist bei den Extremsten sowieso vorbei wenn in der eigenen Welt ein Erkrankter auftritt und seine Rechte einfordert. Große Worte sind leicht gesprochen aber Verseuchte in der Nachbarschaft will keiner ertragen. Hierfür gibt es genug Beispiele wo Mitbürger dieses und jenes fordern ABER NICHT IN MEINER NACHBARSCHAFT Verlogenes Pack !! Ich möchte wissen, ob ich mit Infizierten zusammenarbeiten Muß um Schutzvorkehrungen zu treffen, Ich Ziehe nicht Infizierte Bürger Infizerten als Arbeitskollegen vor. Ich setze mich auch nicht freiwillig in eine [...] [Löschung eines zynischen Vergleichs - MDR.DE_Redaktion]
02.12.2012
01:08 Uhr
90. diet:
Zu dem Thema möchte ich auch mein Wissen beisteuern. Vorab halte ich die Idee aus Sachsen Anhalt für grundlegend Falsch. Jetzt meine Begründung: Grundsätzlich ist jeder Mensch als potenziell Ansteckend, das weiß Jeder Arzt oder wissen Sie ob ihr Nachbar Tuberkulose hat? Was wir hier aus Sachsen- Anhalt kommen sehen ist eine Frage der Angst und das Tor zur ungebremsten Kontrolle. Nur für die, die nicht wissen wer hier schreibt. Ich habe schon 1988 im AIDS Programm des Gesundheitsministeriums. Dazu habe ich in China das Isolierkrankenhaus für Hepatitis AIDS und damals SARS besucht Und auch in China will man Menschen nicht Zwangsuntersuchen. Das gilt auch für die Damen und Herrn aus der Profession der Liebesdienste.. Wissen Sie wieviel Menschen täglich im Straßenverkehr zu Tode kommen oder schwer verletzt werden? Das sind mit großem Abstand mehr als an AIDS , vielleicht sollten in Sachsen-Anhalt der Verkehr eingestellt werden – Im doppelten Sinne
01.12.2012
14:22 Uhr
89. lars:
Der Schutz der "Volksgesundheit" sollte dann bitte aber konsequent verfolgt werden! Ein paar Anregungen: - IQ Zwangstests für Politiker - min. 100 müssen erreicht werden. - Alkoholiker und Raucher dürfen auch nicht mehr in die Politik, wegen der Vorbildwirkung - Ebenso dürfen nur noch Politiker mit einem BMI <25 einen Dienstwagen bekommen, der Rest muss auf's Fahrrad umsteigen. etc.... Übrigens darf in diesem Land niemand gezwungen werden, sich gegen Grippe, Masern, Mumps, Diphterie etc. impfen zu lassen. (Sicher im Sinne der finanziellen Gesundheit der behandelten Ärzte und der pharmazeutischen Industrie.) Also wenn wir schon Zwangsmaßnahmen gegen Risikogruppen einführen, dann sollten wir doch hier anfangen, oder? Allerdings taugt sowas nicht als wahlwirksames Minderheiten-Bashing am rechten Rand.
01.12.2012
13:26 Uhr
88. Rolph:
@Walter/79 Da bin ich wohl etwas über das Ziel "hinaus geschossen" :) Das war nicht nur gegen naive "sächsische" Polizisten gemünzt, sondern gilt für alle POL. Es spielt auch keine Rolle, ob Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Preußen; alleine die Vorstellung wirft unser Land wieder um über sechzig Jahre zurück. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel ist hier in keinem Fall gewahrt. Und rechtlich ist das Ganze sehr bedenklich!
01.12.2012
13:25 Uhr
87. Claus:
83. Barten: Eigentlich gehörst Du angezeigt!
01.12.2012
12:14 Uhr
86. Stephan Weinberger:
Das ist ganz schwierig keine Grenze zu ziehen. Bei den Organisationen, die um Blutspenden bitten, wird im Fragebogen u.a gefragt, ob man Insasse in einer Haftanstalt war. Offensichtlich ist da die Häufigkeit von HIV sehr stark. Der Schutz der Blutspende- Organisationen vor einem Skandal soll so eingedämmt werden. Zudem wird das Blut ohnehin getestet. Außerdem machen verschiedene Krankenhauskonzerne ohnehin Aids-Tests bei Patienten. Es erfolgt da keine Einwilligung des Patienten! Was das für einen Grund haben könnte erschließt sich mir nicht. Ist es ein Schutz für das Personal ist oder eine besonders gründliche Untersuchung ist?
01.12.2012
12:00 Uhr
85. Codo:
Wie platt, populistisch-verblödet, ungebildet und schlichtweg dumm hier einige kommentieren... - Da sieht man das eigentliche Problem von Sachsen-Anhalt. Von der Sache keinen Dunst, aber Hauptsache gegen "die da oben" oder "den Staat". Es geht doch darum, dass wenn Leute, die für die Allgemeinheit tätig sind, in eine Situation geraten sind, wo TATSACHEN die Annahme rechtfertigen dass diese Helfer sich infiziert haben können, der vermeintliche Überträger getestet werden darf, damit der Helfer Gewissheit hat. Ob hier ein Richtervorbehalt nicht besser gewesen wäre ist doch die Frage.
01.12.2012
10:35 Uhr
84. irmimi:
Da passt der Bericht auf tagesschau.de zum Welt-Aids-Tag: „HIV-Erkrankungen besser verschweigen?” http://www.tagesschau.de/inland/aids250.html
01.12.2012
09:59 Uhr
83. Barten:
So ein Mist kann auch nur vom Nazi verseuchten Bundesland Sachsen Anhalt kommen kommen die eh nicht mit durch Gott sei Dank haben wir den Bundesgerichtshof der unsere Grundrechte schützt vor solchen schwachmaten
01.12.2012
09:57 Uhr

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