Junger Mann mit Servierwagen
Jeden Tag bringt Daniel Kröger bringt die Essenswagen zu den Bewohnern. Bildrechte: MDR/Pauline Vestring

Arbeiten mit Schwerbehinderung Der Teenager mit dem Handwerksgeschick

Daniel Kröger mag Wäsche waschen, Bügeln und hat handwerkliches Geschick. Der 18-Jährige arbeitet als Hausmeisterhilfe und versteht sich gut mit den Bewohnern aus der Seniorenresidenz am Eiskellerplatz in Magdeburg. Seine geistige Behinderung ist bei seiner Arbeit irrelevant. Der vierte Teil der Porträtreihe von MDR SACHSEN-ANHALT über den Arbeitsalltag von schwerbehinderten Menschen.

von Pauline Vestring, MDR SACHSEN-ANHALT

Junger Mann mit Servierwagen
Jeden Tag bringt Daniel Kröger bringt die Essenswagen zu den Bewohnern. Bildrechte: MDR/Pauline Vestring

Daniel Kröger ist ein Mann der Tat und nicht der großen Worte. Emsig bügelt der 18-Jährige Hemd um Hemd der Bewohner der Seniorenresidenz am Eiskellerplatz. Bügeln liegt ihm besonders. Generell ist der kleine Wasch- und Bügelkeller sein Lieblingsraum, Wäsche zusammenlegen mag er am meisten. Als Hausmeisterhilfe ist er aber auch draußen unterwegs, Unkraut jäten gehört auch zu seinem Job, wobei er das nicht leiden kann. Daniel ist geistig behindert, das heißt, sein Intelligenzquotient (IQ ) liegt unter 70, sein Handicap ist aber für Bewohner und Kollegen gar nicht relevant.

Bewohner freuen sich

Daniel arbeitet erst seit Anfang August als Hausmeisterhilfe im Seniorenheim, aber die Bewohner haben den jungen Mann schon in ihr Herz geschlossen. Sie lächeln, wenn Daniel mit seinem Servierwagen über die Flure zieht und ihnen Essen bringt. Schon während seiner Schulzeit an der Regenbogenschule in Magdeburg, einer Schule für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung, hat Daniel mehrere Praktika absolviert, unter anderem im Seniorenheim. Durch seine Mutter, die als Altenpflegerin im Heim arbeitet, entstand die Idee, im Seniorenheim ein Praktikum zu machen und das funktionierte so gut, dass Daniel dort einen Job als Hausmeisterhilfe anfangen konnte.

Junger Mann bügelt
Bügeln liegt Daniel besonders. Bildrechte: MDR/Pauline Vestring

Der 18-Jährige ist handwerklich sehr geschickt, Lesen und Schreiben fallen ihm schwer. Er erklärt: "Ich kann zwar Lesen, aber ich verstehe den Sinn nicht." Der Teenager spricht langsam, antwortet selten in ganzen Sätzen. Er lächelt viel und widmet sich mit voller Konzentration seiner Arbeit. Umsichtig schließt er das Törchen zum Küchenbereich, zu dem die Bewohner keinen Zutritt haben. Täglich bringt Daniel die Essenswagen hoch in den Wohnbereich. Gelegentlich erledigt er kleinere Reparaturen, baut zum Beispiel einen Schrank auf. Jeden Morgen wird der Tagesablauf besprochen, damit er weiß, wie er seinen Tag strukturieren muss. Personalleiterin Melany Mischok ist beeindruckt: "Herr Kröger ist total integriert und unwahrscheinlich freundlich. Er ist ehrgeizig, will alles richtig machen und versteht sich total gut mit den Bewohnern. Da wird dann auch mal ein Pläuschchen gehalten."

Herr Kröger ist total ehrgeizig und will alles richtig machen.

Melany Mischok Personalleiterin
Frau und Mann am Schreibtisch lesen Bewerbung
Personalleiterin Melany Mischok ist beeindruckt, wie gut sich Daniel Kröger mit den Bewohnern versteht. Bildrechte: MDR/Pauline Vestring

Daniel Kröger sei nicht der einzige Mitarbeiter mit Handicap, erklärt Personalleiterin Mischok: "Wir haben mehrere Mitarbeiter, die schwerbehindert sind. Aber in unserem Bereich ist es nicht so einfach, Menschen mit Schwerbehinderung einzustellen. Deshalb freue ich mich, dass Herr Kröger das so gut macht. Unsere Bewohner haben ja auch ihre schlechten Tage, wenn damit jemand nicht umgehen kann, ist das schwierig. Herr Kröger ist da aber total souverän und bleibt immer freundlich." Seinen Job hat Daniel Kröger auch dem Integrationsfachdienst um Doreen Scholtisek zu verdanken. Die betreut etwa 20 bis 25 Schüler. Daniel Kröger hat zurzeit noch regelmäßigen Kontakt zum Integrationsfachdienst. Dieser wird so lange wie nötig gehalten. Doreen Scholtisek verrät aber: "Ich denke, wir können das bei Daniel auch in naher Zukunft abbrechen, weil das hier gut läuft."

Integrationsfachdienste Integrationsfachdienste stehen schwerbehinderten Menschen im Bereich des Arbeitslebens zur Seite. Sie helfen Menschen mit Schwerbehinderung zum Beispiel dabei, einen Job zu finden. Gleichzeitig unterstützen sie auch Arbeitgeber bei der Einstellung von Menschen mit Schwerbehinderung, indem sie etwa bei der Beantragung von Zuschüssen oder Arbeitsplatzausstattungen helfen.

Integrationsfachdienst unterstützt bei Jobeinstellung

Junger Mann faltet Wäsche auf.
Am Liebsten faltet Daniel Kröger die Wäsche der Bewohner auf. Bildrechte: MDR/Pauline Vestring

Personalleiterin Melany Mischok ist froh über die Hilfe vom Integrationsfachdienst: "Mein erster Gedanke war, ganz ehrlich, als meine Chefin mich angerufen hat und gesagt hat, dass wir Daniel einstellen: 'Okay, das ist wieder mehr Arbeit für mich!' Und dann hat das aber gut funktioniert. Der Integrationsfachdienst hat uns bei der Bürokratie geholfen. Dadurch war es viel leichter, denn ich kenne mich im Bereich Einstellung von Schwerbehinderten nicht aus." Ihrer Meinung nach, haben viele Betriebe Angst, alleine zu bleiben, wenn sie Schwerbehinderte einstellen: "Die Firmen haben ihre Arbeitsleistung zu erbringen und wollen sich nicht mit Themen beschäftigen, vor denen sie Angst haben. Herrn Kröger müsste man zum Beispiel gar nicht unterstützen, aber es kann natürlich auch sein, dass man nicht so viel Glück hat, wie wir mit Herrn Kröger."

Um 12:30 Uhr hat Daniel Kröger Dienstschluss. Noch. Denn bald soll seine Stundenzahl aufgestockt werden. Nach getaner Arbeit geht der 18-Jährige dann zum Sport: Schwimmen, Fußball spielen und Tischtennis sind seine Leidenschaft.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT das Radio wie wir| 23.08.2017 | 12:00 Uhr

Quelle: MDR/pv

Zuletzt aktualisiert: 25. August 2017, 11:11 Uhr

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