Colbitz-Letzlinger Heide : Positive Polizei-Bilanz nach Protesten
Nach den Protesten von mehr als 200 Menschen gegen den Truppenübungsplatz in der Colbitz-Letzlinger Heide zieht die Polizei eine positive Bilanz. Das "Entern" des Truppenübungsplatzes habe verhindert werden können. Die Aktivisten werfen den Beamten dagegen Schikane vor. So seien bei nur 200 Demonstranten 700 Mal Personalien aufgenommen worden.
Die Polizei hat den Großeinsatz wegen der Proteste in der Altmark als Erfolg bezeichnet. Wie sie am Sonntag mitteilte, verliefen die Aktionen am Rande des Truppenübungsplatzes in der Colbitz-Letzlinger Heide weitgehend friedlich. So sei es den Demonstranten es nicht gelungen, das Übungsgelände wie geplant zu "entern". In einigen Fällen hätten Bundeswehr-Gegner zwar auf das weiträumige Gelände vordringen können. Der Übungsbetrieb dort sei aber zu keinem Zeitpunkt gestört worden.
Keine Zwischenfälle in der Nacht
Laut Polizei gab es den ganzen Tag lang auch unabhängig von der Kundgebung immer wieder Versuche von Militärgegnern, auf das Bundeswehr-Gelände vorzudringen. Die Beamten hätten darum 137 Platzverweise aussprechen und 24 Eindringlinge vorübergehend festnehmen müssen. Darüber hinaus seien in 64 Fällen Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung erstattet worden. In der Nacht zu Sonntag habe es keine Zwischenfälle mehr gegeben.
Demonstranten werfen der Polizei Schikane vor
Auch die Aktivisten bewerten den Aktionstag insgesamt positiv. Sie hätten einen Tag lang die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gehabt. In einer Erklärung werfen sie den Sicherheitskräften allerdings vor, die Demonstranten schikaniert und gedemütigt zu haben. Vor dem Kundgebungsort habe die Polizei wiederholt Personalien aufgenommen. Ein Sprecher der Demonstranten schilderte, dass sich viele friedliche Demonstranten bei der Identitätsfeststellung bis auf die Unterhose hätten ausziehen müssen. Erst nach anwaltlicher Intervention seien die Kontrollen etwas gelockert worden.
200 Demonstranten, 700 Personalien
Nach Polizeiangaben wurden bei den insgesamt 200 Demonstranten im Umkreis des Übungsgeländes insgesamt 700 Mal Personalien aufgenommen. Die Beamten rechtfertigen ihre Vorgehensweise damit, dass auf diesem Weg Linksextremisten und einschlägig bekannte militante Bundeswehr-Gegner frühzeitig hätten identifiziert werden können. Unter den Anreisenden hätten sich auch Linksextremisten wie eine frühere Unterstützerin der RAF befunden.
| Demonstranten vor Ort | 200 |
|---|---|
| Polizeibeamte vor Ort | 1.000 |
| Personenfeststellungen durch die Polizei | 700 |
| Platzverweise | 137 |
| Strafanzeigen | 64 |
| Festnahmen (vorübergehend) | 24 |
Die Demonstration war Teil einer Aktionswoche gegen den Truppenübungsplatz. Die Mehrzahl der Demonstranten protestierte friedlich. Auf Transparenten hieß es unter anderem: "Lebenslaute statt Bombengetöse" und "Bundeswehr abschaffen". Erklärtes Ziel der ebenfalls angereisten militanten Aktivisten war es, den Übungsbetrieb auf dem Bundeswehrgelände lahmzulegen.
Das Oberverwaltungsgericht Magdeburg hatte die Demonstration unter Auflagen genehmigt. Nach der Entscheidung durften die Militärgegner aber nur in Letzlingen demonstrieren, zudem hatten die Richter einen Sicherheitsabstand zum Gelände vorgeschrieben.
9 Kommentare
Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.
Truppenübungsplatz Altmark
Die Geschichte des Truppenübungsplatzes Altmark reicht bis in das Jahr 1934 zurück. Damals begann die Wehrmacht damit, das Gelände für eine militärische Nutzung zu erschließen. Zwei Jahre später wurden drei Dörfer abgerissen. An ihrer Stelle entstand eine 30 Kilometer lange Artillerieschießbahn. Bis Kriegsende war das Gelände eine Erprobungsstelle für Artillerie- und Panzerabwehrwaffen. Danach übernahm die Rote Armee das Gebiet. Bis 1994 waren auf dem Truppenübungsplatz im Norden Sachsen-Anhalts zeitweise bis zu 20.000 sowjetische Soldaten stationiert. Nach dem Abzug der Sowjets begann die Bundeswehr damit, den Truppenübungsplatz von Altmunition zu beräumen und für eigene Zwecke nutzbar zu machen. So wurde in Letzlingen die heutige Altmark-Kaserne errichtet und das Gefechtsübungszentrum des Heeres aufgebaut.





