Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Haseloff: "Regierungsbildung wird schwierig"

Die CDU wird nach vorläufigem amtlichen Endergebnis trotz Verlusten mit 29,8 Prozent wieder stärkste Kraft im Landtag. Der bisherige Koalitionspartner SPD verliert zehn Prozentpunkte und erreicht 10,6 Prozent. Damit hätte die bisherige Regierungskoalition ihre Mehrheit verloren. Die AfD wird aus dem Stand mit 24,2 Prozent zweitstärkste Kraft. Die Linke kommt auf 16,3 Prozent und die Grünen auf 5,2 Prozent. Die FDP verpasst mit 4,9 Prozent kanpp den Wiedereinzug in den Landtag.

CDU: "Wir sind stärkste Kraft geblieben"

CDU-Spitzenkandidat und Ministerpräsident Reiner Haseloff räumt nach den Hochrechnungen bei der Landtagswahl eine schwierige Regierungsbildung ein. "Ich hätte gern diese Koalition fortgesetzt", sagte er in einer ersten Reaktion in Magdeburg. Er sei aber dankbar, dass seine Partei ein Ergebnis eingefahren habe, das mit dem der letzten Landtagswahl vergleichbar sei.

Weiter betonte er, dass an der CDU vorbei keine Regierung gebildet werden könne: "Ich werde mich bemühen, dass wir zu einem stabilen Regierungsergebnis in den nächsten Wochen kommen werden." Er glaube, dass es die CDU schaffe, eine stabile Möglichkeit zu finden, dass sich Sachsen-Anhalt weiter gut entwickele.

Als Herausforderung für die nächsten fünf Jahre sieht Haseloff, die Protestwähler zurückzugewinnen.

CDU-Fraktionschef André Schröder ergänzte: "Es gibt einen klaren Auftrag zur Regierungsbildung und der liegt bei der CDU. Wir sind stärkste Kraft geblieben, an uns vorbei kann keine Regierung gebildet werden. Der Ministerpräsident heißt Reiner Haseloff."

SPD: "Überzeugt, dass Budde die Richtige war"

Der bisherige Regierungspartner, SPD, schätzt die ersten Ergebnisse ähnlich ein wie die CDU. "Es ist die Aufgabe der nächsten fünf Jahre, das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen", sagte die SPD-Spitzenkandidatin, Katrin Budde. Zu Fragen nach persönlichen Konsequenzen sagte sie in Magdeburg: "Ich werde weitermachen." Man müsse aber schauen, warum die SPD so hoch verloren habe: "Natürlich müssen da Fehler gemacht worden sein.“

Als katastrophales Ergebnis bewertet Rüdiger Erben, stellvertretender Fraktionsvorsitzende der SPD, die ersten Hochrechnungen. Er sagte: "Wir werden das Ergebnis genau analysieren. Ich bin überzeugt, dass Katrin Budde die Richtige war. Wir haben zusammen Wahlkampf gemacht, es war ein schwieriger Wahlkampf."

AfD: "Wir werden Oppositionsarbeit leisten"

Für die AfD ist das Wahlergebnis nicht überraschend. Spitzenkandidat André Poggenburg sagt in einer ersten Reaktion: "Wir sind mit dem Ziel in den Wahlkampf gegangen, eine starke Opposition zu sein. Wir werden auch als starke Opposition in den Landtag gehen und echte Oppositionsarbeit leisten. Es gibt zurzeit gar keine wirklichen Oppositionsparteien mehr."

Bis auf die etablierten Parteien und die Politiker, die ihre Posten verlieren, brauche niemand Angst und Sorge vor der AfD haben. Er betonte: "Wir sprechen mit jedem, und wir unterstützen künftig jeden Antrag jeder Partei, wenn wir der Meinung sind, dass das unserem Land gut tut."

Für Poggenburg steht weiter fest: "Wir wollen Opposition sein. Die AfD hat ein Ergebnis erzielt, mit dem wir Rekorde gebrochen haben. Wir haben etwas ganz Wichtiges erreicht: Wir haben ganz viele Nichtwähler dazu bewegt, endlich an der Wahl teilzunehmen. Eine Sache, die die etablierten Parteien nicht geschafft haben."

Die Linke: "Klarer Auftrag, die linke Alternative sein"

Wulf Gallert, Spitzenkandidat der Partei "Die Linke", ist enttäuscht von den Ergebnissen: "Das ist eine schwere Niederlage, da braucht man gar nicht drum herum reden." Auch, dass er kein Ministerpräsident werde, sei enttäuschend. Er sei vor allem enttäuscht über die Rechtsverschiebung. "Ich liebe dieses Land, ich bin erschüttert", sagte er.

Zu einer möglichen Koalition mit SPD und CDU sagte Gallert: "Wir haben als Partei einen ganz klaren Auftrag, die linke Alternative zu einer CDU geführten Landesregierung zu sein." Über weitere Optionen, beispielsweise falls es jenseits der Linken keine Regierungsbildunge gebe, müsse zu gegebener Zeit nachgedacht werden.

Was die Spitzenpolitiker zum Wahlergebnis sagen

Zitat André Poggenburg
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Zitat Claudia Dalbert
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Bündnis90/Die Grünen: "Freuen uns über Wiedereinzug"

Claudia Dalbert, Spitzenkandidatin der Grünen, sieht die Verluste bei CDU und SPD in der Unzufriedenheit in der Bevölkerung begründet. "Das ist für mich ein klares Zeichen, dass dieses ideologische Festhalten an der schwarzen Null, diese Kaputtsparpolitik eine Klatsche erlitten hat." Über den Einzug in den Landtag sagte Dalbert: "Wenn die Grünen eine feste Größe im Landtag sind, dann freuen wir uns sehr."

Alle Beiträge zur Landtagswahl 2016 in Sachsen-Anhalt

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2016, 00:44 Uhr

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37 Kommentare

15.03.2016 10:53 O-Perler 37

@(Richard Rumbold) in @33.: Vor allem sei es IHNEN mal empfohlen, das Parteiprogramm der AfD zu lesen! Und es wird keinen "Schießbefehl" an den deutschen Grenzen geben, so wie sie ihn hier darstellen. Die bereits seit Jahrzehnten geltenden einschlägigen Bestimmungen werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht verändert werden, ob nun mit Mitwirkung der AfD oder ohne sie! ------> 10.51 Uhr am 15. 03. 2016 als "Witw.." unter "Haseloff: Regierungsbildung wird schwierig..." ...

14.03.2016 13:00 alle 3 Wahlergebnisse 36

sind die logische Folge einer übermächtigen Großen Koalition, der keine wirklich relevante Opposition gegenüber steht. Dies verbunden mit einer rechthaberischen, uneinsichtigen Kanzlerin, die nahezu alle fähigen Köpfe aus ihrem Umfeld weggemobbt hat und einem Vizekanzler, der alle Bürger, die gegen die derzeitige Flüchtlingspolitik sind, in einen Topf mit rechtsradikalen Brandstiftern wirft und übel beschimpft. Mit ihrer Politik und ihrem Personal haben CDU + SPD den Boden bereitet für einen Zustand, der (zumindest) in S.-A. schon sehr an die Weimarer Republik erinnert. Leider hatte man in der gestrigen ZDF-Talk-Runde bei Maybrit Illner auch nicht das Gefühl, dass den sog. etablierten Parteien dies zumindest im Ergebnis der Wahl bewusst geworden ist. Der an der Runde teilnehmende Journalist Giovanni di Lorenzo hat diese Einschätzung dort deutlich zum Ausdruck gebracht. Insofern "arbeiten" die Koalitionäre schon an den nächsten Wahlniederlagen im Herbst.

14.03.2016 10:52 BaldFremdImEigenenLand 35

Zitat: Wenn sich zu viele auf den linken Ast des Demokratiebaumes setzen, bricht er eben ab, weil das Gleichgewicht fehlt.
...und immer schön die Finanzmarktblase im Auge behalten! Ohne Banken-Kredite und Schummel-Währung kein Sozialstaat.

14.03.2016 10:32 007 34

Der einzige Politiker der großen Parteien der die Zusammenhänge richtig erkannt hat und das auch angesprochen hat, war der Spitzenkandidat Haselhoff CDU. Der war sichtlich betroffen und das war ehrlich, er hat gesagt jetzt muss sich endlich an der Politik in Berlin etwas ändern. Nur, dass seine Chefin in Berlin und ihre Nibelungen das nicht so sehen. Statt dessen muss dem Volk weiter das Gehirn gewaschen werden. Ohne uns....Die hält stur an ihrer Politik fest bis zum Untergang. Da ist nix mit Politikänderung und das ist sehr gut, für die AfD.

14.03.2016 10:24 Richard Rumbold 33

Noch ist es nicht entschieden, ob Deutschland leidlich demokratisch und erträglich weltoffen bleiben kann oder ein Grenzregime mit Stacheldraht mit Schießbefehl die Illusion erzeugt, die Probleme könne man vor der Tür lassen.
Ich empfehle allen AfD-Wählern, wenigstens jetzt einmal das Programm dieser Partei zu lesen.

14.03.2016 09:18 BaldFremdImEigenenLand 32

Fiktion: Ein jeder stelle sich mal folgende Situation vor. JEDER klammert mal alle staatlichen Subventionierungen seines Alltags und Einkommens ganz real und finanziell aus. Was wäre dann?! Die Frage gilt besonders für Studenten, Professoren, ALLE ÖD-MAer, Profiteure in Vereinen, Beauftragte, Funktionäre aller Art, Kirchenobleute, sogenannte Experten und besonders Parteibuchträger. Wie würden Sie alle ihren Lebensunterhalt bestreiten, gäbe es die Umverteilung von Steuergeldern nicht.
Frage an alle AfD-Hasser und Linksparteienwähler (CDUSPDLINKEGRÜNE): Wie kämen Sie alle wohl über die Runden, wenn der sogenannte Sozialstaat pleite wäre? Ohne Staatsgeldern aus Steuerterror und Schuldenaufnahme wäre der Sozialstaat NICHTS! Der Tag kommt....mit mathematischer Logik sogar in Kürze.
Ach so.....Wahlen??? Gibts bald nicht mehr.
Prognose für die BuTagsWahl 2017: Findet nicht mehr statt. WETTEN?!

14.03.2016 09:13 Ekkehard Kohfeld 31

Herzlichen Glückwunsch AFD.Und natürlich sind jetzt die AFD-Wähler schuld an den Guten Zahlen,ja klar haben sie ja gewählt und danke an die Gutmenschen und die alt Parteien,ihr hab gut Wahlhilfe geleistet,und macht das bitte weiter so,dann wird die AFD noch stärker,ihr kennt doch den Spruch "Was mich nicht tötet macht mich noch härter".Und warum ist jetzt Sachsen-Anhalt schuld weil es ein Ossiland ist?Wie wahr das in Hessen,überall AFD 3.stärkste Partei,laut letzten Umfragen wenn Wahlen in NRW währen,auch hier 3.stärkste Partei,also woran ist Sachsen-Anhalt jetzt schuld??

14.03.2016 09:02 Martin Holgert 30

Volker 13 ""Ich schäme mich für Sachsen-Anhalt. So geht es nicht... Bundes - mit Landespolitik vermischen."" Warum nicht?Das Ergebnis der Bundespolitik hat Einfluss auf die Landespolitik.Das Ergebnis der Bundespolitik hat Auswirkungen auf die Länder,auf die Bürger in den Ländern.Warum sollen die Bürger dann nicht den politischen Ausweg aus diesem Wahn wählen? Und zu Ihrer Scham,stellen Sie sich vor wie sich Hessen nach der letzten Wahl gefühlt haben müssen,die NPD wurde bei denen gewählt.Können Sie sich das vorstellen?Nur gut das es solche Wähler in Sachsen nicht gibt,darauf sollten Sie stolz sein.

14.03.2016 08:51 Ralf 29

Ich wähle nur noch eine Partei die lohnangleichung Ost West auf ihren programm schreibt, da es nicht sein kann das ein Handwerker im Osten 20%
geringeren Grundlohn hat, 25 Jahre nach der Wiedervereinigung. Wir haben die gleichen Kosten mit Miete und Auto wie in Westen. Müll und Wasser/Abwasser sind sogar teurer. Wacht entlich auf.

14.03.2016 08:43 Historiker 28

Wichtig ist, dass es keine rechte Partei in den Landtag geschafft hat. CDU und AFD sollten nun ihre Programme nebeneinanderlegen und eine tragfähige Koalition bilden, da es eine verordnete Verweigerung für eine demokratische Partei nicht geben darf. Wir hätten dann eine neue Mitte.

Stimmabgabe Tag der Entscheidung in Sachsen-Anhalt

Die Sachsen-Anhalter haben am Sonntag gewählt und entscheiden, wie sich der Landtag in den nächsten fünf Jahren zusammensetzt. Fotos vom Tag der Entscheidung sehen Sie hier.

Wulf Gallert, Die Linke, bahnt sich den Weg durch eine Menschenmenge.
Wulf Gallert verlässt das ARD-Fernsehstudio. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
Wulf Gallert, Die Linke, bahnt sich den Weg durch eine Menschenmenge.
Wulf Gallert verlässt das ARD-Fernsehstudio. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
Familie vor Wahllokal
Familienausflug mal anders: In Klietz zeigen die Blümners dem Nachwuchs wie man wählt. Bildrechte: MDR/Max Schörm
Zwei Frauen lächeln in die Kamera
Daniela Rothe und Victoria Meixner müssen heute den ganzen Tag in der Hexenklause ran. Wählen muss aber sein, deshalb geht's für die eine vorher und für die andere danach noch in die Kabine. Bildrechte: MDR/Max Schörm
Stimmzettel zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Jeder Wähler hat zwei Stimmen, die sogenannte Erst- und Zweitstimme. Mit der Erststimme wird der Bewerber im Wahlkreis gewählt. Mit der Zweitstimme wird die Landesliste gewählt, die jede der 15 zur Wahl stehenden Parteien aufgestellt hat. Bildrechte: MDR/Kan Nozawa
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