Symbolbild Gewalt gegen Kinder
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Zahlen der Mobilen Opferberatung Mehr rassistische Gewalt gegen Kinder

Die Mobile Opferberatung Sachsen-Anhalt verzeichnet einen Anstieg rassistischer Gewalt gegen Kinder. Das belegen die Zahlen von 2016. Betroffen sind vor allem Kinder von Flüchtlingen.

Symbolbild Gewalt gegen Kinder
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Die Mobile Opferberatung in Sachsen-Anhalt warnt vor einem Anstieg rassistischer Gewalt gegen Kinder. Nach Angaben der Beratungsstelle wurden 2016 insgesamt 45 Fälle registriert. Die Zahl habe sich damit im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht, so Antje Arndt von der Beratungsstelle. Die Hemmschwelle, Kinder anzugreifen, sei gesunken, so Arndt. Betroffen seien vor allem Flüchtlingskinder.

"In der Schule wurden Kinder aus Syrien angegriffen, getreten und beleidigt." Es gibt aber auch Angriffe auf offener Straße oder im Zug: "Ein erwachsener Mann hat einen zehnjährigen Flüchtlingsjungen beleidigt und ihm ins Gesicht geschlagen. Danach griff der Mann den Vater an, als der seinem Kind zur Hilfe kommen wollte."

Halle seit Jahren Schwerpunkt rassistischer Gewalt

So krasse Fälle kennt Barbara Schmidt zwar nicht, aber auch sie hat Rassismus gegen ihre Schützlinge erlebt. Heute leitet Schmidt eine heilpädagogische Einrichtung in Wolmirstedt in der deutsche Kinder und Flüchtlingskinder gemeinsam und friedlich miteinander leben. Zuvor hat sie mehr als 20 Jahre lang unbegleitete Flüchtlingskinder in Magdeburg betreut.

Barbara Schmidt
Barbara Schmidt, Bildrechte: MDR/Mario Köhne

In der Stadt gab es vor allem verbale Gewalt. Sie habe oft mit den Jugendlichen über die Probleme gesprochen, erzählt Schmidt. Außerdem hatten die Geflüchteten nur bis 20 Uhr Ausgang. "Es gab in der Stadt oder in der Straßenbahn Pöbeleien. Sie wurden auch mal beschimpft. Aber es gab zum Glück keine körperlichen Attacken."

In zwei Städten sind die Zahlen der Beratungsstelle auffällig hoch. Halle sei schon seit Jahren ein Schwerpunkt rassistischer Gewalt, berichtet Arndt. Hier hat die Zahl der Attacken (2016 waren es 47, 2015 noch 76) allerdings deutlich abgenommen. Anders sieht es in Burg im Jerichower Land aus. In der Kleinstadt wurden 2016 36 Übergriffe gezählt, im Vorjahr waren es nur acht. Arndt erklärt sich das so: "Wir müssen immer wieder feststellen, dass dort Schwerpunkte rechter Gewalt sind, wo es auch eine rechte Szene gibt. Dort gibt es also Menschen, die flüchtlingsfeindlich auftreten." 2016 hätten aber auch flüchtlingsfeindliche Demonstrationen in die Statistik hineingespielt.

Rechte Gewalt ist eine Folge von menschenfeindlichen und rassistischen Einstellungen, die durch flüchtlingsfeindliche Diskurse verstärkt werden und die Eltern auch an ihre Kinder weitergeben.

Antje Arndt, Mobile Opferberatung
Antje Arndt
Antje Arndt, Mobile Opferberatung Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Die Opferberatung bemängelte, dass Angriffe, die von Gleichaltrigen verübt wurden, oft verharmlost würden. Die rassistischen Motive würden wegen des Alters häufig übersehen, so Arndt: "Rechte Gewalt ist eine Folge von menschenfeindlichen und rassistischen Einstellungen, die durch flüchtlingsfeindliche Diskurse verstärkt werden und die Eltern auch an ihre Kinder weitergeben."

Höchststand seit 2003

Im vergangenen Jahr zählte die Mobile Opferberatung Sachsen-Anhalt 265 politisch rechts motivierte Gewalttaten mit 401 Betroffenen. Die Beratungsstelle registrierte damit insgesamt einen Höchststand bei der Zahl rechter Gewalttaten – seit Beginn der Statistik 2003. In den meisten Fällen ging es um Körperverletzung. Zudem habe es sechs versuchte Tötungen gegeben. Die Entwicklung zeige eine zunehmende Entgrenzung rechter Gewalt und Entmenschlichung der Opfer durch die Täter, so Arndt. Die Betreuerin geht davon aus, dass die Dunkelziffer noch deutlich höher liegt.

Für Opfer hat eine solche Attacke oft massive Folgen. Die Kinder hätten Angst in die Schule zu gehen, berichtet Arndt. Eltern würden ihren Kindern verbieten, das Haus zu verlassen. Viele Betroffene packen die Koffer: "Sofern sie die Möglichkeit haben verlassen sie die Stadt oder auch Sachsen-Anhalt."

Die Opferberatung kritisierte, dass das Problem rechter Gewalt von der Gesellschaft nicht ausreichend wahrgenommen werde. Die Perspektive der Betroffenen werde häufig nicht gesehen. "Eine klare Solidarisierung der Mehrheitsgesellschaft und der Politik sehen wir nicht", sagte Arndt. Viele Fälle würden von den Behörden zudem nicht als politisch rechts motiviert eingestuft. Auch fehle ein Abgleich der Statistiken zwischen Polizei und Justiz. "In Sachsen-Anhalt ist ein Bleiberechtserlass überfällig", erklärt Arndt. So könnten Betroffene gegen die Täter juristisch vorgehen, ohne mit einer Abschiebung während der Ermittlungen rechnen zu müssen.

Betreuerin Barbara Schmidt hofft auf eine bessere Aufklärungsarbeit – auch auf politischer Ebene. Außerdem wünscht sie sich, "dass die Menschen auch mal auf die Flüchtlinge zugehen und mal mit den Flüchtlingen das Gespräch suchen und nach deren Schicksal fragen."

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16.03.2017 | 7:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. März 2017, 16:00 Uhr

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41 Kommentare

18.03.2017 09:08 Bingo 41

Wieder mal der böse Deutsche !! Gewalt und Hetze sind immer zu verurteilen. Wo aber ist die Statistik der Gewalttaten bzw.Übergriffe von Asylbewerbern, auf die hiesige Bevölkerung???

ANmerkung MDR SACHSEN-ANHALT: Die finden Sie hier: http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/straftaten-durch-auslaender-gestiegen-100.html Die gesamte Statistik gibt es beim LKA Sachsen-Anhalt.

18.03.2017 01:16 Elsner 40

@Benutzer 9: Wie auch MDR Sachsen-Anhalt bestätigt erfasst die mobile Opferberatung rassistische Gewalt nur einseitig. Wie auch einige Kommentatoren schreiben gibt es aber auch rassistische Gewalt gegen deutsche Bürger beispielsweise in Gegenden oder Schulklassen wo diese in der Minderheit sind. Diese Statistik müsste noch ergänzt werden.

17.03.2017 21:12 EPSK 39

@ Benutzer

ich habe nur von mir geredet, nicht davon das jeder selbst Schuld hat, wenn er beleidigt wird...der HFC-Fan kann nichts dafür, dass er von FCM-Fans beleidigt wird, der Polizist kann nichts dafür, dass er von Reichsbürgern beleidigt wird, die Politesse nicht, wenn sie von Falschparkern beleidigt wird, ein Kind nicht, wenn es von anderen Kindern beleidigt wird...die Frage bleibt, wie ich reagiere...zivilisiert oder wie im Affenstall...Mich persönlich kann man nur beleidigen, wenn ich die Person, die etwas äußert schätze, respektiere und kenne...alle anderen sind einfach nur schlechte Statisten im Film meines Lebens...was kümmern die, den Hauptdarsteller?
Aber bei allem gebotenen Respekt ich denke, Sie sind in Ihrer rechten Gesinnung so festgefahren, dass sie einfach nicht mehr erkennen KÖNNEN, dass alle Menschen gleich sind, wenn sie auf die Welt kommen...wenn Kinder das nicht lernen, egal in welchen Familien, DANN passiert das, worum es im obigen Artikel geht...

17.03.2017 20:55 Detektor 38

@Benutzer (#30, 17.03.17 15:18)

zu "Aleppo ist befreit. Die syrischen jungen Männer usw könne wieder zurück. Aufbauen helfen. was spricht dagegen?!. Nichts."

1. Die Klassifikation 'befreit' ist zumindest zu hinterfragen, wenn nicht sogar befremdlich.
2. Syrien besteht bekanntermaßen nicht nur aus Aleppo und wahrscheinlich ist auch Ihnen bekannt, daß es da noch so ein paar klitzeklein 'Scharmützel' gibt.
3. Auch 'ne hinreichend wertschätzende Formulierung: "syrischen jungen Männer usw". Was/Wer bitte ist 'usw'?

Darüber hinaus: Flüchtlinge sind genauso Menschen wie jedes andere Mitglied einer menschlichen Gruppierung (z.B. deutsche Bürger), und ergo gibt es unter Flüchtlingen genauso wie woanders auch Fehlgeleitete. Entschuldigt dies irgendwie die in dem hiesigen Bericht dargestellten Vorgänge?

17.03.2017 20:13 gwm 37

-Auf der Internet-Seite der Mobilen Opferberatung wird ausführlich über die Methodik und die Fälle berichtet.- Okay, habe ich gelesen.
Ja sie höhren das rassistische Gras wachsen. Woher sollten sie sonst von verbalen Rassismus wissen.? Wer informiert sie ? Oder igeht es so ,ich sehe und höhre was ,was du nicht siehst und höhrst.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT
Schön. Zu Ihrer Frage: Es ist eine Opferberatung. Da gehen Menschen hin, die aus einer Notsituation heraus Hilfe suchen. Es gibt auch Opferberatungen für viele andere Themen. Gehen Sie hin, rufen Sie an, fragen Sie nach.

17.03.2017 19:50 Benutzer 36

17.03.2017 14:48 Christine

Und?!. Migranten usw Kinder beschimpfen, schlagen deutsche weil sie ungläubige kartoffel....sind. Die mädels als H...weil sie kein Kopftuch tragen. Und nun?!. was sagen sie dazu?!.

Gehen sie mal in NRW usw in eine Schule wo Migrantenkinder in der Überzahl sind. Da werden Deutsche gemobbt uswusw..

17.03.2017 19:47 Benutzer 35

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT
Was hat ein brutaler Überfall mit rassistischen Übergriffen auf Kinder zu tun?

Zitat von 16.03.2017 21:23 EPSK ( KEINER hat mich je beleidigt...aber möglicherweise schallt es aus dem Wald zurück, wie es hinein schallt^^) " Zitatende : Nach dem ist jeder selber schuld.

17.03.2017 19:41 EPSK 34

@Benutzer
dumme Menschen beleidigen sich,
Wer auf jede Provokation mit Gegengewalt reagiert und sei es nur verbal, der dreht an der Eskalationsschraube...einfach mal drüberstehen und nicht wie im Kindergarten...Menno, atta, mimimii...Man sollte dem gesäten Hass keinen Boden bieten.

zum Raubüberfall in Magdeburg

Thema verfehlt, setzen, 6
aber dennoch ein gutes Beispiel für den deutschen Durchschnitts-Willi, der immer wieder aus Rassistischen Motiven heraus, Gruppen "Andersartiger" diffamieren möchte...

Verbrecher gibt's in allen Farben...Nicht die Herkunft sondern unser Leben macht uns zu dem, der wir sind...

17.03.2017 17:24 gerd 33

28 .Christine tut mir leid für ihren Sohn . Aber im Westen kommt sowas auch vor und man´chmal auch andersherum.Und im übrigen was heisst IHR Ostdeutschen bist doch selbst eine.

17.03.2017 17:21 Detektor 32

@Benutzer (#30, 17.03.17 15:18)

zu "Aleppo ist befreit. Die syrischen jungen Männer usw könne wieder zurück. Aufbauen helfen. was spricht dagegen?!. Nichts."

1. Die Klassifikation 'befreit' ist zumindest zu hinterfragen, wenn nicht sogar befremdlich.
2. Syrien besteht bekanntermaßen nicht nur aus Aleppo und wahrscheinlich ist auch Ihnen bekannt, daß es da noch so ein paar klitzeklein 'Scharmützel' gibt.
3. Auch 'ne hinreichend wertschätzende Formulierung: "syrischen jungen Männer usw". Was/Wer bitte ist 'usw'?

Quintessenz: Man baut sich seine Realität, wie es einem paßt.

Darüber hinaus: Flüchtlinge sind genauso Menschen wie jedes andere Mitglied einer menschlichen Gruppierung (z.B. deutsche Bürger), und ergo gibt es unter Flüchtlingen genauso wie woanders auch Fehlgeleitete. Entschuldigt dies irgendwie die in dem hiesigen Bericht dargestellten Vorgänge?
Vielleicht sollten Sie Ihrem Alias mal genüge tun und Ihren Verstand und Ihre Empathie verwenden.