Ein großes weißes Kreuz steht mitten auf der Festwiese der Lutherstadt Wittenberg.
Der Reformationsverein erwartet zum Festgottesdienst rund 100.000 Besucher. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

Rund um den Kirchentag So viel kostet das Reformationsjubiläum

500 Jahre Reformation und zehn Jahre Lutherdekade bewegen sich auf ihren ersten Höhepunkt zu: Die Feierlichkeiten zum Jubiläum in Berlin, mitteldeutschen Städten und natürlich Wittenberg. Die Gelder kommen vom Bund, den Ländern und der Kirche selbst.

von Patrick Eicke, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein großes weißes Kreuz steht mitten auf der Festwiese der Lutherstadt Wittenberg.
Der Reformationsverein erwartet zum Festgottesdienst rund 100.000 Besucher. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

Etwa 22 Millionen Euro – so viel kosten die verschiedenen Feierlichkeiten im Sommer laut Geschäftsführer des Vereins "Reformation 2017", Ulrich Schneider. Schneider sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dazu gehörten die Konfirmanden-Camps, die Kirchentage auf dem Weg in verschiedenen mitteldeutschen Städten und der Festgottesdienst in Wittenberg am 28. Mai.

Dreigeteilte Finanzierung

Grundsätzlich laufe die Finanzierung der Veranstaltungen dreigeteilt. Ein Drittel kommt Schneider zufolge aus Geldern der Evangelischen Kirche in Deutschland und der verschiedenen Beteiligten Landeskirchen, ein Drittel aus sogenannten Eigenleistungen – dazu zählen Sponsoren-Gelder, aber auch Einnahmen aus Eintrittskarten – und ein Drittel von Seiten des Bundes, der Kommunen und der Länder.

Eine Bühne mit Blechbläsern
Die Weltausstellung in Wittenberg kostet rund 25 Millionen Euro. Bildrechte: MDR/André Damm

Ulrich Schneider sagte, zu den Kirchentagen auf dem Weg würden insgesamt 40.000 Menschen und zum Festgottesdienst am Sonntag etwa 100.000 Teilnehmer erwartet. Vorausgesetzt, das Wetter bleibe so gut wie angekündigt, "denn das Wetter macht 30 Prozent aus."

Insgesamt belaufen sich die Kosten für die Aktionen im Reformationsjahr inklusive der Veranstaltungen im Sommer auf 50 Millionen Euro, dabei ist die vor kurzem eröffnete Weltausstellung in Wittenberg mit rund 25 Millionen Euro der größte Posten. Der Verein plant, mit Einnahmen aus Eintrittsgeldern insgesamt bei "plus minus Null" herauszukommen, da er nach dem Ende des Festjahres wieder aufgelöst wird.

Land investiert vor allem beim Bau

Das Land Sachsen-Anhalt investiert schon seit Beginn der Lutherdekade 2008 an verschiedenen Punkten. Die Staatskanzlei teile MDR SACHSEN-ANHALT mit, insgesamt seien etwa 80,2 Millionen Euro ausgegeben worden. Den größten Anteil davon machten Baumaßnahmen aus, in die insgesamt rund 58 Millionen Euro geflossen seien. Der zweitgrößte Posten seien die Kultur und wissenschaftliche Projekte mit knapp 17 Millionen Euro. Das restliche Geld werde kleinteiliger investiert.

Im aktuellen Haushalt der Staatskanzlei, zu der auch das Kultusministerium gehört, werden dieses Jahr unter anderem Zuschüsse für Investitionen in Gemeinden von knapp fünf Millionen Euro und ein Zuschuss für den gemeinsamen Kirchentag in Berlin und Wittenberg von einer Million Euro aufgeführt.

Und Wittenberg?

Die Stadt Wittenberg selber gibt einer Sprecherin zufolge kein Geld für die Feierlichkeiten aus. Es gebe stattdessen eine Rahmenvereinbarung mit dem Reformations-Verein, der verschiedene Anlagen nutzen kann, ohne Gebühren dafür zu zahlen. Im Gegenzug erhalte man auch keine Beteiligung aus Eintrittsgeldern.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24.05.2017 | 14:30 Uhr

Quelle: MDR/pe

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2017, 15:39 Uhr

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11 Kommentare

26.05.2017 11:57 Hallenser 11

Als evangelisch-lutherischer Christ kritisiere ich deutlich das Primborium und die Verschleuderung von soviel Geld! Mehr Sparsamkeit, Zurückhaltung und Demut hätten sicher auch Jesus Christus und Martin Luther angemahnt! Aber die Käsmannisierung innerhalb der evangelischen Landeskirchen und der EKD wird immer deutlicher: Verschleuderung von Geld für Showveranstaltungen bei knappen Kirchenkassen, strikte Realitätsverweigerung bezüglich Islam und Immigration, Ablehnung der freiwilligen Zahlung an die Gemeinden statt Kirchensteuereinzug durch den Staat, eine bleibende Verkopfung der Landeskirchen trotz Fusionen aus angeblicher Geldknappheit ( in unserer Landeskirche ist Magdeburg Bischofssitz, Erfurt Sitz der Kirchenleitung, Eisenach Sitz des Schulbeauftragten, 2 RPI´s in Neudietendorf und Drübeck ( Eines reicht völlig! Warum keine Fusion?))... Der Großteil der Kirchensteuern wird für Verwaltungsaufgaben ausgegeben. Gehts noch? Überall werden Pfarrstellen gestrichen aus Geldknappheit.

25.05.2017 22:01 Brentano 10

Die derzeit stattfindenden kollektiven Selbstbeweihräucherungen unter z. T. massiver Mitwirkung politischer Prominenz bestärkt mich einmal mehr in meiner Überzeugung, dass die Kirchen in Deutschland auch künftig zuverlässige Unterstützer der Herrschenden sind.
Über das segensreiche Wirken deutscher Kirchenfürsten in diversen Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts hülle ich zur Feier des Himmelfahrtstages ein Mäntelchen des Schweigens.

25.05.2017 10:32 WT auf E100 9

Und selbst diese Rechnung von 113 Millionen für den G7 in Elmau ist FALSCH. Die Polizeibeamten kosten dem Staat immer das Gleiche. Diese Summe der Besoldung dürfte garnicht mit Eingerechnet werden. Deshalb leistet sich der Staat doch seine Beamten. Für die Einsätze in Gorleben usw wurden auch immer wieder diese Immensen Summen vorgerechnet.

25.05.2017 09:04 böse-zunge 8

Es ist also keine ganz billige Veranstaltung.
Und die "öffentl. Hand" gibt Geld dazu, in nicht geringem Umfang.
Wäre ja nun nicht soo außergewöhnlich - kommt ja öfter vor. Würde nicht nämliche Hand zusätzlich Jahr für Jahr Geld eben jenen Empfängern überweisen - für Ereignisse aus napoleonischen Zeiten. Von wechselnden Regierungsformen und Weltkriegen überholt, überrollt und ein ums andere Mal restauriert. Könnte jene, gebende, Hand da nicht auch mal einen Stift zur Hand nehmen und den einen mit dem anderen Betrag verrechnen? Macht sie ja bei sozial etwas weiter unten angesiedelten Bürgern auch gern - also warum nicht auch da?
Könnte da der MDR nicht mal beim Wittenberger Landesvater nachfragen?

24.05.2017 00:29 Teure Propaganda-Show 7

Ein Unding, dass die Allgemeinheit zu einem Drittel (warum eigentlich?) für eine Veranstaltung aufkommen soll, von der sie zumindest in Ostdeutschland zum überwältigenden Teil gar nichts hat, wo nur eine kleine Minderheit in der Kirche ist. Geld, das woanders dringend fehlt!
Dann ist die Diskrepanz noch größer, weil auch die Sponsoren teilweise direkt oder indirekt allgemein bezahlt werden (von wegen "Eigenleistungen") und anderweitig jede Menge Geld an Kirche und Kirchentag fließt (öffentliche Mittel, Anlagennutzung, Steuerbefreiung etc.).
Letztlich ist das ganze Propaganda, die als solches immer auf den Urheber (der sie ja nötig hat) zurückfällt.

24.05.2017 20:18 Walter 6

MDR schwach keine Recherche durchzuführen.
5 Minuten google.
Allein 50 Millionen Bundeszuschuss für OSZE und G20. Der G7 Gipfel in Elmau hat 113 Millionen gekostet.
Jetzt kann jeder über Würdigung nachdenken.

24.05.2017 19:57 Atze 5

@Oma Gitte,
Ja das Sparen ist nicht mehr in. Überall Gigantismus !
Und VW als Sponsor soll über Nachhaltigkeit sprechen.
Kam heute früh im Radio. Die Kirche soll nur 3 Mio.bezahlen, wurde auch gesagt. Stimmt das denn mdr? Das wäre ja ein Skandal. Die evangelische Kirche bekommt alleine im Jahr über 24 Mio.in Sachsen vom Freistaat, die Katholiken knapp 1 Mio.


ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
In unserer Hörfunkmeldung heißt es, "Die Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum kosten insgesamt rund 50 Millionen Euro. Der Geschäftsführer des Vereins "Reformation 2017", Schneider, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der größte Posten sei mit 25 Millionen Euro die gerade eröffnete Weltausstellung in der Lutherstadt Wittenberg. Ein Drittel der Gelder kommt demnach von der Evangelischen Kirche in Deutschland und den beteiligten Landeskirchen. Ein weiteres Drittel steuerten Bund, Länder und Kommunen bei. Der Rest stamme aus Sponsorengeldern oder Einnahmen aus Eintrittskarten."

24.05.2017 19:15 Walter 4

22 Millionen für die Feier des 500 jährigem Jubiläum eines weltgeschichtlichen Ereignisses, das ist es ja nun wirklich, finde ich ok.
Was kosten 2-3 Tage G7 Gipfel in Hamburg?
MDR bekommt dies bestimmt raus.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Eher ein Fall für unsere Kollegen vom NDR.

24.05.2017 16:53 Riccardo 3

Ich denke, es greift zu kurz, "nur" die Ausgaben und unmittelbaren Einnahmen miteinander zu vergleichen. Vor allem die Bauprojekte des Landes nützen infrastrukturell auch langfristig der gesamten Region. Außerdem ist auch nicht ohne weiteres messbar, welche Auswirkungen eine größere mediale Bekanntheit der Region um Wittenberg zum Beispiel für den Tourismus und damit auch langfristig für die (Steuer-)Einnahmen von Land und Kommune hat. Und irgendwie hat Deutschland immer noch den Anspruch ein kulturelles Land zu sein und wenn man die Bevölkerung nicht mit riesigen Eintrittsgeldern überhäufen will, dann müssen wir (=die Gesellschaft) auch bereit sein für so etwas Geld in die Hand zu nehmen. Damit solche Großveranstaltungen eben kein Privileg sehr großer Städte sind.

24.05.2017 16:15 Oma Gitte 2

Der finanzielle Wahnsinn nimmt seinen Lauf. Wir haben es ja. Und der Sachsen-Anhalt Tag ist auch ein Minusgeschäft. Könnte ich jetzt schon wetten.