Martin Luther Wittenberg
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500 Jahre nach Thesenanschlag Das erwartet Touristen in Lutherstädten

Zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags Martin Luthers präsentieren sich die Reformationsorte in Sachsen-Anhalt schick saniert und aufgeräumt. Alles soll für den erwarteten Besucheransturm im Jubiläumsjahr vorbereitet sein. Doch was können die Besucher alles erleben? Und sind die Städte dem erwarteten Ansturm überhaupt gewappnet? MDR SACHSEN-ANHALT hat die Lutherstädte unter die Lupe genommen.

Martin Luther Wittenberg
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In Wittenberg, Eisleben und Mansfeld steht in diesem Jahr alles im Zeichen Martin Luthers. Für das Reformationsjubiläum 2017 laufen in den drei Lutherstädten in Sachsen-Anhalt die Vorbereitungen auf Hochtouren. Schließlich will man anlässlich des 500. Jubiläum des Thesenanschlags nicht nur herausgeputzt, sondern auch dem erwarteten Besucheransturm gewachsen sein.

Bereits 2016 Besucher-Rekord

Schon im vergangenen Jahr konnten die Luthergedenkstätten im Land einen Besucherrekord verzeichnen. Wie die zugehörige Stiftung mitteilte, kamen knapp 185.000 Besucher in die Museen in Wittenberg, Eisleben und Mansfeld. Für 2017 erwartet man anlässlich des Reformationsjahres einen noch größeren Ansturm. Dafür haben sich die Städte nicht nur herausgeputzt, sondern locken im Jubiläumsjahr auch mit einigen Angeboten rund um den Reformator. MDR SACHSEN-ANHALT hat sich umgeschaut, was Luther-Touristen im Ursprungsland der Reformation erwarten können.

Lutherstadt Wittenberg – Ursprungsort der Reformation

Die Schlosskirche in Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt), aufgenommen am 02.10.2016. Königin Margrethe II. von Dänemark nimmt am Gottesdienst zur Wiedereröffnung teil und bringt als Geschenk einen Altarbehang für die Kirche mit.
Die Wittenberger Schlosskirche, an deren Pforte Martin Luther 95 Thesen gegen den Ablasshandel geschlagen haben soll. Bildrechte: dpa

Historisches ist saniert, Neues fast fertig gebaut – die Lutherstadt Wittenberg gilt als Ursprungsort der Reformation und bereitet sich dementsprechend auf das anstehende Großereignis vor: So wurden Sehenswürdigkeiten wie Schloss- und Stadtkirche aufwendig in Stand gesetzt und auch der klimaneutrale Bahnhof ist im Dezember eröffnet worden. Laut Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) erwartet die 48.000 Einwohner zählende Stadt rund eine Million Gäste aus aller Welt, davon viele Tagestouristen.

Für Besucher, die mit dem Auto anreisen, seien Sonderparkplätze geplant, sagte OB Zugehör MDR SACHSEN-ANHALT. "Es gibt Großparkplätze an der Elbe bei uns, unweit des Bahnhofs gibt es einen. Es gibt einen Shuttle-Service zu dem großen Wochenende des deutschen evangelischen Kirchentages." Normalerweise gebe es in der Altstadt 1.300 Parkplätze. Einige würden aber aufgrund der geplanten Veranstaltungen wegfallen. Zugehör empfiehlt deswegen auch die Anreise mit der Bahn. Seit Anfang Dezember ist in Wittenberg der Bahnhof fertig – modernisiert und klimafreundlich.

Betten aufgerüstet

Aber nicht nur für Tages-, auch für Übernachtungsgäste will die Stadt gerüstet sein: Wer in Wittenberg eine Unterkunft möchte, kann auf eines der rund 3.000 Angebote zurückgreifen. Rund 2.000 Betten gibt es laut Zugehör in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. Zusätzlich könnten rund 1.000 Plätze durch private Angebote wie Airbnb und Couchsurfing hinzukommen. Ab März 2017 gebe es auch ein Hotelschiff, hebt eine Sprecherin der Staatlichen Geschäftsstelle "Luther 2017" als Besonderheit hervor. Das Schiff legt den Angaben zufolge im Elbehafen der Stadt an. Mehr als 110 Betten stehen dort zur Verfügung.

Laut Touristeninformations-Chefin Christin Ruske müssen sich Besucher, die in der Stadt übernachten wollen, allerdings ranhalten. "Es gibt Termine, wie den Kirchentag oder den Reformationstag, da ist natürlich schon fast alles ausgebucht." Touristen müssen dann auf benachbarte Städte wie Dessau, Wörlitz oder Leipzig ausweichen.

Veranstaltungs-Höhepunkte in Wittenberg

Wittenberg gilt als der Ursprungsort der Reformation. Hier soll am 31. Oktober 1517 der Theologe Martin Luther 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche geschlagen haben. Damit wurde die Reformation ausgelöst. Die Stadt feiert das Ereignis in diesem Jahr mit einer Reihe von Veranstaltungen. Höhepunkte sind unter anderem eine Weltausstellung von Mai bis September, ein Festgottesdienst als Abschluss für den Kirchentag am 28. Mai, zu dem rund 200.000 Menschen erwartet werden, sowie der 500. Reformationstag im Herbst, der in diesem Jahr einmalig ein bundesweiter Feiertag ist.

Lutherhaus Wittenberg
Im Lutherhaus in Wittenberg laufen bis März die Vorbereitungen auf Hochtouren. Bildrechte: IMAGO

Doch nicht nur zu den Großveranstaltungen werden in Wittenberg viele Besucher erwartet. Auch in den Luther-Museen ist man auf einen Touristenstrom vorbereitet. Der Sprecher der Stiftung Luthergedenkstätten, Florian Trott, sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir haben Kombikarten, aber vor allem im Gespräch mit Reiseveranstaltern können wir sagen, ihr könnt alles im Paket bei uns buchen und die Häuser mit euren Gruppen zusammen besuchen." Mit Blick auf die Buchungszahlen gehe er davon aus, dass das Konzept aufgehen wird. "Wir haben schon wahnsinnig viele Gruppenbuchungen, nicht nur für Wittenberg, sondern auch für das Mansfelder Land."

In Wittenberg ist das Museum "Lutherhaus" zwar noch geschlossen – die Dauerausstellung "Martin Luther – Leben, Werk und Wirkung" wird seit dem Sommer 2016 für das Jubiläum überarbeitet –, am 4. und 5. März soll das Lutherhaus aber laut Stiftung wieder seine Pforten öffnen. Vom 13. Mai bis 5. November ist zudem im Augusteum (Vordergebäude des Lutherhauses) die Nationale Sonderausstellung "Luther! 95 Schätze – 95 Menschen" zu sehen.

Eintrittspreise: Lutherhaus: 8 Euro/ermäßigt 6 Euro

Melanchthonhaus (Wohnhaus Philipp Melanchthons, einer der Weggefährten Luthers): 4 Euro/ermäßigt 2,50 Euro

Kombiticket Wittenberg: 10 Euro (gültig im Lutherhaus und im Melanchthonhaus an zwei aufeinanderfolgenden Tagen)

Mansfelder Land

Auch das Mansfelder Land bereitet sich auf das Reformationsjubiläum vor. Denn mit Eisleben, der Geburts- und Sterbestadt Luthers, und Mansfeld, wo der Reformator die ersten 13 Jahre seines Lebens verbracht hat, erwartet man auch hier anlässlich des Großereignisses besonders viele Touristen. Die Luther-Städte im Mansfelder Land vermarkten sich touristisch gemeinsam. Mit ihren Museen und Events müssen sie sich 2017 vor dem Reformationszentrum Wittenberg nicht verstecken.

Lutherstadt Eisleben – Geburts- und Sterbeort Luthers

In Eisleben können sich Besucher unter anderem das Geburtshaus Luthers ansehen. Hier erblickte Luther am 10. November 1483 das Licht der Welt. Das Museum wurde im Rahmen des Jubiläums erweitert. Im vergangenen Jahr wurde zudem unweit des Geburtshauses ein Luther-Archiv in einem sanierten Altbau untergebracht.

Taufkirche als Mittelpunkt des Kirchentages

Ebenso nur wenige Schritte vom Geburtshaus entfernt liegt die St. Petri-Paul-Kirche. Hier wurde Luther einen Tag nach seiner Geburt getauft. Das Gotteshaus wird im Mittelpunkt des Kirchentages 2017 Ende Mai stehen. Hier predigte auch schon die Theologin Margot Käßmann als Reformationsbeauftragte der Evangelischen Kirche. Sie weiß: "Eisleben hat natürlich als Luthers Geburtstort, Taufort und wo er gestorben ist, eine besondere Bedeutung. Und viele freuen sich, auch 2017 nach Eisleben zu kommen."

Bereits am 4. Februar dieses Jahres öffnet sich in Eisleben offiziell der Vorhang zum Lutherjahr im Mansfelder Land. Laut Oberbürgermeisterin Jutta Fischer (SPD) wird es an diesem Tag mit der Uraufführung "Bruder Martin und Bruder Jakob“ eine Auftaktveranstaltung im Theater geben.

Ein weiterer Höhepunkt des Festjahres in der Stadt ist der Sachsen-Anhalt-Tag vom 16. bis 18. Juni. Außerdem sind laut Oberbürgermeisterin Fischer gemeinsam mit den Verantwortlichen im gesamten Mansfelder Land jede Menge Konzerte, Theater-Veranstaltungen und Führungen geplant.

Mansfeld Lutherstadt – Die Stadt, in der Luther aufwuchs

Die Stadt Mansfeld ist der wohl unbekannteste Lutherort im Land. Erst vor drei Jahren hat sich Mansfeld den Zusatz Lutherstadt zugelegt – nicht wie Wittenberg und Eisleben vorn weg, sondern bescheiden nachgestellt: Mansfeld Lutherstadt.

Luthers Elternhaus in Mansfeld
Luthers Elternhaus in Mansfeld widmet sich als einziges Museum weltweit der Kindheit des Reformators. Bildrechte: IMAGO

Dennoch sei Mansfeld ein wichtiger Lutherort, sagte Florian Trott von der Stiftung Luthergedenkstätten MDR SACHSEN-ANHALT. "Luther hat hier 13 Jahre seines Lebens verbracht, seine Kindheit und seine Jugend." So sei das Museum "Luthers Elternhaus" das einzige weltweit, in dem sich diese Lebensphase des Reformators authentisch nachvollziehen lasse – festgemacht an archäologischen Funden, die im Jahr 2003 unter Luthers Elternhaus entdeckt wurden.

Außerdem bekommen Besucher in Mansfeld die Stadtkirche St. Georg zu sehen. Hier war klein Martin als Minestrant und Chorknabe zu Gange. An ihn erinnert auch der Luther-Brunnen nahe der Kirche. 

Luthers Einschulung als dreitägiger Festakt

Auch mit ihren Veranstaltungen anlässlich des Jubiläums muss sich die Stadt nicht hinter den bekannteren Lutherstädten verstecken. So sei für die Besucher etliches geplant, sagte Bürgermeister Gustav Voigt (Freie Wähler) MDR SACHSEN-ANHALT. Demnach wird die Einschulung Luthers, die jährlich eine Woche nach Ostern gefeiert wird, in diesem Jahr auf drei Tage ausgedehnt. Weiterer Höhepunkt sei laut Voigt die Fortführung des Mansfelder Song- und Slam-Festivals im Sommer auf dem Schloss. Das Festival, das erstmals im Sommer 2016 gefeiert wurde, soll Luther in seiner Heimatstadt als einen wichtigen Vertreter des deutschsprachigen Liedes würdigen.

Für den Zustrom an Touristen im Jubiläumsjahr hat Mansfeld extra einen Busparkplatz geschaffen. An der Ausschilderung zu den Luther-Museen und -Denkmälern mangelt es jedoch noch. Laut Florian Trott von der Stiftung Luthergedenkstätten wird hieran aber gearbeitet. "Allen Beteiligten war von Anfang an klar, hier muss noch etwas besser ausgeschildert werden. Und ich freue mich, dass die Stadt diesen Impuls aufgenommen und zugesagt hat, noch vor dem großen Jubiläumsjahr die wichtigsten Schilder aufzustellen."

Auch übernachten könnte in der 10.000-Einwohner-Stadt Mansfeld schwierig werden – lässt man die Pension "Schloßblick" außen vor. Dann muss man auf die Schwesterstadt Eisleben ausweichen. Das Gute ist allerdings: Für die Luther-Museen in beiden Städten gibt es ein Zwei-Tages-Kombiticket für 8 Euro.

Eintrittspreise Luthers Geburtshaus (Eisleben): 4 Euro/ermäßigt 2,50 Euro

Luthers Sterbehaus (Eisleben): 4 Euro/ermäßigt 2,50 Euro

Kombiticket Eisleben: 6 Euro (gültig in Luthers Geburtshaus und Luthers Sterbehaus an zwei aufeinanderfolgenden Tagen) 

Luthers Elternhaus (Mansfeld): 4 Euro/ermäßigt 2,50 Euro

Kombiticket Mansfelder Land:
8 Euro (gültig in Luthers Geburtshaus, Luthers Sterbehaus und Luthers Elternhaus an zwei aufeinanderfolgenden Tagen.)

Weitere Infos zu Eintrittspreisen für Gruppen oder zum Buchen von Führungen gibt es bei den Stiftungen Luthergedenkstätten.

Dieses Thema im Programm: • MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03.01.2017 | 19:00 Uhr
• MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 04.01.2017 | 19:00 Uhr
• MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05.01.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2017, 09:48 Uhr

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1 Kommentar

11.01.2017 16:52 Andreas 1

Liebes MDR-Team,
vielen Dank für die Auflistung der Eintrittspreise. Wichtig wäre auch noch zu wissen, wann die einzelnen Stätten geöffnet haben, wie ich an diesem Montag in Wittenberg schmerzlich erfahren musste. Stichwort Ruhetag! Im Reformationsjahr 2017! Ohne Worte! Vielleicht könnte die Redaktion diesbezüglich mal nachfragen...

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Das Museen an Montagen geschlossen sind, ist jetzt nicht unüblich - auch in Jubiläumsjahren. Die Öffnungszeiten der meisten Lutherstätten finden Sie hier: http://www.luther-erleben.de/orte

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