Kopf einer Christusstatue mit Dornenkrone.
Bildrechte: IMAGO

Christen, Juden, Muslime So viele Gläubige leben in Sachsen-Anhalt

In Wittenberg werden in der kommenden Woche zehntausende Christen zum Evangelischen Kirchentag erwartet. Welche Rolle spielt Religion hierzulande eigentlich noch? Und wie viele Gläubige leben überhaupt in Sachsen-Anhalt? Eine Bestandsaufnahme der Religionen Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus.

von Manuel Mohr, MDR SACHSEN-ANHALT

Kopf einer Christusstatue mit Dornenkrone.
Bildrechte: IMAGO

Die größte "Glaubensgemeinschaft" – auch wenn sie genau genommen gar keine ist – ist die Gruppe der Konfessionslosen in Sachsen-Anhalt. Schätzungen zufolge gehören rund 80 Prozent aller Einwohner im Land keiner Religion an. Die kirchenfeindliche Ideologie der DDR wirkt hier deutlich bis heute nach. Somit ist nur noch etwa jeder Fünfte im Land überhaupt Angehöriger einer religiösen Glaubensgemeinschaft. Wie stark verschiedene Religionen dabei vertreten sind, hat MDR SACHSEN-ANHALT analysiert.

Christentum

Wenn jemand in Sachsen-Anhalt einer Religion angehört, dann ist er in den allermeisten Fällen Christ. Etwa 16 Prozent der Einwohner – also rund 363.000 Menschen – waren das nach jüngsten Zahlen im Jahr 2015. Von denen wiederum gehörte die Mehrzahl der evangelischen Kirche an, Katholiken gibt es weitaus weniger:

Beide Glaubensgemeinschaften haben seit Jahren mit einem steten Rückgang der Gläubigenzahlen zu kämpfen. Damit ist Sachsen-Anhalt aber keine Ausnahme. Blickt man auf den Anteil der Christen in ganz Deutschland, so wird auch hier deutlich, dass die Zahlen rückläufig sind – allerdings auf einem weitaus höherem Niveau als hierzulande. So gab es im Jahr 2015 in Deutschland noch rund 23,7 Millionen Katholiken und etwa 22,3 Millionen Protestanten. Etwas mehr als die Hälfte aller Deutschen ist demzufolge Christ.

Beide Konfessionen sehen einen der Gründe für den Rückgang im demografischen Wandel der Bevölkerung. "Es gibt deutlich mehr ältere als jüngere Menschen in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland", sagt Friedemann Kahl von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland MDR SACHSEN-ANHALT. Thomas Lazar vom Bistum Magdeburg, dessen Einzugsgebiet in etwa der Landesgrenze Sachsen-Anhalts entspricht, sieht aber auch einen Knackpunkt nach der Wende. Die Bindungskraft der Kirche sei heute eine andere als gegen Ende der DDR.

Lazar verhehlt auch nicht die negativen Schlagzeilen in der Vergangenheit: "Die Kirche hat Anteil an bundesweiten Problemen, wie die Debatte um sexuellen Missbrauch und die Veränderungen bei der Kirchensteuer. Das geht übrigens auch über Konfessionsgrenzen hinweg. Da tritt schon mal ein evangelischer Christ aus der Kirche aus, weil er sich über ein katholisches Thema ärgert und ebenso geht es umgekehrt."

Protestant Kahl sieht ebenfalls unterschiedliche individuelle Austrittsgründe: "Das können zum Beispiel Schwierigkeiten in der Gemeinde oder mit der Kirchensteuer sein".

Die Orthodoxen Kirchen gehören ebenfalls zu den christlichen Konfessionen. Genaue Zahlen für Sachsen-Anhalt wurden beim Zensus 2011 erhoben. Damals lebten hierzulande nach Hochrechnungen 7.270 orthodoxe Christen. Bundesweit wird aktuell geschätzt, dass bis zu zwei Millionen Gläubige der Kirchengemeinschaft angehören.

Judentum

Einen Anhaltspunkt für die Zahl der Juden in Sachsen-Anhalt liefert die Mitgliederstatistik der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Demnach sind bundesweit knapp 100.000 Gläubige Mitglied einer solchen Gemeinde, etwas mehr als 1.300 davon leben in Sachsen-Anhalt. Auch hier sind die Zahlen seit Jahren rückläufig:

Auf die Bevölkerung von Sachsen-Anhalt gerechnet, beläuft sich der Anteil von Juden auf etwa 0,06 Prozent. Nicht in diesen Zahlen enthalten sind allerdings Anhänger des Judentums, die keiner Gemeinde angehören.

Islam

Wie viele Muslime momentan in Sachsen-Anhalt leben, lässt sich aktuell nur schätzen. Beim Zensus 2011 gaben rund 15.700 Menschen die Religionskategorie "Sonstige" an. Das bedeutet, dass sie einer Religion angehörten, aber weder Christen noch Juden waren. Wie viele davon wiederum Muslime waren, ist nicht bekannt.

Für ganz Deutschland hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Dezember 2016 unter dem Namen "Wie viele Muslime leben in Deutschland?" eine Studie veröffentlicht, die die wohl momentan aktuellsten Zahlen beinhaltet. Den Hochrechnungen der Studie zufolge lebten am 31.12.2015 zwischen 4,4 und 4,7 Millionen Muslime in Deutschland. Das sind zwischen 5,4 % und 5,7 % der Bevölkerung.

Buddhismus und Hinduismus

Genaue Zahlen über Buddhisten und Hindus in Sachsen-Anhalt gibt es nicht. Deutschlandweit, so schätzt der gemeinnützige Verein "Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst" (REMID), leben in Deutschland momentan etwa 270.000 Buddhisten und rund 100.000 Hindus.


Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 28.05.2017 | 08:00 Uhr

Quelle: MDR/mm/ff

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2017, 12:03 Uhr

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26 Kommentare

23.05.2017 11:37 Nicky 26

Leider irren Sie "Bürger der früheren DDR" sich. Die antichristliche Erziehung in der DDR hat Generationen von kirchenfernen Menschen hervorgebracht, welche mit der eigentlichen christlichen Botschaft (siehe z.B die stets aktuelle Bergpredigt in Neuen Testament) nichts anzufangen wissen. Dies wird dann auch an den Kindern weiter gegeben. In einem Punkt muss ich ihnen Recht geben: Viele "Kirchenführer" versuchen eine Antwort auf die Probleme der Zeit zugeben in dem sie sich in die Politik einmischen , anstatt ihre Hausaufgaben zumachen und Konzepte zum Verhinderung des Mitgliederschwundes in den Gemeinden zu entwickeln. Es gibt aber genügend Beispiele wo einzelne Gemeinden durchaus gegen den Trend florieren, aber dies meistens, weil sich diese auf den "Ursprung" besinnen. In diesem wird christlicher Glaube und Gemeinschaft gelebt.

23.05.2017 09:14 Bürger der früheren DDR 25

Selbst für überzeugte DDR-Bürger gab es kaum etwas, was die offizielle Propaganda in der DDR an Ödnis und Peinlichkeit überbieten konnte. Und die soll heute noch wirken?
Es sind wohl hausgemachte Probleme und einigen Kirchenvertretern dämmert das auch. Die Kirchen stehen vor dem selben Problem, wie viele andere gesellschaftliche Institutionen: Sie haben keine Antwort auf die Entwicklungen unserer Zeit. Deshalb laufen ihnen die Leute davon.

23.05.2017 02:15 pickering 24

Schon mal den Begriff "Säkularisierung" gehört?
hat vereinfacht in etwa die Bedeutung: Allmählicher Rückgang der Religiösität der Bevölkerung oder
Der Glaube als Solches global auf dem Rückzug

S. ist so richtig erst seit dem Beginn der Epoche der Aufklärung im 18. Jhdt. in Gang
gekommen und nimmt im Zuge der Modernisierung immer mehr Fahrt auf, ich bin mir sicher früher oder später,
vielleicht schon in wenigen hundert -, aber auch vielleicht erst in einigen tausend Jahren,
wer weiss das schon, wird Religion für den einzelnen Menschen keine Rolle mehr spielen.

22.05.2017 00:01 Mediator 23

@Barbara(20): Selbst wenn du es willst kriegst du es ja nicht einmal hin dich neutral auszudrücken. Deine Aussage kann man knapp zusammenfassen mit: <Ich hab ja nichts gegen Ausländer ... aber>.

Leute wie du tun so, als wären negative Erscheinungen bei Ausländern die Regel und positive Erfahrungen die Ausnahme. So etwas nennt man rassistisch. Dies gilt umso mehr, wenn konsequent so getan wird als gäbe es bei uns Deutschen nicht die gleichen negativen Erscheinung.

Um zum Thema zurück zu kommen: Sich zu einer Kirche zu bekennen hat auch immer etwas dazu, dass man sich zu deren Werten bekennt. Zu den vermittelten Werten aller christlichen Kirchen gehört der Wert des Menschen unabhängig von seiner Rasse oder Religion zu akzeptieren. Das ist schon etwas verbindlicher als der selbst zusammen gestellte Glaubensmix den viele Atheisten mit christlicher Prägung leben.

22.05.2017 21:18 Agnostiker 22

@ mdr: Freuen "verboten"?

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT: Was genau ist damit gemeint?

22.05.2017 19:53 @ Mediator 16 21

Sie behaupten, die Kirche gibt seit 2000 Jahren Antworten auf die existenziellen Fragen vieler Menschen.

Es wäre interessant, welche Beispiele Sie dafür parat haben.

22.05.2017 18:38 Barbara 20

@ 1 9 Quark dein Kommentar wie immer, ich rege mich nicht auf wenn Ausländer einer Arbeit nachgehen unsere Kultur voll und ganz annehmen, die sind vollkommend in Ordnung, ich habe auch Ärzte die aus dem Ausland kommen bin sehr froh darüber, da diese sehr menschlich sich verhalten auch einer Frau gegenüber, ich habe was dagegen wenn tausende hier rein kommen und nur von unserem Steuergelder leben möchten, sehe ich nicht ein, sowie dazu noch dann wie viele Syrier kriminell werden, wer sich selber um Integration kümmert sich anpasst versucht eine arbeit zu erhalten ist willkommen aber nicht andere, hast du dies nun entlich mal verstanden ??????????????

Anmerkung MDR Sachsen-Anhalt: Bitte unterlassen Sie diese Unterstellungen gegenüber Ausländern.

22.05.2017 17:26 Mediator an Barbara (18) 19

Liebe Barbara, in einem Gespräch oder einer Diskussion geht es nicht zwangsläufig darum recht zu behalten. Oft muss man seinen eigenen Standpunkt sogar kritisch hinterfragen, wenn die Argumente des gegenübers einen dazu zwingen.

Worum es mir aber auf jeden Fall geht ist, in diesem Forum platte Lügen und rechtspopulistische Schwätzer samt ihren Thesen durch Argumente bloszustellen.

Du bist z.B. so eine Person: Kannst dich über jede Verfehlung eines Flüchtlings aufregen, aber im Gegenzug lenkst du ohne ein Wort des Bedauerns von schwersten rechten Straftatten ab oder relativierst diese. Wir schreiben ja nicht zum ersten mal. ;-)

Im übrigen lernt man bei der Recherche von Fakten so einiges und bildet sich selbst fort.

Die ersten Beiträge haben deutlich gezeigt, dass man für Kirchen(-Steuer)-Bashing nicht einmal wissen muss wer den diese Abgabe warum und unter welchen Voraussetzungen zahlt.

22.05.2017 14:33 Barbara 18

Mediator ich muß immer und immer wieder feststellen du bist ein hoch Qualifizierter Kommentar
Schreiberling, einfach große Klasse...................
Was ist mit dir wenn du mal nicht recht bekommst,
beißt du da in den Teppich ......... ?????????????

22.05.2017 07:27 Möwe 17

Hat das Bundesamt die mehrfach Registrierten schon bereinigt? Eine Entwicklung in den letzten Jahren, wie beim Christen und Juden wäre zumindest für die Muslime interessant.