Der Schatten einer Frau mit Mikrofon an einer blauen Wand
In Hannover findet dieser Tage die CeBIT, die weltweit größte Messe für Informationstechnik, statt. Bildrechte: Bibiana Barth

Sachsen-Anhalt auf der CeBIT Wo Unternehmen in die Zukunft blicken

In Hannover beginnt am Montag die CeBIT, die weltweit größte Messe für Informationstechnik. Auch Firmen und Institutionen aus Sachsen-Anhalt stellen sich und ihre Arbeit vor. Zwei von ihnen können in die Zukunft blicken – im wahrsten Sinne des Wortes.

von Marcel Roth, MDR SACHSEN-ANHALT

Der Schatten einer Frau mit Mikrofon an einer blauen Wand
In Hannover findet dieser Tage die CeBIT, die weltweit größte Messe für Informationstechnik, statt. Bildrechte: Bibiana Barth

In Science-Fiction-Filmen wie "Minority Report" schaudern wir, wenn Menschen verhaftet werden, weil ein Computer berechnet, dass sie in Zukunft ein Verbrechen begehen werden. Aber Professor Michael Schulz aus Halle kann quasi genau so in die Zukunft schauen. Jedenfalls für Maschinen. "Wir können für Maschinen sagen, wann sie ausfallen bzw. wann sie in einen Zustand kommen, wo eine Reparatur notwendig ist. Das sind hauptsächlich Windenergieanlagen, wir können das aber auch für Pumpen, Kompressoren. Und wir arbeiten jetzt an Elektromotoren", sagt Schulz MDR SACHSEN-ANHALT.

Die Indalyz Monitoring & Prognostics GmbH analysiert dafür die Daten, die Sensoren in den Anlagen sowieso erfassen. So können die Hallenser mit 95-prozentiger Sicherheit sagen, ob eine Maschine in den kommenden sechs Monaten ausfällt. Wichtig für Offshore-Windkraftanlagen, die in der Sturmsaison nicht zu erreichen sind. "Wenn dort etwas ausfällt, besteht keine Möglichkeit hinzukommen. Da wäre es gut, man hat es vorher repariert, bevor die Sturmzeit kommt", so Schulz. Indalyz beschäftigt in Halle fünf Mitarbeiter und blickt auch für Anlagen in Brasilien und Finnland in die Zukunft.

Eine App für Studenten, Wissen für Bankvorstände

Worauf sich Banken und Automobilfirmen in Zukunft einstellen müssen, kann die Magdeburger Legal Horizon AG sagen. Das Unternehmen bietet seinen Kunden eine erstaunliche Dienstleistung an: Es warnt sie schon weit im Voraus, wenn sich Regeln und Gesetze eines Landes ändern. Soll im spanischen Parlament beispielsweise ein Gesetz beraten werden, das die Bilanzregeln für Banken verändert, erhalten Kunden von Legal Horizon eine Nachricht.

Die Banken kostet es Milliarden, die Gesetzgebung allein in Europa im Blick zu haben.

Jan Mario Welle

Jan Mario Welle ist Vorstandsmitglied der Legal Horizon AG. Die Firma hat auch einen Sitz in Deutschlands Bankenhauptstadt Frankfurt am Main. Dort war eine Bank auf der Suche nach einer technischen Lösung, um die sich ständig verändernden Gesetze im Blick zu haben. Das technologische Wissen hatten dann Forscher an der Universität Magdeburg.

Ein anderes Unternehmen, das sich auf der CeBIT zeigt, ist UniNow, ein Start-Up aus Magdeburg. Es hat eine App für Studenten gebaut. Damit organisieren Studenten ihren kompletten Uni-Alltag: Stundenplan, Noten, E-Mails, Mensa-Essensplan, sogar die Leihfrist der Bibliotheksbücher können sie in der App verlängern. "Seit Februar haben wir ein neues Feature: Ein Stellenportal für Studierende, sowohl für Praktika als auch feste Jobs. Damit kommen Unternehmen zielgerichtet mit Studenten in Kontakt", sagt Mitinhaber Stefan Wegener.

Und das lässt sich UniNow von den Unternehmen bezahlen. Elf Menschen arbeiten für UniNow, die Firma zieht gerade in größere Büros um, hat vom Land Sachsen-Anhalt eine Million Euro Fördergelder bekommen. Die App funktioniert an 130 Hochschulen in Deutschland und Österreich, 100.000 Mal wurde sie bislang heruntergeladen, allein in Magdeburg nutzen sie 60 Prozent der Studenten. Noch trägt sich das Unternehmen nicht selbst und ist auf der Suche nach Investoren.

In einer Halle auf der Cebit in Hannover stehen an einem Stand mehrere beleuchtete Transparente.
Unternehmer aus Sachsen-Anhalt haben sich schon am Wochenende auf vier Tage CeBIT vorbereitet. Bildrechte: MDR/Marcel Roth

Umsatz und Gewinn verdoppelt

Auf der CeBIT vertreten ist auch die 2tainment GmbH, ebenfalls aus Magdeburg. Sie entwickelt Computerspiele und Gaming-Zubehör, beschäftigt zehn Mitarbeiter und hat ihren Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr verdoppelt. Die Firma hat zum Beispiel "Air Conflicts: Secret Wars" für die Playstation 4 entwickelt. Außerdem haben die Magdeburger einen Fußballmanager als PC-Spiel. "Der nennt sich in Deutschland 'Torchance' und im Ausland 'Clubmanager' und ist so etwas wie der virtuelle Uli Hoeneß", sagt Geschäftsführer Stefan Weyl.

Er verrät außerdem, dass die Firma gerade im Gespräch mit Europas größter Elektronik-Einzelhandelskette ist, um die Gaming-Produkte aus Magdeburg auch dort zu verkaufen. Bislang läuft das Geschäft über große Internet-Shops. Neben dem unsteten Geschäft mit den Computerspielen, will Weyl das Gaming-Zubehör-Geschäft stärken: Geht es nach seinen Plänen, werden in Sachsen-Anhalt bald Racing-Simulatoren gebaut, komplette Sitze mit Monitoren, Soundsystemen, Lenkrad und Pedalen, in denen sich der Spieler wie in einem Rennauto fühlt.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19.03.2017 | 10:00 Uhr
MDR um 11 | 20.03.2017 | 11:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20.03.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2017, 16:24 Uhr

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1 Kommentar

19.03.2017 00:39 Dr. Mark Reiter 1

Ein sehr interessanter Beitrag. Schön, dass es in Sachsen-Anhalt Firmen gibt, die es mit der Digitalisierung der Industrie ernst meinen und nicht nur bekannte Lösungen in neue Worte kleiden. Schon deshalb habe ich in dem Beitrag von Marcel Roth besonders die Passagen über die Firma aus Halle mit wachsender Begeisterung gelesen. Eine Problematik wie die hier skizzierten Grundlagen für eine echte vorausschauende Wartung ist eine große Herausforderung, mit der ich mich persönlich ebenfalls schon lange befasst habe und die jetzt wohl endlich vor einem Durchbruch und damit einer kommerziellen Umsetzung steht. Speziell die im Beitrag erwähnten Zuverlässigkeiten sind wirklich erstaunlich. Ich wünsche der Firma viel Erfolg bei der Umsetzung ihres Konzepts.