Aktueller Sachsen-Anhalt-Monitor : Ausländerfeindlichkeit geht zurück
Rechtsextreme und ausländerfeindliche Einstellungen sind einer neuen Studie zufolge in Sachsen-Anhalt zurückgegangen. Das teilte Kultusminister Stephan Dorgerloh am Mittwoch bei der Vorstellung des aktuellen Sachsen-Anhalt-Monitors mit.
Für den SPD-Politiker deuten die Ergebnisse der Untersuchung darauf hin, dass bei der nachwachsenden Generation ein gesellschaftliches Engagement für Demokratie und gegen Fremdenfeindlichkeit zu wirken scheint. Dorgerloh nannte es erfreulich, dass die Verbundenheit mit dem Bundesland wachse - von 45 Prozent im Jahr 1995 auf aktuell 78 Prozent. Zudem sei die Zustimmung zur Demokratie stabil, aber es seien "nicht alle überzeugte Demokraten".
Zwei Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen
Für die Meinungsumfrage, die von der Landesregierung in Auftrag gegeben wurde, wurden 1.250 Bürger befragt. Der Studie zufolge liegt der harte Kern derer, die ausländerfeindliche Einstellungen vertreten, deutlich unterhalb der Marke von zehn Prozent. Der Unterschied zur jüngsten Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, in der ein deutlicher Anstieg rechtsextremer Weltbilder in Ostdeutschland festgestellt wurde, liege in der Methodik, der Zahl und der Auswahl der Befragten. Für die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung wurden in Ostdeutschland insgesamt 486 Menschen befragt, davon 80 aus Sachsen-Anhalt. Dorgerloh sprach diesbezüglich von einem "sehr grobkörnigen Bild". Der Sachsen-Anhalt-Monitor sei genauer.
Haseloff: Rechtsextremismus kein spezifisch ostdeutsches Problem
Mit Blick auf die Ergebnisse hält Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff fest, dass Rechtsextremismus kein spezifisch ostdeutsches Problem sei. Der CDU-Politiker sieht die bisherigen Strategien zur Bekämpfung des Rechtsextremismus bestätigt, weshalb diese auch weiter forciert würden. Haseloff fügte hinzu, seit Gründung der Bundesrepublik existiere eine "randständige, weitgehend einflusslose rechtsextreme Subkultur". Bestimmte soziale Milieus seien schon immer anfällig für deren Parolen und Propaganda gewesen, nicht nur in Ostdeutschland.
Dem neuen Sachsen-Anhalt-Monitor zufolge ist die Zustimmung zu fremdenfeindlichen Anschauungen bei den 18- bis 24-Jährigen besonders gering, während sie bei den 25- bis 29-Jährigen relativ am höchsten ausfällt. Everhard Holtmann vom Zentrum für Sozialforschung Halle der Martin-Luther-Universität sagte, Sachsen-Anhalt sei nicht durch überdurchschnittlich starke fremdenfeindliche Einstellungen geprägt. Dies habe sich laut neuer Studie erneut abgeschwächt.
Einwohner in kleineren Städten negativer eingestellt
Allerdings zeigt der Monitor auch, dass die Menschen in Städten mit 2.000 bis 5.000 Einwohnern mit der Demokratie deutlich unzufriedener, fremdenfeindlicher und anfälliger für rechtsextreme Anschauungen sind. Holtmann sieht als Ursachen mehrere Faktoren wie geringere Bildung und niedrigere Einkommen. In diesen "Landstädten" gebe es zudem ein "diffuses Gefühl des Abgekoppeltsein".
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Sachsen-Anhalt-Monitor
Die repräsentative Untersuchung beschäftigt sich unter anderem mit der Anfälligkeit der Bevölkerung für rechtsextreme und ausländerfeindliche Haltungen sowie mit dem Verhältnis zur DDR-Vergangenheit. Aber auch die Demokratie-Auffassung der Sachsen-Anhalter, ihr Vertrauen in die Politiker und die Identifikation mit dem eigenen Bundesland werden darin thematisiert.
Der Sachsen-Anhalt-Monitor erscheint nach 2007, 2009 und 2010 zum vierten Mal. 2010 war eines der Ergebnisse, dass die Sachsen-Anhalter sich eher Ostdeutschland als Gesamtdeutschland verbunden sehen.





