Flucht bei Familienbesuch : Zahlreiche Hinweise zu geflohenem Schwerverbrecher
Auf der Suche nach dem bei einem Familienbesuch in Aschersleben geflüchteten Schwerverbrecher hat die Polizei bisher eine Menge Hinweise erhalten. Eine heiße Spur hat sie aber nicht. Die Kritik an der Haftlockerung für den hochgefährlichen Mann wird inzwischen immer schärfer.
Bei der Fahndung nach dem Schwerverbrecher Silvio Titsch aus Aschersleben gehen die Ermittler zahlreichen Hinweisen nach. Ein Sprecher der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord sagte am Freitag, aus dem gesamten Bundesgebiet hätten sich Zeugen gemeldet. Die meisten von ihnen hätten angegeben, den entflohenen Straftäter gesehen zu haben. Jeder einzelne Hinweis werde nun geprüft. Eine konkrete Spur habe sich aber noch nicht ergeben. Nach Einschätzung der ermittelnden Beamten ist es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis der Flüchtige gefunden wird. Die Fahnder gehen davon aus, dass sich der Schwerverbrecher noch immer in der Nähe seiner Heimatstadt Aschersleben versteckt hält.
Flucht bei Familienbesuch
Der 36-Jährige aus dem Gefängnis Burg hatte am Dienstag seinen sechsjährigen Sohn in Aschersleben besuchen dürfen. Als die beiden zur Bewachung eingesetzten Beamten ihm die Handschellen abnahmen, trickste er sie aus und schloss sie in der Wohnung ein. Danach flüchtete er. Die Polizei kündigte an, auch am Wochenende mit 20 Beamten im Raum Aschersleben mögliche Verstecke etwa in leerstehenden Gebäuden zu überprüfen und Hinweisen auf Aufenthaltsorte des Mannes nachzugehen. Auch bundesweit ist die Polizei alarmiert.
Der 36-Jährige ist wegen Körperverletzung, räuberischer Erpressung und Vergewaltigung verurteilt. Allein zwischen 2003 und 2006 hatte er 49 Straftaten begangen, die meisten in Aschersleben. Seit Ende 2006 sitzt er in der JVA Burg. Die Reststrafe läuft noch bis 2024. Danach soll er in Sicherungsverwahrung kommen.
Schwere Kritik an Therapiemaßnahme
Der Besuch seines Sohnes war dem Schwerverbrecher im Zuge seiner Therapie gestattet worden. Der Bund der Strafvollzugsbeamten hat diese für ihn zu frühe Lockerung mittlerweile scharf kritisiert. Titsch habe wegen der noch lange andauernden Haft einen zu großen Anreiz zur Flucht gehabt, erklärte Bundesvorsitzender Anton Bachl dem MDR. Er forderte, "zunächst die Sicherheitsbedürfnisse der Bevölkerung zu bedenken". Hafterleichterungen sollten erst in den letzten fünf Jahren des Strafvollzugs erwogen werden.
Auch die Opfer-Organisation "Weißer Ring" hat den Umgang der Justizbehörden mit dem Schwerverbrecher scharf kritisiert. Landesvorsitzender Wolfgang Kummerländer sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er habe kein Verständnis für den bewachten Besuch des Straftäters bei seiner Familie. Solange von einem Täter wie Titsch eine Gefahr ausgehe, dürfe es keinen Freigang geben. Seine Flucht belaste die Opfer enorm. Manch einer traue sich möglichweise nicht auf die Straße.
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Polizei bittet um Mithilfe
Bei der Fahndung nach Silvio Titsch setzt die Polizei weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung. Gleichzeitig warnte sie vor der Gefährlichkeit des Mannes. Titsch ist 1,75 bis 1,80 Meter groß, fast 100 Kilogramm schwer, von kräftiger Statur und am gesamten Köper tätowiert. Hinweise nehmen alle Polizeidienststellen an.


