Sachsen-Anhalt

Flucht bei Familienbesuch : Zahlreiche Hinweise zu geflohenem Schwerverbrecher

Auf der Suche nach dem bei einem Familienbesuch in Aschersleben geflüchteten Schwerverbrecher hat die Polizei bisher eine Menge Hinweise erhalten. Eine heiße Spur hat sie aber nicht. Die Kritik an der Haftlockerung für den hochgefährlichen Mann wird inzwischen immer schärfer.

Andreas von Koß (l-r), Polizeihauptkommissar der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord und Karl-Albert Grewe, Kriminaldirektor der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord informieren in Magdeburg über die Großfahndung nach dem flüchtigen 36-jährigen Häftling Silvio T..

Bei der Fahndung nach dem Schwerverbrecher Silvio Titsch aus Aschersleben gehen die Ermittler zahlreichen Hinweisen nach. Ein Sprecher der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord sagte am Freitag, aus dem gesamten Bundesgebiet hätten sich Zeugen gemeldet. Die meisten von ihnen hätten angegeben, den entflohenen Straftäter gesehen zu haben. Jeder einzelne Hinweis werde nun geprüft. Eine konkrete Spur habe sich aber noch nicht ergeben. Nach Einschätzung der ermittelnden Beamten ist es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis der Flüchtige gefunden wird. Die Fahnder gehen davon aus, dass sich der Schwerverbrecher noch immer in der Nähe seiner Heimatstadt Aschersleben versteckt hält.

Flucht bei Familienbesuch

Der 36-Jährige aus dem Gefängnis Burg hatte am Dienstag seinen sechsjährigen Sohn in Aschersleben besuchen dürfen. Als die beiden zur Bewachung eingesetzten Beamten ihm die Handschellen abnahmen, trickste er sie aus und schloss sie in der Wohnung ein. Danach flüchtete er. Die Polizei kündigte an, auch am Wochenende mit 20 Beamten im Raum Aschersleben mögliche Verstecke etwa in leerstehenden Gebäuden zu überprüfen und Hinweisen auf Aufenthaltsorte des Mannes nachzugehen. Auch bundesweit ist die Polizei alarmiert.

Der 36-Jährige ist wegen Körperverletzung, räuberischer Erpressung und Vergewaltigung verurteilt. Allein zwischen 2003 und 2006 hatte er 49 Straftaten begangen, die meisten in Aschersleben. Seit Ende 2006 sitzt er in der JVA Burg. Die Reststrafe läuft noch bis 2024. Danach soll er in Sicherungsverwahrung kommen.

Schwere Kritik an Therapiemaßnahme

Der Besuch seines Sohnes war dem Schwerverbrecher im Zuge seiner Therapie gestattet worden. Der Bund der Strafvollzugsbeamten hat diese für ihn zu frühe Lockerung mittlerweile scharf kritisiert. Titsch habe wegen der noch lange andauernden Haft einen zu großen Anreiz zur Flucht gehabt, erklärte Bundesvorsitzender Anton Bachl dem MDR. Er forderte, "zunächst die Sicherheitsbedürfnisse der Bevölkerung zu bedenken". Hafterleichterungen sollten erst in den letzten fünf Jahren des Strafvollzugs erwogen werden.

Auch die Opfer-Organisation "Weißer Ring" hat den Umgang der Justizbehörden mit dem Schwerverbrecher scharf kritisiert. Landesvorsitzender Wolfgang Kummerländer sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er habe kein Verständnis für den bewachten Besuch des Straftäters bei seiner Familie. Solange von einem Täter wie Titsch eine Gefahr ausgehe, dürfe es keinen Freigang geben. Seine Flucht belaste die Opfer enorm. Manch einer traue sich möglichweise nicht auf die Straße.

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2012, 19:39 Uhr

8. M.R.:
Bingo! Nun behaupte mal einer das diese Flucht nicht geplant war! Der scheint wohl intellegenter als die gesamte Justitz. Kaum zu glauben das der nun schon den 5. Tag in Freiheit verbringt. Was ist das für eine Frau die es duldet das ihr Sohn Kontakt mit so einem hat? Wenn der Sohn 6 Jahre alt ist kommt er womöglich in 2 Wochen zur Schule oder? Na dann hoffen wir mal das der Vater pünktlich zur Feier wieder da ist! Es dauert übrigens nun auch schon 4 Tage ob ein Vergehen der Beamten zu beklagen ist. Auch das wird wohl wieder unter den Tisch fallen! Was sind das für Verwirrungen mit dem Unfall bei dem leider eine 63 jährige Frau zu Tode kam. Es wird geprüft ob es auf das Konto ,,Titsch" geht und dann wiederum besteht kein Zusammenhang. Warum verwirrt man die Leute so, ist nicht schon genug Angst im Umlauf! Je länger dieser Verbrecher in Freiheit umso größer das Risiko das Schlimmes passiert!
18.08.2012
18:42 Uhr
7. Reiner202:
Ich sage nur eines,werde Schwerverbrecher und du lebst in Deutschland besser wie die Berufstätige Bevölkerung.
18.08.2012
13:08 Uhr
6. Sonja:
Verdrehte Welt!Schwerverbrecher,die Ausgang haben.Jemand der Menschenleben vernichtet hat,hat dafür ein "All inclusive Paket" bekommen. Einzelzimmer,rundum versorgt, Fernseher,Lehre nachholen,eigene Band gründen und sogar mit Ausgang.Hey, was will man mehr?Okay,das Eingesperrt sein ist nicht ganz so schön, aber mal ehrlich,es hat doch bald eh kaum noch jemand genug Geld um zu Wohnen,zu Tanken,Strom,Essen,....bei dem "All inclusive Angebot" was einem im Gefängnis geboten wird,da lohnt es sich mal darüber nach zu denken....Man hat den Eindruck,einem Häftling in Deutschland geht es mittlerweile besser als einem Sozialhilfeempfänger.Sogar klagen darf man. Toll,..da stimmt doch was nicht...Man fragt sich als Bürger wirklich, wieviel Inkompetenz dieses Land noch verträgt...-Nur weil Mutti mal gesagt hat, "Der Klügere gibt nach.", regieren die Dummen.Zu FAIRstehen ist das mit gesundem Menschenverstand nicht! Was ist los in Deutschland, wo sind die klugen Köpfe? Mein Beileid für alle Opfer.
18.08.2012
03:46 Uhr
5. Brett:
Super Justizbehorrden . Warum werden Straftäter ueberhaupt noch in den Knast gesteckt ? Wenn die Justiz immer wieder die gleichen Fehler macht . Phychologen irren sich immer und immer wieder mit ihrer Einschätzung und wir müssen Angst um das Leben unserer Kinder haben . Warum , frage ich werden nicht einmal diese Leute vor Gericht gestellt ? Sie haben doch diese sehr schweren Fehler in vielen Jahren immer wieder verbockt .
17.08.2012
23:16 Uhr
4. Rob Autechre:
"Das Justizministerium Sachsen-Anhalt verteidigte hingegen die Besuchsaktion. Staatssekretär Thomas Wünsch sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der Strafvollzug müsse in jeglicher Hinsicht auf eine Entlassung vorbereiten.." ... und diese weltfremden Postenbesetzer verteidigen dann auch noch kackfrech ihre ungeheuerliche Unfähigkeit und für Andere gefährliche Einfältigkeit. Einfach unglaublich!
17.08.2012
18:18 Uhr
3. mattotaupa:
"... Das Justizministerium Sachsen-Anhalt verteidigte ... die Besuchsaktion. Staatssekretär Thomas Wünsch sagte ..., der Strafvollzug müsse in jeglicher Hinsicht auf eine Entlassung vorbereiten. ..." soweit kann ich folgen aber wieso soll ein schwerverbrecher, der eh noch 12 jahre absitzen muß, auf eine, aufgrund sicherungsverwahrung, nie stattfindende entlassung vorbereitet werden? ein makaberes spiel der behörden, die dem häftling hier wie dem angebundenen esel die möhre vors maul halten, sie ihm aber nie geben oder aber fehlbesetzung der stelle des sich äußernden staatssekretärs, da dieser von der angedachten sicherungsverwahrung keine kenntnis hatte und daher seinen job nicht gemacht hat bevor er vor die presse tritt? naja, gewöhnungsbedürftige vorschriftenlage (ala "entlassungsvorbereitung für jeden, egal ob er nur in der kiste rauskommt") im lande wäre dritte alternative.
17.08.2012
13:38 Uhr
2. WB:
Was für eine Vorbereitung auf seine Entlassung denn? Der hat doch noch 12 Jahre abzusitzen. Außerdem ist danach doch seine Sicherungsverwahrung vorgesehen. Der soll doch gar nicht mehr in Freiheit kommen, lese ich daraus. Kann man doch echt nur noch zweifeln, ob unsere Justiz weiß, was sie tut.
17.08.2012
12:49 Uhr
1. Schneider:
Die Aussage , dass ein Strafgefangener auf seine Entlassung vorbereitet werden muß steht außer Frage, bei einem Entlassungstermin 2024 hat die Aussage an Inhalt und Sinn verloren .zumahl eine Sicherungsverwahrung vorgesehen ist. Es macht sehr nachdenklich wenn " Verantwortliche "diese Besuchsaktion verteidigen, da hilft nur , raus aus dem Anzug und rein in die Haftanstalt und über Jahre Praxis erwerben. Im Gundgesetz der BRD ist die Sicherheit der Bürger festgeschrieben,bei jeder Entscheidung aller Beteiligten ,ist davon auszugehen ,ob eine Gestzesverletzung vorliegt.
17.08.2012
12:14 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Polizei bittet um Mithilfe

Bei der Fahndung nach Silvio Titsch setzt die Polizei weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung. Gleichzeitig warnte sie vor der Gefährlichkeit des Mannes. Titsch ist 1,75 bis 1,80 Meter groß, fast 100 Kilogramm schwer, von kräftiger Statur und am gesamten Köper tätowiert. Hinweise nehmen alle Polizeidienststellen an.

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK