Nach Flucht des Schwerverbrechers : Verfahren gegen Titschs Bewacher
Am Fluchttag des Schwerverbrechers Silvio Titsch gab es eine Reihe von Pannen. Wie mittlerweile bekannt wurde, hatte die Familie weitere Gäste - Mütter und Kinder. Zudem steckte der Wohnungsschlüssel von außen. Nun wird ermittelt, ob die beiden Bewacher Titschs den Besuch nicht hätten abbrechen müssen. Unterdessen gibt es im Hochsicherheitsgefängnis Burg eine neue Sicherheitsbestimmung: Zukünftig werden Gefangene noch einmal fotografiert, wenn sie das Areal verlassen.
Nach der Flucht des Schwerverbrechers Silvio Titsch bei einem Familienbesuch ist ein Disziplinarverfahren gegen seine beiden Bewacher eingeleitet worden. Der Sprecher des Justizministeriums, Tino Kleinert, sagte, die Ermittlungen seien bereits am Tag nach der Flucht eingeleitet worden. Sie sollen belastendes und entlastendes Material zutage fördern. Geprüft werde, ob die Bewacher den Besuch Titschs nicht hätten abbrechen müssen.
Bekannte zu Besuch, Wohnungsschlüssel steckte
Nach bisherigen Erkenntnissen der Justizbehörden waren bei Titschs sechstem Familienbesuch am 14. August neben dem Sohn und seiner Mutter weitere Mütter mit ihren Kindern in der Aschersleber Wohnung. Dies sollte nach den Worten Kleinerts eigentlich verhindert werden. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Titschs ursprünglicher Antrag, die Familie zum Geburtstag des sechsjährigen Sohnes besuchen zu dürfen, sei abgelehnt worden, damit er nicht auf Dritte treffe.
Dem Ministerium zufolge hat die Mutter unterdessen eingeräumt, dass sie am Fluchttag die Schlüssel zur Wohnung stecken ließ, damit die Kinder nicht ständig klingeln. Diese seien häufig zwischen Wohnung und Spielplatz gewechselt. Titsch hatte seine Bewacher vor der Flucht in der Wohnung eingeschlossen.
Gefängnis Burg bessert nach
Das Hochsicherheitsgefängnis in Burg, in dem Titsch zuletzt einsaß, hat mittlerweile Konsequenzen aus dem Fall gezogen. Laut Innenministerium sollen künftig alle Gefangenen, die das Areal zeitweise verlassen dürfen, noch einmal fotografiert werden. Nach der Flucht Titschs hatte die Polizei nur ein drei Jahre altes Fahndungsbild bekommen. Spekulationen, der 36-jährige Flüchtige sehe heute anders aus, wies die Anstalt jedoch zurück.
Seit Dienstag haben Fahnder des Landeskriminalamtes die Federführung bei der Suche nach Titsch übernommen. Noch immer aber fehlt von ihm jede Spur. Mittlerweile gehen die Behörden davon aus, dass sich der 36-Jährige nicht oder nicht mehr im Raum Aschersleben aufhält. Titsch hatte seine Straftaten zum Großteil in seiner Heimatstadt verübt. Er war unter anderem wegen Raub und Vergewaltigung zu einer Haftstrafe bis 2024 mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden.
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