Basketball Schiedsrichter Straube, Krause und Rodriguez
Drei der besten Schiedsrichter Deutschlands: Carsten Straube, Oliver Krause und Toni Rodriguez-Soriano (v.l.n.r.) Bildrechte: BBL

Basketball-Schiedsrichter aus Sachsen-Anhalt "Du musst es mit ganzem Herzen wollen"

Drei der besten Referees Deutschlands stammen aus Sachsen-Anhalt. Carsten Straube, Oliver Krause und Toni Rodriguez-Soriano durften zuletzt die Finalspiele der Bundesliga pfeiffen. Sie standen auf der größtmöglichen Bühne. Sie dienen als Vorbilder für künftige Generationen – und trotzdem gibt es im Landesverband ein Nachwuchsproblem.

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Basketball Schiedsrichter Straube, Krause und Rodriguez
Drei der besten Schiedsrichter Deutschlands: Carsten Straube, Oliver Krause und Toni Rodriguez-Soriano (v.l.n.r.) Bildrechte: BBL

Sachsen-Anhalt im Fokus der deutschen Basketballszene? Davon war der Landesverband in der vergangenen Spielzeit auf den ersten Blick weit entfernt. Der Mitteldeutsche BC aus Weißenfels musste sich seine Rückkehr ins Oberhaus in der zweitklassigen Pro A erkämpfen. Erstmals seit vier Jahren war damit kein Vertreter aus Sachsen-Anhalt in der Basketball-Bundesliga vertreten. Oder doch?

Oh doch! In den Finalspielen der Basketball-Bundesliga setzte sich Meister Brose Bamberg deutlich mit 3:0 gegen die EWE Baskets Oldenburg durch. Was auffiel: Neben den besten deutschen Teams agierten in dieser Finalserie gleich drei Schiedsrichter aus Sachsen-Anhalt auf dem Parkett. Oliver Krause (41 Jahre alt, TSV Niederndodeleben), Carsten Straube (33, TV "Gut Heil" Zerbst) und Toni Rodriguez-Soriano (34, Hallescher SC 96) vertraten eines der kleinsten Basketball-Bundesländer auf der größtmöglichen Bühne. Ein Ritterschlag für jeden Schiri.

Mit Enrico Streit aus Weißenfels gehört ein weiterer Referee aus Sachsen-Anhalt zum 28-Mann-Kader der BBL. Sachsen-Anhalt ist auf dieser Ebene ein Basketball-Land. Warum ist das so? Wie haben die drei Schiedsrichter die Finalspiele erlebt? Und welche Probleme gibt es trotzdem im Nachwuchsbereich? Krause, Straube und Rodriguez-Soriano im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT:

Für die Spieler ging es in den Finals um den Titel. Worum ging es für Sie?

Rodriguez-Soriano: "Insgesamt sind die gesamten Play-offs von enormer Bedeutung. Nicht anders als die Spieler und Trainer haben auch wir die gesamte Saison darauf hingearbeitet, um eine Nominierung zu erhalten.  Das sind die Spiele, die jeder pfeifen möchte. Aber nur neun Schiedsrichter von knapp 30 wurden für die Finals nominiert. Darin liegen die Bedeutung, aber auch der Druck. Alle Entscheidungen der Liga sind diesbezüglich sehr eng."

Sind Finals noch einmal etwas anderes? Und wenn ja, warum?

Krause: "Natürlich sind die Spiele etwas Besonderes. Angefangen von den beiden besten Mannschaften, die um den Titel spielen, bis zu den Rahmenbedinungen rund um die Finalspiele. Hinzu kommt, dass es der beste Basketball ist, der zu diesem Zeitpunkt in Deutschland gespielt wird."

Rodriguez-Soriano: "Die Finals sind der krönende Abschluss. Es geht um alles, wer hebt am Ende den Pott in die Luft? Alles ist anders, emotionaler, körperlicher, lauter! Da möchte man dabei sein." 

Schiedsrichter Toni Rodriguez Soriano gestikuliert, 2016
Toni Rodriguez-Soriano während einer BBL-Begegnung Bildrechte: IMAGO

Hat man wirklich keinerlei Sympathien für bestimmte Teams oder Spieler?

Rodriguez-Soriano: "Es gibt natürlich Spieler, zu denen man eher einen 'Draht' hat. Aber generelle Sympathien für Clubs gibt es bei keinem von uns. Hauptsache zwei Mannschaften und ein Ball." 

Was machen Sie vor dem Match? Und was eigentlich danach? Kritisieren Sie sich gegenseitig?

Straube: "Vor dem Spiel läuft es genau so wie vor jedem anderen Spiel auch. Nur die Anreise und das Treffen mit den Kollegen findet in den Finals schon am Tag zuvor statt. Am Spieltag heißt es dann: Ankommen in der Halle, Vorgespräch, individuelle Erwärmung und vielleicht etwas früher in die Halle sein, um die Atmosphäre aufzusaugen. Die Nervosität ist sicherlich auch etwas größer als sonst. Für mich war es die erste Finalteilnahme, und unserer Crew wurde eine gute Leistung bescheinigt. Nach dem Spiel gibt es, wie in jedem Play-off-Spiel, ein Coaching mit zahlreichen Videoanalysen sowie individuellem Feedback."

Krause: "Die Vorbereitung fängt spätestens mit der Nominierung an. Vor einem Finalspiel schaue ich mir auch die vorherigen Begegnungen an, um zu wissen, was mich erwartet. Bei dieser Finalserie war es wie immer so, dass die gesamte Crew bereits nachts zuvor angereist ist, um den Spieltag mit einem gemeinsamen Frühstück zu beginnen. So stimmen wir uns auf die Aufgabe ein, die vor uns liegt. Mithilfe der Video-Aufzeichnungen analysieren wir hinterher einzelne Situationen und geben uns gegenseitig ein Feedback. Das Ganze wird durch einen Schiedsrichtercoach geleitet und bewertet, der das Spiel gesehen hat. Nur durch das ständige Rückkoppeln werden wir uns noch weiter verbessern."

Drei Referees aus Sachsen-Anhalt in den Finalspielen der BBL. Zufall? Oder haben Schiedsrichter aus Sachsen-Anhalt etwas, das andere nicht haben?

Rodriguez-Soriano: "Wir haben unsere ganz eigene, unterschiedliche Geschichte. Was uns verbindet, ist die gemeinsame 'Grundschule'. In Sachsen-Anhalt wird sehr guter Basketball gespielt. Insbesondere im Nachwuchsbereich. Dementsprechend gut konnten wir als Schiedsrichter ausgebildet werden. Ich bin mit jedem Spiel gereift – sei es durch meine Fehler oder in Partien der C-Jugend, die sonntags um 9.00 Uhr begannen. Keine Minute dieser Begegnungen möchte ich missen. Wir haben früh hart gearbeitet – und das zahlt sich langfristig aus, das verbindet uns. Und das verbinde ich mit dem Schiedsrichterwesen in Sachsen-Anhalt." 

Straube: "Wir haben Geduld und über Jahre hinweg hart gearbeitet. Jedes Spiel wird detailgetreu analysiert, damit aus jedem Spiel etwas mitzunhemen. Um dieses Ziel zu erreichen, bleiben sicherlich andere Sachen auf der Strecke."

Krause: "Fest steht, dass Sachsen-Anhalt eine lange Tradition guter, auch internationaler Schiedsrichter hat. Ich glaube, dass bei uns jeder, aufgrund der Größe des Landesverbandes, die Möglichkeit erhält, als Schiedsrichter seinen Weg zu gehen – wenn er es wirklich will. Es gibt genügend Spiele und im Vergleich zu großen Landesverbänden wenig Bürokratie, die die Arbeit erschweren. Know-how an Spielern, Trainern und Schiedsrichtern gibt es zudem auch genug, so dass man sich ständig weiterentwickeln kann. Entscheidend ist jedoch der Wille, etwas erreichen zu wollen. Da unterscheiden sich Schiedsrichter nicht von Spielern. Wer nicht mit ganzem Herzen in die Bundesliga will, wird es auch nicht schaffen."

Oliver Krause und Aleksandar Sasa Djordevic
Oliver Krause (l.) neben Aleksandar Djordevic, dem Basketballtrainer des FC Bayern München Bildrechte: IMAGO

Probleme im Landesverband: Schiedsrichter-Nachwuchs fehlt

Oliver Krause, Carsten Straube und Toni Rodriguez-Soriano dienen als Vorbilder für die nächste Schiri-Generation. "Zu meiner Anfangszeit war das so, dass wir uns an den höherklassig pfeifenden Referees orientiert haben, weil wir da auch mal hinwollten", sagt Carsten Straube. "Wir stehen auch immer zur Verfügung, wenn junge Schiedsrichter mal Hinweise benötigen. Das machen wir gerne." Die Hemmschwelle zu fragen sei oft aber groß.

Im Gegensatz zur Elite sieht es im Breitensportbereich schlecht aus im Schiedsrichterwesen des Basketball-Verband Sachsen-Anhalt (BVSA). Thomas Schaarschmidt, Vorsitzender des BVSA, erklärte kürzlich auf dem Verbandstag: "Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern fünf nach zwölf."

Die Anzahl der Unparteiischen ist seit drei Jahren rückläufig. Damals waren es noch über einhundert, für die kommende Saison haben sich bislang weniger als neunzig gemeldet. Die Verbandsverantwortlichen haben Schwierigkeiten, die 1.500 bis 1.700 Partien in allen Ligen und Altersklassen abzudecken. Deshalb musste bereits in der vergangenen Saison oft nur ein Schiedsrichter die Partien leiten. Zwei gelten eigentlich als Standard. In den höheren Spielklasse sind es sogar drei. "Wir haben zwar immer mehr Spieler und damit auch Spiele. Aber die Anzahl der Schiedsrichter nimmt signifikant ab", sagt Carsten Straube. "Dieser Entwicklung müssen wir unbedingt entgegenwirken."

Du lernst viel über dich selbst. Außerdem bereitet dich das Schiedsrichter-Sein auch auf das Leben vor.

BBL-Referee Carsten Straube über das Schiedsrichterwesen

Straube weiß genau um die Probleme im Landesverband. Der BBL-Referee ist beim BVSA ehrenamtlich als Vorstand für Sportorganisation und das Schiedsrichterwesen tätig. In dieser Funktion hat Straube zuletzt verschiedene Maßnahmen zur Schiedsrichtergewinnung mit angestoßen: Mitte August sollen in Wolmirstedt, Aschersleben, Zörbig und Halle sogenannte Regelworkshops stattfinden. Die Teilnahme ist kostenlos. Erfolgreiche Teilnehmer erhalten die Lizenz, fortan Begegnungen in den Schulligen oder dem Nachwuchsbereich zu pfeiffen. Außerdem sollen am Ende des Jahres weitere Lizenzlehrgänge angeboten werden. Straube meint: "Wir hoffen, dass die Vereine verstehen, dass wir diese Herausforderung alle gemeinsam bewältigen müssen." Ab der Spielzeit 2018/2019 soll jeder Klub pro Mannschaft einen Schiedsrichter stellen müssen.

Bis dahin bleibt den Verantwortlichen nichts übrig, als für das Schiedsrichterwesen zu werben. Carsten Straube weiß, dass "es nicht leichter wird, weil Eltern oder Trainer immer mehr Meckern und du als junger Schiri dann auch manchmal keinen Bock mehr hast". Dennoch hält der erfolgreiche BBL-Referee ein eindringliches Plädoyer für seine Berufung: "So kannst du den Basketball auch mal von einer anderen Seite sehen. Du lernst viel über dich selbst. Außerdem bereitet dich das Schiedsrichter-Sein auch auf das Leben vor. Du lernst wichtige Punkte wie Fairness, Zuverlässigkeit, Teamorientierheit, die Kommunikation mit den verschiedensten Charakteren. Und trotz all der Arbeit, die dazugehört, ob im Fitnessbereich oder der Regelkunde, macht es auch unheimlich viel Spaß."

Basketballschiedsrichter Carsten Straube (rechts) diskutiert während eines Heimspiels von Alba Berlin mit Berlins Spielmacher Carl English (Mitte). Bayern Münchens Aufbauspieler Bryce Taylor steht daneben.
Carsten Straube (r.) diskutiert während eines Heimspiels von Alba Berlin mit Berlins Spielmacher Carl English. Bildrechte: Leon Hahn

Quelle: MDR/dg

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2017, 10:27 Uhr

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1 Kommentar

12.07.2017 13:44 Max maier 1

Rodriguez-Soriano ist wirklich richtig gut!!!