Eishockey Die neue Philosophie der Saale Bulls

Neuer Trainer, neue Spieler, neuer Zusammenhalt? Der Eishockey-Oberligist aus Halle hat sein Team verändert und die Ziele angepasst. Wie die Saale Bulls die Spielzeit 2017/2018 angehen.

von Robert Schimmel, MDR SACHSEN-ANHALT

Die ersten Testspiele machen Hoffnung. Knapp mit 1:3 haben die Saale Bulls gegen den ambitionierten Zweitligisten Dresdner Eislöwen verloren. Ein Klassenunterschied war dabei kaum zu sehen. Klar mit 16:0 setzte sich das Team gegen Regionalligist Chemnitz durch. Diese beiden Auftritte des Drittligisten im neuen Gewand stimmen positiv. Schließlich stehen die Saale Bulls erst seit einer Woche auf dem Eis. Am 29. September wissen die Fans mehr. Dann beginnt die neue Saison in der Oberliga Nord.

MDR SACHSEN-ANHALT wirft einen Blick auf die neuen Saale Bulls:

Reisender Trainer, gestandene Profis

Die Saale Bulls haben einen neuen Cheftrainer: Dave Rich, 48 Jahre alt, Kanadier und ein Reisender in Sachen Eishockey. Halle ist die 18. Stadt, in der er arbeitet. Neun erlebte er als Spieler, neun sind es nun auch als Trainer. Vom Timmendorfer Strand an der Ostseeküste, wo er zuletzt unter Vertrag stand, bis Füssen an der österreichischen Grenze war alles dabei.

Dave Rich
Dave Rich ist der neue Trainer der Saale Bulls. Bildrechte: Saale Bulls
Dave Rich
Bildrechte: Saale Bulls

Mit Dave Rich verbindet sich im Verein die Hoffnung, wieder etwas Ruhe einkehren zu lassen. Drei Trainer hatten die Saale Bulls in den letzten anderthalb Jahren. Viel problematischer aber: Mit jedem Trainerwechsel ging auch ein Philosophiewechsel einher. Jetzt liegt der Fokus wieder auf der nordamerikanischen Spielweise. Die Bulls wollen attraktives, schnelles und auch aggressives Eishockey spielen. Mit direktem Zug zum Tor. Und das mit einem veränderten Kader. Elf Zugänge hat der Verein verpflichtet, neun Spieler haben bereits vergangene Saison in Halle gespielt. Ein kleiner Kader also. Gerade mal 20 Leute. Das könnte bei einer sieben Monate langen Saison problematisch werden.

Was auffällt: Der Klub hat eine neue Kader-Philosophie. Mit Verteidiger Steven Tarasuk und Stürmer Bryan Cameron wurden auf den Ausländerstellen diesmal keine College-Spieler verpflichtet, sondern zwei gestandene Profis. Für mehr Qualität. Auch wenn das mehr Geld kostet. Die Erwartungen an das neue Kanada-Duo sind hoch. Denn von der Papierform her ist es vielleicht die beste Besetzung, die der Verein je auf den zwei Ausländerstellen hatte.

Bryan Cameron
Bryan Cameron Bildrechte: Saale Bulls
Bryan Cameron
Bryan Cameron Bildrechte: Saale Bulls

Kurios: Die Saale Bulls sind für Cameron und Tarasuk die dritte gemeinsame Station. Die beiden sind seit Jugendtagen die besten Freunde. Logisch, dass der Trainer da beide zusammen auch in der ersten Angriffsreihe spielen lässt. Zusammen übrigens mit Nathan Burns, dem dritten Zugang aus Kanada. Ganz viel Ahornblatt also im Team der Saale Bulls.

Das Ziel: mehr Geschlossenheit

Mit den Kanadiern soll auch eine bessere Teamchemie bei den Saale Bulls einziehen als noch in der vergangenen Saison. So betonen es Spieler wie Vereinsführung immer wieder. Bislang funktioniert das. Von Grüppchenbildung bisher jedenfalls keine Spur. Teambildende Maßnahmen wie Fußball-Golf, Kartfahren, Klettern oder Exit-Games sorgen für Zusammenhalt.

Und das Saisonziel? "Wir wollen die Play-offs erreichen", sagt Vereinspräsident Daniel Mischner. Vom Aufstieg in die zweite Liga redet Mischner nur noch als entferntes Ziel. Denn die 2015 gegründete Oberliga Nord ist noch stärker als vergangene Saison. Die Füchse Duisburg, die Hamburg Crocodiles, die Hannover Scorpions, Essen und Tilburg haben allesamt große Budgets und namhafte Profis.

Steven Tarasuk
Steven Tarasuk Bildrechte: Saale Bulls
Steven Tarasuk
Bildrechte: Saale Bulls

"Wirtschaftlich vor Sportlich"

Und damit zu den Finanzen: Den Slogan "Wirtschaftlich vor Sportlich" hört man von der Vereinsführung der Saale Bulls immer wieder. Der Etat der Saale Bulls soll leicht gestiegen sein und mittlerweile an der Millionengrenze liegen. Einen Verein mit solchen Möglichkeiten trainierte Chefcoach Dave Rich übrigens noch nie: "Jedenfalls nicht, was das Budget angeht", sagt er.

Im Vergleich zu seinem früheren Arbeitgeber Timmendorfer Strand ist die Anstellung bei den Saale Bulls für den Kanadier ein großer Schritt nach vorn. Der 48-Jährige will in Halle etwas entwickeln. Eine Mannschaft zur Einheit formen, wie er sagt. Worte, die auch Ken Latta einst sprach. Der Kanadier kam 2014 mit hohen Zielen nach Halle. Er stieß Entwicklungen an, brachte Kontinuität in den Kader, musste aber im Januar 2016 bereits wieder die Segel streichen. Latta ist übrigens Hobby-Golfer. Genau wie Dave Rich. Zufall oder böses Omen?

Am 29. September geht die Saison los: Zum Liga-Auftakt treffen die Saale Bulls auf die Rostock Piranhas unter Coach Ken Latta. Der Sport schreibt eben manchmal besondere Geschichten.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11. September 2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/dg

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2017, 11:02 Uhr

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