Viele Menschen in einer ausgeleuchteten Halle.
eSport-Veranstaltungen locken mittlerweile Millionen Menschen in die Hallen und vor die Bildschirme. Bildrechte: IMAGO

eSport kämpft um Anerkennung Der blasse Junge war gestern

Das virtuelle Zocken als professioneller Wettbewerb erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Noch gilt eSport in Deutschland nicht als Sport. Doch nun beschäftigt sich die Politik mit dem Thema – auch in Sachsen-Anhalt. Denn in Magdeburg gibt es den lokal mitgliederstärksten Verein Deutschlands.

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Viele Menschen in einer ausgeleuchteten Halle.
eSport-Veranstaltungen locken mittlerweile Millionen Menschen in die Hallen und vor die Bildschirme. Bildrechte: IMAGO

Die Besten der Welt verdienen jährlich Millionenbeträge, die jüngste Weltmeisterschaft verfolgten über einhundert Millionen Zuschauer, die Zahlen steigen seit Jahren: "Das Bild des einsamem jungen mit blassem Gesicht, der in seinem dunklen Zimmer sitzt, Cola und Pizza in sich hineinstopft und dabei Computerspiele spielt, ist längst veraltet", meint Sebastian Striegel. eSport, meint der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalts, "ist Teil eines gesellschaftlichen Wandels und besitzt großes Potenzial". Und deshalb "sollten wir diesen Aufbruch nicht verschlafen".

Striegel hat deshalb eine Anfrage an die Landesregierung zur eSport-Szene in Sachsen-Anhalt gestellt. Die Antworten bewertet der Grünen-Politiker so: "Landesregierung und organisierter Sport haben die eSport-Szene noch überhaupt nicht auf dem Schirm. Trotz tausender Leute, die in Sachsen-Anhalt spielen. Und trotz der enormen Entwicklungspotenziale."

Bis zu 500 Anschläge pro Minute

Die Königsfrage lautet: Sollte eSports als Sportart anerkannt werden? Oder: Warum ist das in Deutschland noch nicht geschehen? Martin Müller lacht, wenn er diese Frage hört. "Damit beschäftigen wir uns ständig", sagt der Präsident des Magdeburg eSports e.V. "E-Sport ist zwar kein klassischer Bewegungssport, aber etliche Untersuchungen, unter anderem der Sporthochschule in Köln, haben erwiesen, dass es mit anderen Sportarten wie zum Beispiel dem Sportschießen vergleichbar ist, was beispielsweise die Herzfrequenz und die generelle Belastung angeht." Bei manchen Spielen tätigen die Akteure am Controller bis zu 500 Anschläge pro Minute. "Um das zu schaffen, ist kognitives Training nötig", meint Müller.

Vier Spieler mit einem Gamepad in der Hand sitzen nebeneinander.
Auch Fußball-Bundesligisten haben eSport längst für sich entdeckt. Hier messen sich die Profis Pierre-Emerick Aubameyand (2.v.l.) und Marco Reus (2.v.r.) von Borussia Dortmund mit virtuellen Profi-Zockern. Bildrechte: IMAGO

Dass eSport vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) trotzdem noch nicht als Sportart anerkannt wurde, hat unterschiedliche Gründe. Der DOSB habe in seiner letzten Positionierung zu dem Thema erklärt, "dass die von Gamern, Industrie sowie Teilen von Politik und Medien geforderte Anerkennung als Sport nicht Sache des DOSB, sondern mögliches Ergebnis eines gesellschaftlichen Diskurses ist", erklärte die Landesregierung Sachen-Anhalts.

Das ist eSport Der Begriff eSport ist die Abkürzung für elektronischer Sport und bezeichnet das wettbewerbsmäßige Spielen von Computer- und Videospielen. Das Genre und die Plattform spielen dabei keine Rolle. Zu den beliebtesten eSport-Titeln ghören "Counter-Strike – Global Offensive" und "League of legends".

Verschiedene Veranstalter schütten Preisgelder in Millionenhöhe aus. Dreh- und Angelpunkt der Szene ist die Electronic Sports League (ESL), eine internationale Turnierserie mit mehr als drei Millionen registrierten Benutzern.

In Deutschland ist die Zahl derer, die von eSport leben können, allerdings noch gering. "Das ist vielleicht eine niedrige dreistellige Zahl", meint Marton Müller, Präsident des Magdeburg eSports e.V.. "China oder auch die skandinavischen Ländern sind uns meilenweit voraus." Dort ist eSport bereits als Sport anerkannt.

Das Internationale Olympische Komitee erklärte am Mittwoch, dass eSport als Sport anerkannt werden sollte. Allerdings bedarf es noch einer Organisation, die die Einhaltung der Regeln der Olympischen Bewegung (Anti-Doping, Wetten, Manipulation) garantiert. eSport wurde zuletzt bereits für die Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris ins Gespräch gebracht.

Der Landessportbund Sachsen-Anhalt (LSB) hätte auf Anfrage mitgeteilt, dass er lediglich von seinen Kreis- und Stadtsportbünden um Positionierung zum eSport gebeten worden sei. Hier hätte der LSB im Wesentlichen mit dem "Gutachten über die Voraussetzungen und Auswirkungen der Anerkennung von eSport als Sportart" des Wissenschaftlichen Parlamentsdienstes des Abgeordnetenhauses von Berlin argumentiert. Demnach sei eSport "nach derzeitiger Rechtslage nicht als Sport im rechtlichen Sinne anzuerkennen und deshalb rechtlich nicht als Sportart anerkennungsfähig".

This is where the magic happens - die Turnierrechner für die eSports-Veranstaltungen der ProGamer.
Bildrechte: MDR JUMP/Annie Reischmann

Sollte eSport in Deutschland als Sportart anerkannt werden?

81% 133 Stimmen   Ja, Zeit wird's.
17% 28 Stimmen   Nein, das ist doch kein Sport.
2% 3 Stimmen   Was ist eigentlich eSport?

Stand: 16.11.2017 14:38:23 Uhr 164 Stimmen Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Vielen Dank für Ihre Stimme! Die Abstimmung ist beendet.

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Bildrechte: MDR JUMP/Annie Reischmann

"Eine wichtige Zukunftsfrage"

Martin Müller hat bereits Anfang des Jahres Kontakt zum LSB aufgenommen. Der Magdeburger eSports e.V ist mit 170 Mitgliedern deutschlandweit der lokal mitgliederstärkste eSports-Verein. Das bedeutet, dass seine Mitglieder aus der Region stammen und sich nicht nur zum Spielen im Internet zusammenfinden. Laut Facebook gebe es allein in Magdeburg und Umgebung (40 Kilometer Umkreis) 110.000 Menschen, die an Videospielen interessiert seien, sagt Präsident Müller und erklärt, warum sein Verein nicht dem LSB angehört: "Der DOSB fordert, dass der Verein dazu gemeinnützig ist. Elektronischer Sport ist im Steuerrecht aber nicht als gemeinnützig anerkannt. Deshalb sind wir auch kein Mitglied im LSB."

Über Änderungen der Durchführungsverordnung werde jedoch bereits diskutiert. Solange eSport-Vereine nicht zum entsprechenden Landesverband gehören, fehlt es ihnen jedenfalls an der entsprechenden Fördervorrausetzung, sodass keine Unterstützung vom Land zu erwarten sei, wie die Landesregierung erklärte.

"Der Umgang mit eSport ist eine wichtige Zukunftsfrage", meint Sebastian Striegel. Mit diesem Thema würden im Übrigen auch schnelle Internetverbindungen allerorts einhergehen. Striegel sagt deshalb: "Ich hoffe, dass sich auf das Thema eingelassen wird und eine Diskussion dazu entsteht." Was auch Martin Müller freuen würde, denn: "eSport entwickelt sich sehr dynamisch. Und wir haben hier in Sachsen-Anhalt gute Voraussetzungen, um innovativ voranzugehen. Ich hoffe, dass wir diese Chance in der Zukunft nutzen."

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Quelle: MDR/dg

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2017, 16:36 Uhr

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