Rico Schmitt 2016 im Gespräch Michael Schädlich
Noch stehen sie trotz Krise eng zusammen: HFC-Trainer Rico Schmitt (l.) und Präsident Michael Schädlich Bildrechte: IMAGO

Noch kein Endspiel HFC-Boss Schädlich spricht Schmitt Vertrauen aus

Entscheidet das Heimspiel gegen Großaspach über die Zukunft von Rico Schmitt? Michael Schädlich stärkt seinem Cheftrainer lieber den Rücken anstatt ein Ultimatum zu setzen. Denn der HFC-Präsident sieht den Fußballlehrer eher als Lösungs-Faktor denn als Grund für die Krise.

von Daniel George und Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Rico Schmitt 2016 im Gespräch Michael Schädlich
Noch stehen sie trotz Krise eng zusammen: HFC-Trainer Rico Schmitt (l.) und Präsident Michael Schädlich Bildrechte: IMAGO

Der Ton im Umfeld des Halleschen FC wurde zuletzt rauer. In sozialen Netzwerken forderten zahlreiche Fans des Drittligisten die Entlassung von Cheftrainer Rico Schmitt. Die "Bild"-Zeitung erklärte das Heimspiel am Freitagabend gegen Großaspach zum Endspiel für den Fußballlehrer: Verliert Schmitt, fliegt er! Doch diesem Motto widerspricht Michael Schädlich im Badkurvenversteher, dem HFC-Podcast von MDR Sachsen-Anhalt, nun vehement: "Nur aus populistischen Gründen einen Trainer zu entlassen und dann einen neuen mit denselben Problemen zu konfrontieren, dem dann auch nur das Gleiche einfällt und nichts Besseres, kann es nicht sein."

Der Hallesche FC spricht Schmitt sein Vertrauen aus. Wenngleich ein desaströser Auftritt gegen Großaspach diese Einstellung geschäftsüblich wieder verändern könnte. So sagt Schädlich doch: "Ich glaube, dass selbst Bundestrainer Joachim Löw aktuell seine Probleme hätte, aus der Mannschaft, die konsequent mit Verletzungen zu kämpfen hat, eine Einheit zu formen." Die Verantwortlichen meinen: Es gibt momentan keinen besseren Trainer für den HFC als Rico Schmitt.

Kosten würden bei Entlassung keine Rolle spielen

Präsident Schädlich (63 Jahre alt) und Manager Ralph Kühne (50) weilten in der vergangenen Woche auf Geschäftsreise in China. Eine Situationsanalyse nach ihrer Rückkehr in dieser Woche im Vorstand hat nun anscheinend ergeben, dass Rico Schmitt noch Zeit gewährt wird, um Ergebnisse zu liefern. Dass diese Geduld auch mit fehlenden finanziellen Mitteln zu tun hätte, wies Schädlich von sich. Würde der HFC seinen Trainer entlassen, müsste er ihn noch bis zum Saisonende bezahlen. Doch: "Wenn wir der Meinung sind, dass für die Sicherung der dritten Liga und der Perspektive des HFC eine Trainerentlassung notwendig ist, werden wir sie durchführen", erklärte Schädlich – ungeachtet der Folgekosten dieser Entscheidung.

Selbst Bundestrainer Joachim Löw hätte seine Probleme, aus der Mannschaft, die konsequent mit Verletzungen zu kämpfen hat, eine Einheit zu formen.

HFC-Präsident Michael Schädlich

Die Fakten sprechen gegen Schmitt: Der HFC hat mit 22 Toren die meisten Gegentreffer der Liga kassiert. Die Zugänge haben nicht eingeschlagen. Die Mannschaft entwickelt sich nicht. Nur zwei Heimsiege, fünf Siege insgesamt bei 13 Niederlagen in 2017 – so liest sich seine Bilanz des Grauens in Liga drei. Weder in der desaströsen Rückrunde der vergangenen Saison noch in den zurückliegenden Monaten gelang es dem 49-Jährigen, die Mannschaft zu stabilisieren.

Schädlich sieht die Schuld für die Krise des HFC aber nicht bei Schmitt. Die andauernden kleineren wie größeren Verletzungen hätten einen Rhythmus verhindert. "Der Trainer war und ist dazu gezwungen, in jedem Spiel mit einer anderen Mannschaft, zugeschnitten auf die Spieler auch mit einer anderen Taktik, aufzulaufen. Deshalb ist es unheimlich schwierig, Selbstsicherheit zu gewinnen. Das kratzt an den Spielern." Seine Vorschau: "Wir werden noch eine ganze Weile arbeiten müssen, um aus unserem Tal rauszukommen. Aber wir müssen momentan zu der Mannschaft stehen und nicht in Einzelkritik verfallen." Auch nicht, was den Trainer anbelangt: "Wir müssen die Situation gemeinsam meistern und enger zusammenstehen anstatt uns auseinanderdividieren zu lassen."

Rico Schmitt
Für Rico Schmitt wurde es in den vergangenen Wochen ungemütlich beim HFC. Bildrechte: IMAGO

Wird stattdessen Erfurt zum Endspiel?

Der HFC beweist Geduld. Wieder einmal. Die Bosse wollen den Trainer und seine Spieler mit solchen Statements stärken. Anders als andere Drittligisten, die bereits die Geduld verloren haben: Die Trainer Stefan Krämer (Erfurt), Stephan Schmidt (Würzburg) und Joe Enochs (Osnabrück) mussten bereits gehen.

Doch der HFC bewertet seine Situation anders. "Es gibt bei uns keine Nibelungentreue, aber auch keinen Aktionismus", erklärt der Präsident. Die Gründe für die Misere lägen nicht hauptsächlich bei Rico Schmitt. Der Trainer sei auf dem Weg aus der Krise eher als Lösungsfaktor anzusehen. Aktuell stehen die Rot-Weißen mit zehn Punkten aus elf Partien auf dem 16. Tabellenplatz.

Der Trainer hat momentan sicherlich die schwierigste Aufgabe im ganzen Verein.

HFC-Präsident Michael Schädlich

Rico Schmitt muss allmählich Ergebnisse liefern. Auch wenn das Heimspiel gegen Großaspach wohl nicht allein über seine Zukunft beim HFC entscheiden wird, so werden es die kommenden Wochen sehr wohl. Am darauffolgenden Spieltag reist der HFC nach Erfurt. Und sollte beim aktuellen Schlusslicht der Liga, einem von den Namen eher regionallatauglichen Team, kein überzeugender Auftritt gelingen, müssten sich selbst die so krisenerprobten HFC-Bosse ernsthaft Gedanken über die Rolle von Rico Schmitt machen.

Doch soweit soll es gar nicht erst kommen, denn Michael Schädlich sagt: "Ich wünsche mir sehr, dass wir das Spiel gegen Großaspach ziehen, damit die Mannschaft endlich zu innerer Strukturiertheit findet und auf dieser Basis von unserem Trainer weiterentwickelt wird, der momentan sicherlich die schwierigste Aufgabe im ganzen Verein hat."

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 12.10.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/dg

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2017, 14:24 Uhr

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16 Kommentare

13.10.2017 13:33 Ein Fan 16

#6 Peter
Ich muß Dir vollkommen Recht geben. Die meißten Punkte wurden mit den Leuten aus dem 2. Glied geholt. Das sollte zu denken geben. Diese müssen aber wahrscheinlich schon heute wieder zurück auf die Bank oder die Tribüne. Dafür sind Leute im Kader, welche 2 Wochen wegen Verletzungen nicht trainiert haben und überhaupt nicht fit sein können. Aber auch dieser Aspekt wird von der Presse zu wenig hinterfragt !?!? Schauen wir mal wie es heute Abend ausgeht ?

13.10.2017 09:45 Beobachter 15

#Trainer
Du scheinst ein ganz gescheiter zu sein! Und der einzige mit Ahnung. Ich kenne den Verein seit 1973 aus dem Eff Eff . Habe tausende Spiele gesehen., selbst in der Verbandsliga, als der Verein ganz unten war. Selbst habe ich in Regionen gespielt, wo du vielleicht als Balljunge agiert hast. Erzähle den Leuten hier also keine Geschichten aus 1000 und einer Nacht. Wenn nicht bald etwas passiert, spielen wir wieder in Ammendorf und Arnstedt.....! Der Abstieg wäre das Ende!
PS. Der Vergleich mit der AfD zeigt mir auch, daß du nicht all so " Helle" zu sein scheinst.

13.10.2017 09:20 Hällore 14

#Beobachter
Apropos Politiker etc......da hat der Doc Erfahrungen. Sein Laden hat angeblich über Jahre Leute in den Ministerien beraten. Du hast Recht, wenn man genau liest und hinhört......der geborene Politiker einer unserer Volksparteien.

13.10.2017 03:57 Trainer 13

an alle die wirklich keine Ahnung haben.Der HFC macht eine saubere Arbeit und der Trainer hatt ne Menge auf dem Kasten, ich selber trainiere eine Jugendmannschaft und weis was Teamchemie und Konstellationen ausmachen, Und Verletzungen im Profibereich sind immer schwer für die Mannschaft, Die Jungs werden sich entwickeln und die Mannschaft in der 3ten Liega halten...Wie der Sven köhler damals meinte um eine Perfeckte Saison zu spielen muss einfach alles Passen und der HFC hat nun mal leider das grösste Verletzungspech.
Der HFC wird und da bin ich sicher wieder auf diem Spur kommen, ich drücke die Daumen und glaube wie die meisten immer an die Mannschaft, und an all die Schwarzmaler, macht es doch besser anstatt euren Frust hier abzulassen, ihr seid ja wie die AFD alles Scheisse finden und von nix ne Ahnung haben

12.10.2017 23:32 Investitionsbank 12

Das Problem ist doch nicht der Trainer, sondern die Spenden an Parteien von Herrn Schädlich. ISW/Schädlich/Investitionsbank/Bullerjahn... HFC ??? Ich wünsche dem HFC endlich den Mut sich von solchen Menschen zu lösen!!!

12.10.2017 21:01 SGDHarzer66 11

Schmitt für die Verfehlungen von Kühne oder auch Schädlich verantwortlich zu machen ist grundsätzlich falsch. Eine Entlassung würde die Probleme weiter verschärfen, das kann nicht das Ziel sein. Guten Abend.

12.10.2017 20:23 Karl Heinz 10

@Aufmerksamer

Warum sollte man in MD die Reißleine ziehen , wenn die in ein Tal rutschen ?

Die haben jedes Jahr ein kleines Loch , halten aber zusammen und Zack geht's wieder bergauf.

Dort braucht man nicht hingucken , da läuft alles bestens, sportlich und erst recht finanziell.

12.10.2017 19:30 AufmerksamerBeobachter 9

Es sind nicht erst drei Trainer entlassen worden in dieser Saison. Auch Karlsruhe (Meister) und Lotte (?...?) noch am ersten Spieltag haben die Nerven verloren. Das wird diese Saison ganz heiß. Die gesamte untere Hälfte spielt ums Ueberleben - sportlich und/oder finanziell (EF). Ich wette sogar, das MD die Reißleine zieht, wenn es dort am Ende wieder leicht bergab geht. In Halle ist der Schleudersitz derzeit am straffsten gespannt. Bei weniger als Unentschieden wird am Sonntag ausgeloest: *pfffFFFFFTTT!!*

12.10.2017 17:52 Rolli 8

Die wahren Ursachen für die Misere beim HFC nennt der Doc.nicht. Nicht die Verletzten sind das Problem sondern die Mannschaft wurde mit zu wenig Qualität zusammengestellt. Die Mannschaft wurde nicht verstärkt sondern es fand ein Austausch von Spielern bestenfalls auf gleichen Niveau statt. Rico Schmitt macht nicht alles richtig aber die meisten Fehler macht das Präsidium.

12.10.2017 17:46 hokni 7

In Halle sollte man endlich begreifen das man nur eine mittelmässige Mannschaft hat.Der Klassenerhalt ist das wichtigste und nur das.Wer meint es wird mehr der träumt.Zweitens muss man sich über manche Leistungen nicht wundern wenn man nur Spieler von Absteigern holt oder Spieler die teilweise 1 Jahr nicht gespielt haben. Trotz alledem wenn alle fit sind hat man keine schlechte Truppe.Also Backen zusammenkneipen und durch.Bei Abstieg weiden die Schafe im Erdgassportpark.
Das soll bitte nicht geschehen.Vielleicht sollte man im Vorstand auch mal über neue Leute nachdenken und frischen Wind reinbringen,siehe M.Franz in Magdeburg.
Aber gut morgen zählt nur ein Sieg,ansonsten muß man handeln ......