Tor zum 0:2 für Chemnitz im Spiel HFC Hallescher FC vs. Chemnitzer FC
Tom Müller kam überraschend zu seinem dritten Drittligaspiel für den HFC. Bildrechte: IMAGO

HFC gegen Chemnitz Schwarzer Tag im goldenen September

Der HFC hat am Samstag erst seinen Torwart und dann das Spiel gegen Chemnitz verloren. Am Platzverweis lässt sich die Niederlage aber nur bedingt festmachen. Denn die Mannschaft zeigte Schwächen, die längst behoben schienen.

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Tor zum 0:2 für Chemnitz im Spiel HFC Hallescher FC vs. Chemnitzer FC
Tom Müller kam überraschend zu seinem dritten Drittligaspiel für den HFC. Bildrechte: IMAGO

In der HFC-Fankurve gibt es eine neue Fahne mit weißer Schrift auf schwarzem Untergrund. Darauf ist "Schwarzer September" zu lesen. Die Fahne soll an die vielen Toten erinnern, die der Verein im Laufe seiner Geschichte in diesem Monat zu beklagen hatte. Wolfgang Hoffmann bei der Katastrophe von Eindhoven 1971 etwa, die Opfer des Falschirmunglücks 1997, oder den damals 21-jährigen Torwart Mirko Eggert, der 2004 bei einem Autounfall ums Leben kam. Auch einige treue HFC-Fans verließen über die Jahre im September für immer die Tribüne. 

Sportlich ist der Monat für den Halleschen FC dagegen oft ein guter. Nachdem der Saisonstart fast schon traditionell meist misslingt, befreien sich die Rot-Weißen im Spätsommer in schöner Regelmäßigkeit aus dem Tabellenkeller. So auch diesmal. Aus den drei Spielen im September holte der HFC bisher sieben Punkte. Zählt man das Spiel gegen Karlsruhe mit, konnte der Verein vier Spiele in Folge ohne Niederlage verbuchen. Es schien deshalb nicht unwahrscheinlich, dass der HFC einen goldenen Monat hinlegt und im gesamten September nicht verliert. 

Eine schwarze Fahne hängt an einem Stadionzaun.
Mit der "Schwarzer-September"-Fahne soll an die Katastrophen der Vereinsgeschichte erinnert werden. Bildrechte: Stefan Röhrig

"Niederlage geht auf meine Kappe"

Doch gegen den Chemnitzer FC erlebte der HFC einen schwarzen Tag. Schon nach drei Minuten musste Torwart Oliver Schnitzler vom Feld. Nach einer Notbremse gegen Daniel Frahn sah er die Rote Karte. An der Entscheidung gab es nichts zu rütteln, doch HFC-Trainer Rico Schmitt hätte sich die gleiche Konsequenz von Schiedsrichter Guido Winkmann auch im weiteren Spielverlauf gewünscht. Dann wäre der Chemnitzer Leutenecker nämlich ebenfalls früh mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen worden. 

Zwar blieb der Freistoß nach Schnitzlers Foul ohne Folge, doch die frühe Überzahl spielte dem CFC zweifellos in die Karten. Schnitzler übernahm dann auch die Veranwortung für die Niederlage und sagte: "Gerade am Ende einer englischen Woche war es für die Mannschaft natürlich extrem schwierig, so lange in Unterzahl zu spielen. Da geht die Niederlage klar auf meine Kappe."

Abschluss- und Abwehrschwäche

Die Niederlage allein am Platzverweis fest zu machen, wäre jedoch falsch. Selbst in Unterzahl hätte der HFC das Spiel gewinnen können. Es gibt zwei Ursachen, warum das nicht gelang. Zum einen lag es an der mangelhaften Chancenverwertung. Allein Petar Sliskovic war mehrfach in aussichtsreicher Position, schaffte es aber nicht, den Ball aufs, geschweige denn ins Tor zu bringen.  Defensiv hatte Halle enorme Probleme mit dem Umkehrspiel der Chemnitzer. Das 1:0 für die Gäste fiel nach einer HFC-Ecke. "In so einer Szene gibt es nur eins", stellt Rico Schmitt fest. " Ich oder er. Wenn ich es bin, fliegen Ball und Gegner Richtung Auslinie und dann ist das Ding bereinigt." Es wäre ein einfacher und sehr effektiver Lösungsansatz gewesen, um das Tor zu verhindern.

Beim 2:0 ließ Myroslav Slavov im Strafraum gleich zwei Hallenser aussteigen und schob dann in Seelenruhe ein. Auch beim 3:0 konnte der CFC einen Konter zu Ende spielen, ohne ernsthaft gestört zu werden. Schon an den ersten Spieltagen hatte der HFC große Probleme mit schnellen Gegenangriffen. Zwischenzeitlich schien es, als hätte es die Mannschaft mit einer Systemumstellung in den Griff bekommen. Diesmal trat es jedoch wieder auf. Rico Schmitt hätte sich da mehr Konsequenz seiner Spieler gewünscht. 

Tor zum 0:2 für Chemnitz im Spiel HFC Hallescher FC vs. Chemnitzer FC
Während die Chemnitzer jubeln, steht Tom Müller bedröppelt daneben. Bildrechte: IMAGO

"Habe keine Magengeschwüre"

Völlig schuldlos an den Gegentoren war übrigens Tom Müller, der nach Schnitzlers Platzverweis ins Spiel kam. Der junge Torwart hat eine beachtliche Entwicklung hingelegt. 2015 tauchte damals 16-Jährige plötzlich bei der ersten Mannschaft auf. Als sich Stammtorwart Pierre Kleinheider im Trainingslager verletzte, nahm der damalige Kapitän Daniel Ziebig Müller zur Seite und sagte: "So schnell geht's, Tom. Jetzt bist du schon Nummer 2."

Es sollte jedoch einige Zeit dauern, bis er diesen Status wirklich festigen konnte. Noch im Frühjahr gab es Überlegungen, das inzwischen 19-jährige Eigengewächs zu verleihen. Doch weil er seitdem große Fortschritte machte, entschied sich Rico Schmitt, ihn zu befördern: "Es war im Sommer eine Entscheidung, in dieser Konstellation in die Runde zu gehen. Die hätte ich so nicht getroffen, wenn ich dabei Magengeschwüre bekomme."

Plötzlich Nummer 1

Weil Schnitzler gesperrt sein wird, geht Müller als Nummer 1 ins Spiel gegen Lotte. Nach seinem Startelfdebüt gegen Osnabrück und dem fast 90-minütigen Einsatz gegen Chemnitz wird es sein drittes richtiges Spiel für den HFC. Und obwohl er in den beiden Partien jeweils, wenn auch unverschuldet, drei Gegentore kassierte, strotzt Tom Müller vor Selbstvertrauen. "Es geht viel um die Ausstrahlung, die Präsenz, das Mitspielen", sagt er. Dass er bereits über eine gewisse Abgezocktheit verfügt, bewies er, als er kurz nach seiner Einwechslung Daniel Frahn im eigenen Strafraum ausspielte.

Am kommenden Wochenende wird er versuchen, Sicherheit für seine Vorderleute auszustrahlen. Alle beim HFC hoffen, dass es Müller erstmals in einem Drittligaspiel gelingt, sein Tor sauber zu halten. Und wenn das klappt, könnte der September doch noch zu einem goldenen Monat für den Halleschen FC werden.

Mehr zum Thema

Hallescher FC - Chemnitzer FC
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sport im Osten Sa 23.09.2017 16:30Uhr 15:04 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSEN-ANALT HEUTE | 23. September 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. September 2017, 11:01 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.