Teamgeist - MBC nach Spielende
Das MBC-Team um Center Djordje Panetlic (r.) hat die Mission Wiederaufstieg fast erfüllt. Bildrechte: IMAGO

MBC-Basketballer vor dem Aufstieg Was den Weißenfelser Weg so besonders macht

Der Mitteldeutsche BC steht vor der Rückkehr in die Basketball-Bundesliga. Sportlich läuft es rund. Finanziell müsste künftig aufgestockt werden. Die Klubbosse sind optimistisch. Denn: Aus wenig viel machen - das gehört zur DNA des Vereins.

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Teamgeist - MBC nach Spielende
Das MBC-Team um Center Djordje Panetlic (r.) hat die Mission Wiederaufstieg fast erfüllt. Bildrechte: IMAGO

Ob Kirchheim nicht einfach verzichten könnte? Die Halbfinalserie abschenken und dem Mitteldeutschen BC zum Wiederaufstieg verhelfen? Martin Geissler lacht herzlich.

War auch nur ein Spaß. Würde aber Sinn ergeben. Der Gegner der Basketballer aus Weißenfels kann schließlich gar nicht aufsteigen. Kirchheim hat keine Lizenz für die Basketball-Bundesliga (BBL) beantragt. "Sie überlegen sogar, ob sie den gewachsenen Anforderungen der Pro A in der kommenden Saison gerecht werden können", weiß Geissler, seit 2004 Teammanager des MBC. Aber: "Kampflos werden sie uns sicher nicht gewinnen lassen."

Und trotzdem stehen die Chancen hervorragend, dass das Weißenfelser Publikum in der kommenden Saison wieder Bundesliga-Basketball verfolgen darf. Nach nur einem Jahr in der zweitklassigen Pro A. Nach einer dominanten regulären Saison, an deren Ende lediglich drei Pleiten auf dem Konto des MBC zu finden waren. Schönheitsflecken - mehr nicht. Auch im Viertelfinale der Endrunde gegen Köln setzten sich die Wölfe souverän durch.

Weißenfels ist Rekordmeister der Pro A

Gewinnt das Team jetzt dreimal gegen Kirchheim und entscheidet so die Halbfinalserie (Best-of-five) für sich, dürfte bereits gejubelt werden. Beide Finalisten - das zweite Halbfinale bestreiten Chemnitz und Gotha - besitzen das Aufstiegsrecht. "Trotzdem wollen wir die Pro-A-Meisterschaft unbedingt gewinnen", sagt Geissler, denn: "Das ist keinem Team außer uns bislang zweimal gelungen. Für uns wäre das jetzt sogar schon der dritte Titel." Er grinst: "Da würden wir langsam ein Polster zur Konkurrenz aufbauen."

Sportlich läuft es rund für den MBC. Nach dem tragischen Abstieg 2016 - nur ein Sieg fehlte am Ende zum Klassenerhalt - steht die Erfüllung des Saisonzieles kurz bevor. Zweifel, dass sich der MBC gegen Kirchheim durchsetzt, gibt es kaum. Wenngleich Martin Geissler anständig bodenständig zu Protokoll gibt: "Noch sind wir nicht aufgestiegen." Die letzte Hürde auf dem Parkett sollte das Team um Topscorer Andrew Warren, mit 17,1 Zählern im Schnitt bester Werfer in den Play-offs, jedoch auch noch nehmen.

„Jetzt müssen wir diesen einen, letzten Schritt gehen“, sagt Igor Jovovic. Der montenegrinische Coach hat die Wölfe gleich in seiner ersten Saison in Deutschland zum Erfolg geführt. "Er macht einen klasse Job", lobt Geissler.

Igor Jovovic
Coach Igor Jovovic und Weißenfels - das passte auf Anhieb. Bildrechte: IMAGO

MBC plant mit einem Etat von 1,75 Millionen Euro

Die größere Herausforderung wartet am Schreibtisch auf die Vereinsführung. Die Lizenzanträge für die Basketball-Bundesliga und die Pro A hat der MBC eingereicht. Entschieden wird am 11. Mai. Läuft alles nach Plan, erhält Weißenfels dann beide Lizenzen und darf in der kommenden Saison, so die sportliche Qualifikation gelingt, im Oberhaus starten. Doch dann ginge die Arbeit erst richtig los.

Für die kommende BBL-Saison plant der MBC mit einem Etat von 1,75 Millionen Euro. Das wäre in dieser Spielzeit der mit Abstand kleinste der Beletage. Zum Vergleich: Der amtierende Deutsche Meister Brose Baskets Bamberg verfügt 2016/2017 über 18 Millionen Euro. Etat-Schlusslicht Science City Jena mit Ex-MBC-Coach Björn Harmsen hat immerhin zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Das zeigt, wie effektiv in Weißenfels gewirtschaftet wird.

Florian König, Geschäftsführer des Basketballverbandes Sachsen-Anhalt

Das ist ab der kommenden Saison auch die Mindestetatgrenze, die alle Bundesligisten vorweisen müssen. Dem MBC fehlt also aktuell eine Viertelmillion. Noch weit entfernte Zukunftsmusik. "Wir hätten ja dann die Saison über Zeit, unseren Etat aufzustocken. Neben dem Kampf um den Klassenerhalt wäre das unser großes Ziel", blickt Martin Geissler voraus. "Ich bin optimistisch, dass wir diese Vorgabe erfüllen würden."

Und das Beispiel Jena ist ein gutes. Findet auch Florian König: "Jena hat sich in dieser BBL-Saison auch mit einem kleinen Etat hervorragend geschlagen und den Klassenerhalt gepackt", sagt der Geschäftsführer des Basketballverband Sachsen-Anhalt (BVSA). Er wird den Auftritt des MBC gegen Kirchheim am Freitagabend live im Wolfsbau verfolgen. "Der Mitteldeutsche BC ist der Leuchtturm des Basketballs in Sachsen-Anhalt. Dass sie jetzt kurz vor dem direkten Wiederaufstieg stehen zeigt, wie effektiv und gut in Weißenfels gewirtschaftet und gearbeitet wird."

Die Macher basteln bereits am Kader

Martin Geissler
MBC-Manager Martin Geissler Bildrechte: IMAGO

Aus wenig viel machen: Das war schon immer die Geschichte des Mitteldeutschen BC. Bereits 2011 musste der Klub den Gang in die Pro A antreten, packte den direkten Wiederaufstieg und etablierte sich.

Es ist den Machern zuzutrauen, dass das auch in der kommenden Bundesliga-Saison gelingen würde. Im Hintergrund wird bereits am Kader gebastelt. Trainer Igor Jovovic besitzt auch einen Vertrag für die kommende Spielzeit. Genau wie so mancher Leistungsträger. Center Djordje Pantelic zum Beispiel. Der 2,04 Meter große Serbe ist das Gesicht des MBC. Nach drei Jahren in Weißenfels verabschiedete er sich 2015, kehrte im vergangenen Sommer für die Mission Wiederaufstieg zurück. Weil er sich wohlfühlt mit seiner Familie in Weißenfels. Heimisch. "So können wir die Spieler überzeugen", meint Martin Geissler. "Wir tun alles, dass es ihnen bei uns gut geht. Sie wissen, was sie bei uns bekommen."

Eine familiäre Atmosphäre. Wozu auch die Wölfe-Fans beitragen. 2016/2017 steht ein Zuschauerschnitt von 2.100 auf der Habenseite. Das sind 400 weniger als zu Bundesligazeiten. Dort spielte Weißenfels vor seinem Abstieg im vergangenen Jahr vier Spielzeiten hintereinander. "Unser Publikum war in den vergangenen Jahren verwöhnt. Klar merken sie, ob Ehingen oder Alba Berlin bei uns zu Gast ist", erklärt Martin Geissler. "Da dachte sich mancher Fan vielleicht, dass er in der zweiten Liga doch nicht unbedingt jedes Spiel sehen muss." Wenngleich die Unterstützung dennoch vorbildlich sei.

Die Anhänger sehnen sich nach erstklassigem Basketball. Und die Mannschaft will den Fans den Traum vom direkten Wiederaufstieg schnellstmöglich erfüllen. Auf dem Parkett. Alles andere als kampflos. Verdient, nicht geschenkt.

Das Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21.04.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/dg

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2017, 11:38 Uhr

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4 Kommentare

21.04.2017 19:54 Knut 4

? Der MDR berichtet auf seinen Seiten permanent über Basketball! Und in den letzten Tagen auch über Chemnitz... Also, warum immer gleich motzen, wenn gerade mal ein anderer Verein im Fokus steht?!

21.04.2017 07:52 Bernd 3

@1, ist ja nun erklärt warum MBC. Aber guter Punkt, im Halbfinale der Pro A stehen 3 mitteldeutsche Teams heißt ein Aufsteiger aus der Region ist sicher. Sollte es auch der MBC schaffen könnten wir in der kommenden Saison 3 Bundesligamannschaften in der Region haben. Darüber könnte der MDR doch gern berichten.

21.04.2017 07:06 lunatic 2

Na sowas!

20.04.2017 18:25 Marcel aus Sachsen 1

MBC statt Niners. Warum wird so gut wie gar nicht über den Chemnitzer Basketballverein berichtet?

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

Wir würden ja gern, aber Chemnitz ist nicht Sachsen-Anhalt.