Joel Abati, Trainer Peter Rost, Uwe Mäuer, Erik Göthel und Torhüter Henning Fritz lassen sich 1999 von den Fans feiern.
Henning Fritz (gelbes Trikot) und seine Mannschaftskollegen feiern den Sieg im EHF-Pokal. Bildrechte: IMAGO

Fritz, Abati, Kretzschmar im EHF-Pokal Die SCM-Klasse von 1999

Am Wochenende wollen die Handballer des SC Magdeburg in Göppingen den EHF-Pokal gewinnen. Vor 18 Jahren gelang der Triumph in diesem Wettbewerb – und der SCM startete in seine beste Phase nach der Wende. Kann der Verein wieder eine Ära einläuten?

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Joel Abati, Trainer Peter Rost, Uwe Mäuer, Erik Göthel und Torhüter Henning Fritz lassen sich 1999 von den Fans feiern.
Henning Fritz (gelbes Trikot) und seine Mannschaftskollegen feiern den Sieg im EHF-Pokal. Bildrechte: IMAGO

Natürlich war er aufgeregt, gibt Henning Fritz unumwunden zu. 1999 war das und der SC Magdeburg spielte im Finale des EHF-Pokals gegen CBM Valladolid. Für den Torhüter, der später zum Weltklasse-Spieler wurde, war es das erste internationale Endspiel und eines, aus dem er sehr viel für seine Karriere mitgenommen hat. "Ich bin natürlich in jeder Saison etwas gereift. Ich war nicht mit 18 oder 19 der Weltklassemann. Ich durfte beim SCM aber sehr früh mit der 1. Mannschaft trainieren. Jedes Spiel und jeder Titel hat mir in meiner Entwicklung geholfen." Später habe er von solchen Situationen profitiert und vieles schon mal erlebt gehabt.

Diese Situationen, das waren vor allem entscheidende Spiele auf dem Weg zu einem großen Titel. Denn der SC Magdeburg konnte sich im Rückspiel gegen Valladolid mit 33:22 durchsetzen und den Sieg im EHF-Pokal bejubeln. Es war der erste internationale Erfolg seit 1981. Und viel wichtiger, der Verein hatte es endlich geschafft, die schwierigen Jahre nach der Wende hinter sich zu lassen. "In dem Moment hatte ich die großen Erfolge des SC Magdeburg in den Siebzigern und Achtzigern im Kopf. Dass ich mich dort einreihen durfte, war eine große Ehre und ein ganz toller Moment", erinnert sich Fritz.

Schwierige Geburt

Die Mannschaft, die in der Saison 1998/99 ihre erste Sternstunde erlebte, gehörte in den Folgejahren deutschland- und europaweit zur Spitze. Für Henning Fritz eine Folge des Siegs im EHF-Cup: "So ein Erfolg sorgt immer dafür, dass eine Mannschaft auch weiter zusammenwächst. Das hilft auch, dass man sich neue Ziele setzen kann."

Peter Rost, 1999
Peter Rost übernahm die Mannschaft im Januar 1999. Bildrechte: IMAGO

Die Geburt dieses 99er-Teams, das wie eine Schulklasse zusammenhielt, war aber eine schwierige, erinnert sich der damalige Trainer Peter Rost: "Wir hatten zu Saisonbeginn mit Olafur Stefansson oder Joel Abati Stars verpflichtet. Aber die Einspielzeit dauerte doch wesentlich länger, als wir gedacht hatten." Weil die erwünschten Erfolge in der Bundesliga ausblieben, musste der bisherige Trainer Lothar Doering im Januar gehen. Sein Freund und Co-Trainer Peter Rost übernahm und führte die Mannschaft zum Erfolg. Im Sommer übergab er das Team dann an Alfred Gislason. Mit ihm gewann der SCM, nur auf wenigen Positionen verändert, 2001 die Deutsche Meisterschaft und erneut den EHF-Cup sowie 2002 die Champions League.

Parallele zur Neuzeit

Betrachtet man die Entwicklung, lässt sich durchaus eine Verbindung zum SCM von heute ziehen. Wieder liegen wirtschaftlich schwere Zeiten hinter Verein – auch wenn die weniger politischen Umbrüchen als dem sehr laxen Umgang mit finanziellen Mitteln geschuldet waren. Doch in den vergangenen Jahren hat sich der SCM nicht nur finanziell, sondern auch sportlich erholt. Zwei Teilnahmen am DHB-Pokal-Final-Four belegen das. 2016 konnte Magdeburg das Turnier sogar gewinnen.

In diesem Jahr ist das Team weiter im Aufwind und wettbewerbsübergreifend seit 22 Spielen ungeschlagen. Die aktuelle Form und die Erfahrungen aus dem DHB-Pokal werden dem SCM am Wochenende helfen, ist sich Peter Rost sicher: "Wenn man so ein Halbfinale und das Endspiel schon mal erfolgreich bestritten hat, ist das schon ein Pfund, auf dem man aufbauen kann."

Winkt bald die Meisterschaft?

Auch Henning Fritz traut dem SC Magdeburg in Göppingen viel zu und sieht den Verein auch für die Zukunft gut aufgestellt: "Inzwischen hat der SCM eine gute Mischung aus Jung und Alt und ein Trainerteam, das einerseits sehr erfahren ist, aber auch neue, kreative Dinge mit einbringt." Bei der Mischung habe der Verein derzeit ein glückliches Händchen. Vielleicht kann Magdeburg tatsächlich national und international wieder eine Ära einläuten, wo der Verein sich nach oben orientiert", glaubt der frühere Welttorhüter.

Spielt der SCM also bald wieder um die Meisterschaft? So weit will Fritz nicht gehen. Aber die Champions-League-Qualifikation wäre auf Sicht schon drin. Doch vielleicht schafft der SC Magdeburg mit der Erfahrung einiger Titelgewinne ja auch bald mal wieder den Sprung nach ganz oben. Ein Sieg im EHF-Pokal könnte ein weiterer Schritt auf dem Weg dorthin sein. Auf dem Weg zur Ära der Klasse von 2016.

Der SC Magdeburg feiert den Sieg
Der SC Magdeburg gewann 2016 den DHB-Pokal. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20.05.2017 | 07:00 Uhr

Quelle: MDR/olei

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2017, 13:25 Uhr

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