Sechs Menschen sitzen rund um einen Pokertisch mit Pokerchips und Spielkarten
Bildrechte: MDR/Marco Pahl

Zu Besuch in der Pokermanufaktur Coswig Wo gedealt und geblufft wird

Pokern ist seit Jahren eine Trendsportart mit immer größer werdender Fangemeinde. Auch Sachsen-Anhalt hat der weltweiten Pokerlandkarte schon seinen Stempel aufgedrückt – schließlich kommt Deutschlands erfolgreichster weiblicher Pokerprofi aus Dessau. Sandra Naujoks alias "Black Mamba" mischt seit Jahren die Pokerszene auf und im Konzert der Pokerstars ganz vorne mit. Der erfolgreichste Amateurpokerverein kommt aus Coswig. Ein Besuch.

von Marco Pahl, MDR SACHSEN-ANHALT

Sechs Menschen sitzen rund um einen Pokertisch mit Pokerchips und Spielkarten
Bildrechte: MDR/Marco Pahl

"Das fand er überhaupt nicht witzig", sagt Sabine Janz und muss lachen. Dabei schaut die 30-Jährige Michael Tietz an, der ihr an diesem Freitagabend in der Friederikenstraße in Coswig gegenübersitzt. Michael Tietz ist mit seinen 41 Jahren nicht nur erster Vorsitzender der Pokermanufaktur Coswig, sondern im Berufsleben auch der Chef von Sabine. Die hatte ihren Arbeitgeber ausgerechnet bei ihrem ersten Spiel als neues Mitglied der Pokermanufaktur geschlagen hat. Das war 2013, ein Jahr nach Gründung der Pokermanufaktur, dem Nachfolgeverein des 1. Coswiger Poker Clubs.

Tietz, der als selbstständiger Küchenmonteur deutschlandweit unterwegs ist, hat nicht nur seine Pokerheimat in Sachsen-Anhalt. Sein Wohnsitz ist Kleinleitzkau, der Ort ist auch der gemeldete Sitz der Pokermanufaktur. Sabine, die angestellte Küchenmonteurin in der Firma von Michael Tietz ist eine von acht festen Mitgliedern des einzigen eingetragenen Pokervereins in Sachsen-Anhalt. Hier treffen sich nahezu jeden Freitag bis zu 20 Mitspieler im eigenen Vereinsheim – einer ehemaligen Gaststätte – zu den Spielen der Vereinsmeisterschaft.

Ruhm, Ehre und Spaß stehen im Mittelpunkt

Gespielt wird, und das ist das Spezielle bei der Pokermanufaktur, nicht um Geld, sondern "um Ruhm, Ehre und Spaß", wie Tietz betont. "Geld verdiene ich mit meiner Arbeit", fügt Sabine Janz hinzu, und zwinkert dabei ihrem Chef lachend zu.

Mit am Tisch im 25 Quadratmeter großen "Spielzimmer" des Vereinsheims sitzen an diesem 17. März, dem irischen St. Patrick's Day, insgesamt elf Spieler – unter ihnen alle Berufs- und Altersgruppen. Da ist Martin Teschke aus Dessau, der Informatiker. Er ist an diesem Abend – an dem Michael Tietz anlässlich des St. Patrick's Day ein Irish Stew für alle gekocht hat – der Dealer. Das heißt, Martin gibt, wie bei der populärsten Pokervariante Texas Hold'em üblich, jeweils zwei Karten an die Mitspieler am Tisch. Gespielt wird übrigens auf einer originalen Poker-Tischplatte, die der Verein gewonnen hat und in einer Berliner Spielbank abholen musste. "Direkt am Tag und am Ort der Berlinale, da jongliere mal so einen Tisch durch die Massen", schmunzelt Tietz noch heute über die Geschichte.

An dieser mit grünem Filz überzogenen "heiligen" Tischplatte nimmt nun auch Versicherungsvertreter Carsten Dittrich seine Karten in Augenschein, der Rest der Runde macht es ihm nach. Jetzt werden Pokerchips aus Plastik gesetzt – jedenfalls von denen, die meinen, eine gute Starthand zu haben. Wer mit setzt und dabei bleibt, darf weitere Karten sehen.

Auf einem Pokertisch liegen Geldscheine, daneben Schilder mit Aufschrift "Ehre", "Spaß", "Ruhm" und Spielkarten sowie Pokerchips
Ehre, Spaß und Ruhm: Das ist das Motto, dem die Pokerfans aus Coswig und Umgebung sich verschrieben haben. Geld spielt bei ihnen keine Rolle. Bildrechte: MDR/Marco Pahl

Jetzt komt der Flop. Dealer Martin legt drei weitere Karten. Diese Gemeinschaftskarten in der Mitte des Tisches können das eigene Blatt verbessern. Aus einem Paar wie etwa zwei Königen auf der Starthand können jetzt drei Könige werden. Die vierte und fünfte Gemeinschaftskarte – der sogenannte Turn und River – haben erneutes Verbesserungspotential für die Mitspieler. Am Ende gewinnt, wer die besten fünf Karten aus der Kombination Starthand und Gemeinschaftskarten hat. Das ultimative Blatt ist dabei der Royal Flush, bestehend aus Zehn, Bube, Dame, König und Ass in einer Farbe. Das gab es in der Pokermanufaktur bisher nur einmal.

Gewonnen hatte mit diesem royalen Blatt einst Vereinsmitglied Chris Zorr, für den Poker ein Strategie- und kein Glücksspiel ist. "Es gehört viel Mathematik dazu, ähnlich wie beim Schach. Es ist ein Denksport". Damit ist für ihn an diesem Freitagabend auch die Frage geklärt, ob Pokern ein Sport sei. "Natürlich", wirft Sabine Janz sofort ein, "und spannend ist es noch dazu. Unser längstes Spiel fing mal um 14 Uhr an und endete am nächsten Tag um sechs Uhr früh. Zum Glück hatte da der Bäcker gegenüber schon auf", sagt sie. Großes Gelächter diesmal am ganzen Tisch.

Spielen bis in die frühen Morgenstunden

Auch an diesem Freitag geht es wieder bis in die frühen Morgenstunden. Da schimmert dann schon der erste Sonnenstrahl direkt von der Straße durchs große Panaromafenster des Spielzimmers. Denn bei der Pokermanufaktur spielt man im Erdgeschoss sozusagen im Schaufenster. Gewinner des Abends ist genau der, der zuvor schon durch die Gründung der Pokermanufaktur einen Volltreffer in Sachsen-Anhalt landen konnte. Michael Tietz sammelt mit dem Erfolg am St. Patricks Day nicht nur wichtige Punkte für die vereinsinterne Meisterschaft, sondern sichert sich und dem Verein auch einen weiteren Pokal für das beachtliche Trophäenregal.

Die größte Errungenschaft des Vereins durfte übrigens nur kurz Station in Coswig machen. Es war der Pokal für den Triumph der Pokermanufaktur bei der Deutschen Pokermeisterschaft der Vereine und Veranstalter 2011 in Olpe (Nordrhein-Westfahlen). Leider, so Tietz, war es ein Wanderpokal,. Doch die Erinnerung und die Leidenschaft fürs Pokern bleiben Michael Tietz und seinem Verein für immer erhalten. Neue Mitspieler sind in Coswig übrigens herzlich willkommen.

Denksport Zu Besuch bei der Pokermanufaktur Coswig

Pokern, das ist eine Trendsportart mit immer größer werdender Fangemeinde – auch in Sachsen-Anhalt. In der Pokermanufaktur in Coswig wird seit fünf Jahren gedealt und geblufft. Grund genug, sich dort einmal umzuschauen.

Eine Frau und ein Mann stehen vor einer Sammlung von Pokalen und lächeln in die Kamera
Sabine Janz und Michael Tietz sind regelmäßig dabei, wenn in der Pokermanufaktur Coswig gedealt und geblufft wird. Bildrechte: MDR/Marco Pahl
Eine Frau und ein Mann stehen vor einer Sammlung von Pokalen und lächeln in die Kamera
Sabine Janz und Michael Tietz sind regelmäßig dabei, wenn in der Pokermanufaktur Coswig gedealt und geblufft wird. Bildrechte: MDR/Marco Pahl
Auf einm Regal stehen mehrere Pokale
Janz und Tietz können mit ihren Vereinskollegen schon einige Erfolge vorweisen. Unter anderem gewannen sie 2011 die Deutsche Pokermeisterschaft. Bildrechte: MDR/Marco Pahl
Ein Mann steht vor einer Sammlung von Pokalen und lächelt in die Kamera
Der Vorsitzende der Pokermanufaktur – beim Titelgewinn noch unter dem Namen 1. Coswiger Poker Club – ist stolz auf Erfolge wie diesen. Bildrechte: MDR/Marco Pahl
Eine Frau notiert an einem Pokertisch etwas auf einem Zettel. Neben ihr sitzt ein Mann
Acht Mitglieder hat die Pokermanufaktur. Sie ist Sachsen-Anhalts einziger Pokerverein. Bildrechte: MDR/Marco Pahl
Ein Mann steht an einem Kochtopf und blickt in die Kamera
Wer mehrere Stunden lang konzentriert gegeneinander spielt, braucht zwischendurch einfach eine Stärkung. Bei unserem Besuch sorgte dafür der Vereinsvorsitzende höchstpersönlich.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21.03.2017 | 19:00 Uhr
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21.03.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2017, 19:22 Uhr

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