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Startups in Sachsen-Anhalt Junge Firmen suchen Wege zum Erfolg

Startups gehören zu den innovativsten Unternehmen der Wirtschaft. In Sachsen-Anhalt gibt es zwar nicht viele davon, aber verstecken müssen sie sich vor der Konkurrenz nicht. In Magdeburg und Halle gründen immer mehr junge Menschen ein Startup.

von Marie-Kristin Landes, MDR SACHSEN-ANHALT

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Startups sind Impulsgeber für die Wirtschaft und Pool innovativer Ideen. Doch wer an Startups denkt, denkt nicht an Sachsen-Anhalt. Junge erfolgreiche Gründer, sie werden mit großen Städten wie Berlin oder München in Verbindung gebracht, aber kaum mit Magdeburg oder Halle.

Auch die Zahlen des jährlichen Startup-Monitors vom Bundesverband Deutscher Startups scheinen dies zu bestätigen. So hatten 2016 gerade einmal 1,2 Prozent der befragten Startups ihren Hauptsitz in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit dem Saarland, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen belegt das Bundesland damit einen der letzten Plätze.

Statistiken sind nicht alles

Startup-Schlusslicht Sachsen-Anhalt? Diesen Makel möchte sich das Wirtschaftsministerium nicht anhaften lassen. Es verweist darauf, dass die Datengrundlage des Monitors auf einer Onlinebefragung basiert, die nicht alle Startups erreicht. Aus diesem Grund seien die Daten nicht repräsentativ und würden "keineswegs eine Gründerlandkarte Deutschlands" abbilden, heißt es weiter. Tatsächlich liegen weder dem Bundesverband Deutscher Startups noch dem Wirtschaftsministerium konkrete Zahlen darüber vor, wie viele Startups sich in den vergangenen Jahren in Sachsen-Anhalt gegründet haben. In Deutschland wird keine amtliche Gründungsstatistik erhoben.

Internetseite auf Tablet und Handy
Der Klassiker unter Startup-Gründungen sind Apps. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einer der Gründe: Viele Startups sind längst gegründet – und schlimmsten Falls wieder vom Markt verschwunden – bevor sie sich in das Handelsregister eintragen lassen können. Dem Wirtschaftsministerium bleibt somit nur übrig, auf die Erhebungen der Hochschulen und die Informationen zu geförderten Gründungsprojekten zu setzen. Diese können sich wiederum sehen lassen.

Allein zwischen 2007 und 2013 hat Sachsen-Anhalt, unterstützt durch EU-Fördermittel, 17 Existenzgründungsprojekte an Hochschulen in Höhe von rund 7,7 Millionen Euro gefördert. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sind aus diesen insgesamt 282 Gründungen und konkrete Gründungsabsichten hervorgegangen. Positive Zahlen, die auch der Gründerservice der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bestätigt. Dort nutzen jährlich rund 170 Studierende wie Wissenschaftler das Beratungsangebot, zwischen 15 und 20 Startups werden gegründet.

Startups in Sachsen-Anhalt sind vielfältig

"Die Startup-Szene ist überhaupt nicht düster, wir reden glaube ich nur zu wenig darüber in Sachsen-Anhalt", sagt auch Daniel Worch, Geschäftsführer bei Univations, dem Institut für Wissens- und Technologietransfer der Universität Halle. Neben den klassischen Startups aus der IT- und Kreativbranche, sei Sachsen-Anhalt vor allem bei Life-Science-Projekten stark. Darunter fallen Startups aus den Bereichen Biologie, Chemie und Medizin.

Ein mittelalter Mann mit Brille sitzt in einem dunklen Sakko am Tisch.
Daniel Worch berät junge Gründer bei Univations, einer GmbH der Universität Halle-Wittenberg. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

Zwar gibt Worch zu, dass Magdeburg und Halle einen Vergleich mit Startup-Hochburgen wie Berlin verlieren würden, weil "das die hipperen, die kreativen, die größeren Städte sind". Auch führe die räumliche Nähe zwischen der Hauptstadt und Leipzig zur Abwanderung von Startups. Doch Worch, der ebenfalls Regionalleiter für Sachsen-Anhalt beim Bundesverband Deutscher Startups ist, kann diesem Nachteil etwas Positives abgewinnen. "Ich bin der Meinung wir sollten es umdrehen und sagen: Weil wir zwischendrin sind, haben wir Vorteile."

Gründen in Sachsen-Anhalt hat viele Vorteile

Die Wege zu Terminen in umliegenden Großstädten sind kurz, die Anbindung per Auto oder Bahn ist gut. Hinzu kommen günstige Lebenserhaltungskosten, niedrige Büromieten und eine Vielzahl an Fördermöglichkeiten vom Land. Doch genau hier scheint das eigentliche Problem Sachsen-Anhalts zu liegen. Denn die größte Hürde vieler Startup-Gründer ist es, diese Fördermöglichkeiten überhaupt zu finden, um sie in Anspruch nehmen zu können. So erklärt der Gründerservice der Universität Halle: "Wir nehmen Werbung zu den konkreten Landesförderungen kaum war, da könnte sicherlich mehr passiern."

Vor allem in den Sozialen Netzwerken könnte nach dem Geschmack des Gründerservices mehr geworben werden. Eben dort, wo sich junge kreative Menschen aufhalten und austauschen. Auch das Transfer- und Gründerzentrum der Universität Magdeburg bestätigt, dass es schwierig für einen Gründer sei, die verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten zu überblicken. Allerdings bezweifle man hier, dass eine Kampagne oder Webseite Abhilfe schaffe.

Vielleicht also doch mehr "darüber reden", wie Daniel Worch von Univations findet. Er ist überzeugt: "Wenn wir der Meinung sind, dass in den Gründern die Zukunft liegt, dann müssen wir die Vorteile herausstellen, uns in den Szenen bewegen und dort auf Sachsen-Anhalt aufmerksam machen."

Was ist ein Startup? Unter dem Begriff Startup werden junge Unternehmen verstanden, die mit ihrer Technologie oder ihrem Geschäftsmodell hoch innovativ sind. Sie sind jünger als zehn Jahre und besitzen ein starkes Mitarbeiter- wie Umsatzwachstum. Startups werden vor allem im Bereich der IT- und Kommunikationstechnik, aber auch in den Bereichen Gesundheit, Maschinenbau, Mobilität und Landwirtschaft gegründet.

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2017, 08:39 Uhr

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