Truppenübungsplatz Altmark : Bundeswehr baut Kampfstadt in der Heide
Deutschlandweit schließt die Bundeswehr immer mehr Standorte. Doch in der Altmark baut sie eine ganze Stadt mit Hunderten Häusern, U-Bahn-Schächten und einem Fluss. Und das Ganze nur für einen Zweck: Soldaten sollen hier den Straßen- und Häuserkampf üben. Eine Art Lebensversicherung für die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Die Planungen für das 60-Millionen-Euro-Projekt übernimmt ein Ingenieurbüro aus Oschersleben.
Die Bundeswehr baut ihr Gefechtsübungszentrum in der Colbitz-Letzlinger Heide aus. Wie die Wehrbereichsverwaltung Ost am Mittwoch mitteilte, entsteht auf dem Truppenübungsplatz Altmark eine ganze Stadt mit über 500 Gebäuden, Kellern, Straßen und Kanalisationen. 62 Millionen Euro soll das Ganze kosten. In dem sechs Quadratkilometer großen "Schnöggersburg", so der Name der Phantommetropole, sollen künftig bis zu 1.500 Soldaten gleichzeitig den Städte- und Häuserkampf üben. Damit sollen sie besser auf urbane Kampfszenarien bei Auslandseinsätzen vorbereitet werden.
"So realistisch wie möglich"
"Unser Ziel ist es, so realistisch wie möglich zu üben", erklärte der Leiter des Gefechtsübungszentrums, Oberst Dieter Sladeczek, die Pläne. Deshalb wird es in "Schnöggersburg" neben einer Altstadt auch Hochhäuser, ein Stadion, ein Industriegebiet, einen Bahnhof, einen U-Bahn-Tunnel und eine Stadtautobahn geben. Aber auch ein Elendsviertel und Trümmerlandschaften werden nachgebaut. Sogar ein mehr als 20 Meter breiter Fluss wird künstlich angelegt. "Unsere Einsatzgebiete werden sich künftig immer weiter in die Städte verlagern", sagte Sladeczek. Die Gefahren würden dort in Kanalisationen, auf Häuserdächern und in Gebäuden lauern. Darauf müssten die Soldaten vorbereitet sein, damit sie sich schützen und verteidigen können.
Oscherslebener Büro übernimmt Planungen
Erste Teile der Infrastruktur des sogenannten urbanen Ballungsraums "Schnöggersburg", das nach einem ehemaligen Dorf auf dem Truppenübungsplatz Altmark benannt ist, sollen ab Frühjahr 2013 gebaut werden. Bis 2017 sollen die Arbeiten beendet sein. Der Zeitrahmen sei jedoch flexibel, erklärte die Bundeswehr. Es bestehe die Option, später weitere 30 bis 35 Millionen Euro am Standort zu investieren. Die Planungen für die militärische Übungsstadt werden von einem Unternehmen aus Sachsen-Anhalt ausgeführt. Wie die Bundeswehr MDR 1 RADIO SACHSEN-ANHALT bestätigte, wurde der Großauftrag an das Planungsbüro ICL in Oschersleben vergeben. Der Vertrag werde am Freitag unterzeichnet. Um den Auftrag hatten sich europaweit 19 Firmen beworben.
Modernstes Übungszentrum Europas
Der 40 Kilometer nördlich von Magdeburg gelegene Truppenübungsplatz Altmark ist mit seinen 232 Quadratkilometern nach dem niedersächsischen Bergen und dem bayerischen Grafenwöhr der drittgrößte Truppenübungsplatz Deutschlands. Auf ihm befindet sich mit dem Gefechtsübungszentrum des Heeres das modernste Trainingszentrum seiner Art in Europa. Hier können Soldaten unter realistischen Bedingungen das sogenannte Gefecht der verbundenen Waffen, sprich den kombinierten Einsatz verschiedener Waffengattungen wie Infanterie, Panzer und Artillerie, erproben. Um möglichst realitätsnah zu trainieren, kommt modernste Simulationstechnik zum Einsatz. Die Soldaten üben mit ihren Waffen, aber ohne scharfe Munition. Treffer werden mittels modernster Lasertechnik registriert. Das Gefechtsübungszentrum wird sowohl von der Bundeswehr wie auch von befreundeten Armeen zur Vorbereitung auf Auslandseinsätze genutzt. An 250 Tagen im Jahr herrscht hier Hochbetrieb.
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Truppenübungsplatz Altmark
Die Geschichte des Truppenübungsplatzes Altmark reicht bis in das Jahr 1934 zurück. Damals begann die Wehrmacht damit, das Gelände für eine militärische Nutzung zu erschließen. Zwei Jahre später wurden drei Dörfer abgerissen. An ihrer Stelle entstand eine 30 Kilometer lange Artillerieschießbahn. Bis Kriegsende war das Gelände eine Erprobungsstelle für Artillerie- und Panzerabwehrwaffen. Danach übernahm die Rote Armee das Gebiet. Bis 1994 waren auf dem Truppenübungsplatz im Norden Sachsen-Anhalts zeitweise bis zu 20.000 sowjetische Soldaten stationiert. Nach dem Abzug der Sowjets begann die Bundeswehr damit, den Truppenübungsplatz von Altmunition zu beräumen und für eigene Zwecke nutzbar zu machen. So wurde in Letzlingen die heutige Altmark-Kaserne errichtet und das Gefechtsübungszentrum des Heeres aufgebaut.


