Region Stendal

Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe : Gräber von KZ-Opfern geschändet

In der Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe bei Gardelegen sind mehrere Gräber geschändet worden. Wie die Polizei mitteilte, beschädigten Unbekannte in der Nacht zum Donnerstag insgesamt 18 Ruhestätten von NS-Opfern. Demnach rissen die Täter metallene Grabmarkierungen, Kreuze und Schilder mit Buchstaben ab und ließen sie auf dem Gelände liegen. Danach suchten sie das Weite. Einige der abgerissenen Kreuze trugen Davidsterne.

Von Tätern fehlt jede Spur

Gräberfeld mit weißen Kreuzen in der Gedenkstätte Isenschnibbe bei Gardelegen (Sachsen-Anhalt).
Mehr als 1.000 Kreuze und Davidsterne erinnern in Isenschnibbe an die Opfer des Massakers von 1945.

Die Polizei vermutet, dass die Täter bei der Schändung der Mahn- und Gedenkstätte gestört worden sein könnten und deshalb ihr Zerstörungswerk vorzeitig abbrachen. Trotz umfassender Untersuchungen am Tatort und des Einsatzes eines Fährtenhundes fehlt von den Tätern bisher jede Spur. Der Staatsschutz ermittelt. Die Polizei hat die Bürger zur Mithilfe aufgerufen: Wer in der Nacht zum Donnerstag im Umfeld der "Isenschnibber Feldscheune" verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen hat, könne das beim  Revierkommissariat Gardelegen (Tel. 03907 7240) oder im Polizeirevier Salzwedel (Tel. 03901 8480) anzeigen, teilte die Polizei mit.

Über 1.000 KZ-Häftlinge ermordet

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, am 13. April 1945, waren in der Isenschnibber Feldscheune vor den Toren von Gardelegen mehr als 1.000 KZ-Häftlinge ermordet worden. Sie waren zuvor in mehreren Todesmärschen aus KZ-Lagern in die Altmarkstadt gekommen. Weil die Gefangenen aufgrund der näher rückenden Front nicht mehr abtransportiert werden konnten, wurden sie in die Feldscheune bei Isenschnibbe gesperrt und bei lebendigem Leibe verbrannt oder erschossen.  Die am nächsten Tag eintreffenden US-Amerikaner zwangen Einwohner von Gardelegen dazu, die Leichen zu begraben. Der Friedhof für die Opfer von Isenschnibbe erhielt zunächst den Status eines Militärfriedhofs und wurde später zur Gedenkstätte ausgebaut.

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2012, 16:32 Uhr

2. Andrea Arnold:
Ich finde so eine Grabschändung auch.... ohne Worte, ich habe mir mal die mahn und Gedenkstätte angesehen und da lief mir schon ein Graul über die Schultern, wie viele Menschen gestorben sind. Diese Leute müßten mit Bergwerk bestraft werden, aber leider gibt es das ja nicht mehr!
25.10.2012
20:22 Uhr
1. Agnes:
Wer schon einmal Bildaufnahmen von den Opfern dieses Verbrechens gesehen hat, der hat diese jetzt wieder vor Augen und ihn packt die kalte Wut über diese Schändung. Vielleicht waren es ja "nur" Metalldiebe. Die schrecken ja auch vor nichts zurück. Hoffentlich bekommt man dieses Pack zu fassen.
25.10.2012
16:09 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK