Ein ehemaliger Wachturm auf einer Wiese
Die alten Grenzanlagen sind zu einem großen Teil abgebaut oder überwachsen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Biotop an früherer DDR-Grenze Naturschützer kaufen "Grünes Band"

Die ehemalige innerdeutsche Grenze ist 1.400 Kilometer lang – und bildet ein einzigartiges Biotop, seit die Natur sich den Grenzstreifen zurückgeholt hat. Ein Drittel der Fläche gehört Privatleuten. Naturschützer versuchen, die Grundstücke aufzukaufen.

Ein ehemaliger Wachturm auf einer Wiese
Die alten Grenzanlagen sind zu einem großen Teil abgebaut oder überwachsen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das "Grüne Band" schlängelt sich 400 Kilometer an Sachsen-Anhalts westlicher Grenze entlang. Der frühere DDR-Grenzstreifen ist Heimat vieler seltener Tiere und Pflanzen geworden, seit hier keine Soldaten mehr patroullieren; seit die Minen entschärft und der Stacheldraht abgebaut wurde. Die Flächen des "Grünen Bandes" sind zu etwa einem Drittel in pivater Hand. Naturschützer versuchen, die Grundstücke zu kaufen oder einzutauschen.

Ein Mann steht im Freien
Landwirt Marko Gabriel verhandelt mit dem BUND. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Flächen zu tauschen ist auch unter Landwirten gängige Praxis. Landwirt Marko Gabriel aus Ritzleben in der Altmark etwa verhandelt mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) über einen Verkauf seiner Flächen. Er hat bereits Erfahrung mit diesem Modell: "Es ist auch deshalb eine gute Zusammenarbeit, weil wir zu einem vernünftigen Kurs diese Flächen pachten können", meint er.

Auch nach dem Verkauf oder einem Tausch würde das Gelände bewirtschaftet – allerdings schonender, etwa in dem die Wiesen nicht gemäht, sondern abgeweidet werden.

Bedeutung für den Artenschutz

Die ehemalige innerdeutsche Grenze dargestellt auf einer Karte
Der Verlauf des "Grünen Bandes" an der ehemaligen DDR-Grenze. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Wir brauchen diesen Biotop-Verbund, um auch hier in Deutschland die Artenvielfalt zu erhalten", erklärt Dieter Leupold vom BUND Sachsen-Anhalt. Die Umweltorganisation hat das insgesamt 1.400 Kilometer lange "Grüne Band" zu einem der größten zusammenhängenden Naturschutzprojekte Deutschlands entwickelt.

Die Reihe der Biotope reicht von der Ostsee durch die Altmark, den Harz, die Rhön, über den Thüringer Wald bis ins Vogtland. Die Lücke, die der BUND in Sachsen-Anhalt noch schließen will, ist etwa 100 Kilometer breit. Hier sind die Flächen in privater Hand. Doch die Naturschützer sehen sich nicht als Konkurrenten der Eigentümer, sondern wollen Geschäftspartner sein.

Es muss klar sein, dass Naturschutz für die Landwirte auch ökonomisch eine Alternative darstellt.

Dieter Leupold, BUND Sachsen-Anhalt

Der BUND versucht, Land- und Viehwirte wie Marko Gabriel als Mitstreiter zu gewinnen. Doch das könne nur gelingen, wenn die Bundesrepublik verlässliche Rahmenbedingungen schaffe. Dieter Leupold fordert "Förderprogramme, die nicht nach wenigen Jahren enden."

Die Bundesregierung unterstützt das Vorhaben der Naturschützer. Das bisher laufende Förderprogramm ist auf fünf Jahre angelegt. Wie und ob die finanzielle Förderung danach fortgeführt wird, konnte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT nicht sagen.

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Dieses Thema im Programm MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15.08.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/rj

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2017, 21:59 Uhr

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