Sachsen-Anhalt

3. Oktober : Haseloff zum Tag der Deutschen Einheit in München und Prag

Sachsen-Anhalt hat den Tag der Deutschen Einheit mit vielen verschiedenen Veranstaltungen gefeiert. In Marienborn wurde mit einem ökumenischen Gottesdienst an der Gedenkstätte Deutsche Teilung an die Wiedervereinigung vor 22 Jahren erinnert. Er stand unter dem Motto "In Grenzen leben". Eine Sprecherin der Gedenkstätte sagte, im Mittelpunkt der Feier habe diesmal die Erinnerung an den Beginn des Grenzausbaus und die ersten Zwangsumsiedlungen vor 60 Jahren in der DDR gestanden. Die Predigt an den einstigen Kontrollstellen hielt der evangelische Pfarrer Michael Schwarzkopf aus Frauenwald in Thüringen. Er war seit den 1980er-Jahren in der DDR-Oppositionsbewegung aktiv, unter anderem in der Region Magdeburg.

Die Gedenkstätte bot zudem Führungen an, bei denen auch Bereiche besichtigt werden konnten, die sonst nicht zugänglich sind. Die Grenzübergangsstelle zwischen Marienborn in Sachsen-Anhalt und Helmstedt in Niedersachsen war die größte innerhalb Deutschlands. Seit Oktober 1990 stehen die ehemaligen Grenzabfertigungsanlagen unter Denkmalschutz.

Sternwanderung zum Brocken

Zur traditionellen Einheitsfeier auf dem Brocken richtet Harzklubmitglied Wolfgang Grave am 03.10.2011 die Landesfahnen von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.
Der Harzklub trifft sich mit seinen Wanderfreunden aus Ost und West auf dem Brocken.

In Magdeburg gab es zum Tag der Deutschen Einheit ein Rathausfest. Am Vormittag konnten sich Besucher im Bürgerhaus umsehen, aber auch Probleme vortragen. Die Gäste des Rathauses konnten zudem mit Vertretern der Partnerstädte ins Gespräch kommen.

Der Harzklub lud zur traditionellen Sternwanderung auf den Brockengipfel ein. Zusammen mit den Zweigvereinen auf der West- und Ostseite des Harzes nutzten die Mitglieder den 3. Oktober, um gemeinsam zu feiern.

In Haldensleben wurde bereits am Dienstag die Ausstellung "Der Kalte Krieg. Kurze Geschichte in einer geteilten Welt" eröffnet. Sie zeigt, wie Polen die Konfrontation zwischen den beiden deutschen Staaten erlebt hat.

Zentraler Festakt in München

Ministerpräsident Reiner Haseloff war zum Tag der Deutschen Einheit nicht in Sachsen-Anhalt, sondern in München, wo die zentralen Feierlichkeiten stattfanden. Zu seiner Delegation gehörten 15 Frauen und Männer, die sich in besonderer Weise ehrenamtlich engagieren.

Haseloff forderte die Ostdeutschen auf, selbstbewusster aufzutreten. Sie könnten auf ihre Leistungen stolz sein. So würden immer mehr Ostdeutsche inzwischen Führungspositionen in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung besetzen. Er wies zugleich darauf hin, dass Vergleiche zwischen Ost und West die Wirklichkeit verzerrten. Die Unterschiede zwischen Nord und Süd entwickelten sich viel stärker. Daher seien neue Maßstäbe notwendig.

Nach dem Festakt in München reiste Haseloff nach Prag weiter. Er nahm dort am Abend an einem Empfang des Landes Sachsen-Anhalt und der Deutschen Botschaft teil.

Unterschiede noch immer vorhanden

Die mitteldeutsche Bischöfin Ilse Junkermann mahnte zum Tag der Deutschen Einheit mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft an. Junkermann sagte, die wachsende Schere zwischen Reich und Arm und die Unterschiede zwischen Ost und West gefährdeten den Frieden in der Gesellschaft. Junkermann rief die Politik zum beherzten Gegensteuern auf. Der 3. Oktober sei ein Tag großer Freude vor allem darüber, dass die deutsche Wiedervereinigung in Frieden gestaltet werden konnte und viele Menschen eine friedliche Revolution gewagt hätten.

Die Linke in Sachsen-Anhalt bewertet den Tag der Deutschen Einheit zurückhaltender. Landeschefin Birke Bull sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es könne niemanden zufriedenstellen, dass im Osten Renten und Einkommen niedriger seien als im Westen. Zudem gebe es in Ostdeutschland zu viele gebrochene Biografien, auch die Lebensleistung vieler Menschen werde zuwenig anerkannt. Bull fügte hinzu, Sachsen-Anhalt sei ein Niedriglohnland. Junge Fachkräfte würden deshalb abwandern.

Nationaler Gedenktag seit 1990

Am 3. Oktober 1990 traten Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen dem Bundesgebiet bei. Das Datum war im deutschen Einigungsvertrag festgelegt worden. Seither ist der 3. Oktober nationaler Gedenktag und gesetzlicher Feiertag. Die zentrale Feier wird immer von dem Land ausgerichtet, das den Vorsitz im Bundesrat hat. 2012 ist es Bayern, gefeiert wird in München. Von 1954 bis 1990 wurde in der Bundesrepublik der 17. Juni in Erinnerung an den Volksaufstand in der DDR im Jahr 1953 als "Tag der Deutschen Einheit" begangen. 2004 wollte die Bundesregierung den Nationalfeiertag jeweils auf den ersten Sonntag im Oktober verlegen, da Feiertage an Werktagen zu Steuereinnahmeverlusten führen. Doch der Plan scheiterte am Widerspruch des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler.

Zuletzt aktualisiert: 03. Oktober 2012, 22:28 Uhr

1. Ein Wolfner:
Herr Haseloff Nur zur Erinnerung; "Sachsen Anhalt" steht im Ländervergleich ganz hinten, auch Sie konnten dies nicht ändern.
03.10.2012
20:12 Uhr

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