Sachsen-Anhalt

Misshandlung von Kleinkindern : Erbrochenes zum Essen - Magdeburger Tagesmütter angeklagt

Der Skandal um zwei Magdeburger Tagesmütter, die ihre Schützlinge gezwungen haben sollen, Erbrochenes zu essen, wird möglicherweise ein Fall für das Gericht. Eine Sprecherin der Magdeburger Staatsanwaltschaft sagte am Donnerstag, es sei Anklage gegen die 52 und 28 Jahre alten Frauen erhoben worden. Ihnen werde die Misshandlung von Schutzbefohlenen und Körperverletzung vorgeworfen. Nach Angaben des Magdeburger Landgerichts steht allerdings noch kein Prozesstermin fest. Ein Sprecher sagte, die Kammer prüfe derzeit die Eröffnung der Hauptverhandlung. Zu den Vorwürfen selbst wollte er sich nicht äußern. Bei den Frauen soll es sich um Mutter und Tochter handeln.

Fall sorgte für Empörung

Babyschnuller
Den beiden Frauen wird die Misshandlung Schutzbefohlener vorgeworfen.

Der Fall hatte im Oktober für einen Aufschrei der Empörung gesorgt. Medienberichten zufolge sollen die beiden Tagesmütter zwischen Juni 2009 und Oktober 2011 mehrere Kleinkinder gezwungen haben, ihr eigenes Erbrochenes zu essen. Außerdem sollen sie ihren Schützlingen nasse Windeln ins Gesicht gedrückt haben. Der Fall war ins Rollen gekommen, nachdem drei junge Frauen, die als Aushilfen für die Tagesmütter gearbeitet hatten, das Jugendamt informierten. Dabei war auch bekannt geworden, dass das Jugendamt selbst bereits Monate zuvor erwogen hatte, den beiden Frauen die Pflegeerlaubnis zu entziehen. Das Verwaltungsgericht Magdeburg soll dies jedoch verhindert haben. Einem Gerichtsbeschluss zufolge, durfte dies erst im Fall einer Verurteilung geschehen.

Reaktionen auf Vorwürfe

Sachsen-Anhalts Sozialminister Norbert Bischoff hatte als Reaktion auf den vermeintlichen Skandal vorgeschlagen, Tagesmütter künftig enger mit Kindertagesstätten zusammenarbeiten zu lassen. Diese könnten zugleich gewisse Funktionen bei der Weiterbildung von Tagesmüttern übernehmen, erklärte der SPD-Politiker. Der Kinderschutzbund Sachsen-Anhalts hatte den Vorschlag begrüßt und zugleich darauf verwiesen, dass es sich bei dem genannten Beispiel um einen Einzelfall handle.

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2013, 17:29 Uhr

3. Tagesmutti Tante Heidi:
Ich bin selber seit 2009 Tagesmutter, bin jedes Mal über solche Meldungen sehr erschrocken. Man kann doch den kleinsten Mitgliedern unserer Gesellschaft so etwas nicht antun. Mit diesen Menschen müßte man dasselbe tun, was sie den Kindern angetan haben. Diese Tagesmütter sind für mich dann sehr fehl an ihrem Platz und sollten lieber andere Tätigkeiten ausüben, als sich um kleine Schutzbefohlene zu kümmern. Bin wiedermal sehr entrüstet, es wirft ein schlechtes Licht auf die Tagesmütter, das kann es doch nicht sein. Ich bin mit Leib und Seele Tagesmutter. Diese Tätigkeit muß als Berufung gesehen werden, wenn man es nur damit verbindet Geld zu verdienen, dann passiert so etwas, wahrscheinlich, leider immer wieder.
17.01.2013
19:19 Uhr
2. gitte:
Ich kenne in meinem Wohngebiet einige Tagesmütter, sogar einen Tagesvater und sehe, wie liebevoll und geduldig sie mit ihren kleinen Spatzen umgehen. Nur Schuldzuweisungen piepen mich langsam an. Wer war dabei? Und wenn angeblich: sagt derjenige die Wahrheit... Bevor ein Aufschrei der Empörung erfolgt: ich habe Enkel!
17.01.2013
17:09 Uhr
1. Kerstin:
Wenn ich so etwas schon lese.... "Wird möglicherweise ein Fall für das Gericht" Hallo das ist Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen. Das Jugendamt sollte gleich mit angeklagt werden. Vorallem wie kann man sich das als Jugendamt so lang mit ansehen und nichts dagegen tun? Für was gibt es ein Jugendamt? Um etwas in Erwegung zu ziehen ist das Jugendamt echt zu teuer. Aus eigener Erfahrung weiß ich leider, dass das Jugendamt eh nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind und nicht auf das anderer.
17.01.2013
13:55 Uhr

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Was macht eine Tagesmutter?

Tagesmütter kümmern sich um die Betreuung von Kindern unter drei Jahren. In der Regel betreut eine Tagesmutter eine kleine Gruppe bei sich zu Hause oder im Haushalt der Eltern. Nach Angaben des Bundesverbandes für Kindertagespflege brauchen die Frauen zur Ausübung eine Erlaubnis, die vom Jugendamt erteilt wird. Voraussetzung seien eine entsprechende Qualifikation, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitsnachweis.

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