Arzt Dr. med Hanno Klemm von der Malteser Migranten Medizin behandelt einen Jungen aus Guinea Aequatorial in der Praxis des Malteser Hilfsdienst in Berlin.
Ärzte, die bei Asylsuchenden Infektionskrankheiten feststellen, melden diese den Gesundheitsämtern. Bildrechte: IMAGO

Fragen und Antworten Keine erhöhte Infektionsgefahr durch Asylsuchende

Am 31. August 2015 sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Satz: "Wir schaffen das!" Er wurde zum Symbol für die deutsche Flüchtlingspolitik. Zwei Jahre nach diesen berühmten und polarisierenden Worten zieht MDR SACHSEN-ANHALT Bilanz und klärt auf: Bringen Asylsuchende tatsächlich Krankheiten mit nach Deutschland? Warum für die einheimische Bevölkerung keine Gefahr besteht, erklärt MDR SACHSEN-ANHALT mit sechs Fragen und Antworten.

Arzt Dr. med Hanno Klemm von der Malteser Migranten Medizin behandelt einen Jungen aus Guinea Aequatorial in der Praxis des Malteser Hilfsdienst in Berlin.
Ärzte, die bei Asylsuchenden Infektionskrankheiten feststellen, melden diese den Gesundheitsämtern. Bildrechte: IMAGO

Bringen Asylsuchende Krankheiten mit nach Deutschland?

Grundsätzlich treten in jedem Land Infektionskrankheiten unterschiedlich häufig auf. Demzufolge werden bei Asylsuchenden öfter Krankheiten beobachtet, die in Deutschland nicht so verbreitet sind. Ein Beispiel dafür ist Tuberkulose. Um eine Weiterverbreitung möglichst zu unterbinden, ist es deshalb nach Paragraf 62 des Asylgesetzes vorgeschrieben, dass Asylsuchende in Deutschland ab dem 15. Lebensjahr bei der Aufnahme in eine Gemeinschaftsunterkunft geröntgt werden. So können Menschen mit offener Lungentuberkulose identifiziert und von den gesunden Menschen isoliert behandelt werden.

Ja, Asylsuchende bringen zwar auch Krankheiten mit nach Deutschland, insgesamt machen ihre Fälle von meldepflichtigen Krankheiten jedoch nur einen Bruchteil aller Fälle in der Bevölkerung aus:

Von gesamt 1.668 Infektionskrankheiten, die 2017 bei Asylsuchenden festgestellt wurden, wurden lediglich vier Prozent (68 Fälle) in Sachsen-Anhalt gemessen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in einer mehrjährigen Analyse der Meldedaten von Infektionskrankheiten in Asylunterkünften zudem Hinweise gefunden, dass die Asylsuchenden sich in vielen Fällen erst in Deutschland angesteckt haben, also eher eine gefährdete Gruppe sind und nicht eine, von der für andere Gefahren ausgehen.

Welche Krankheiten sind das?

Eine oftmals strapaziöse Reise nach Deutschland, fehlende Impfungen und die räumliche Situation in Aufnahmeeinrichtungen können laut RKI dazu führen, dass Asylsuchende schneller an Infekten erkranken – beispielsweise Magen-Darm-Infekte oder Grippe. Des Weiteren sind Fälle bekannt von Windpocken, Tuberkulose, Hepatitis, Rota- und Norovirus-Infektionen sowie einige Masern-, Mumps- und Salmonellen-Infektionen und auch Malariafälle. Sehr selten sind hingegen schwerwiegende Krankheiten wie Läuserückfallfieber oder Typhus.

Besteht Gefahr für die Bevölkerung?

Die Experten des RKI sehen momentan "keine relevante Infektionsgefährdung der Allgemeinbevölkerung durch Asylsuchende". Vor allem dann nicht, wenn alle Menschen sich regelmäßig entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission impfen lassen.

Wie werden die Krankheitszahlen bei Asylsuchenden erhoben?

Im Infektionsschutzgesetz sind eine Reihe von Krankheiten und Krankheitserregern festgehalten, die – sobald entdeckt – dem jeweiligen Gesundheitsamt und von da dem RKI gemeldet werden müssen. Am 25. September 2015 wurden alle deutschen Gesundheitsämter angewiesen, bei Asylsuchenden zusätzlich Angaben zu übermitteln, sofern sie vorhanden sind. Die Meldesoftware, die zur Übertragung der Daten verwendet wird, verfügt beispielsweise über eine eigene Vorlage für "Angaben bei Asylsuchenden". So soll eine Zuordnung der Krankheitsfälle einfacher möglich sein.

Welche Schwierigkeiten gibt es bei Ermittlung der Krankheitszahlen?

Die Gesundheitsämter können Krankheitsfälle bei Asylsuchenden nur an das RKI übermitteln, wenn beispielsweise ein Arzt, der bei einem Asylsuchenden eine Grippe-Erkrankung feststellt, bei seiner Meldung auch angibt, dass der Patient ein Asylsuchender ist. Erfolgt diese Zuordnung nicht, taucht die Meldung beim RKI zwar als Grippeerkrankung auf – jedoch ohne Zusatz, dass ein Asylsuchender erkrankt ist. Des Weiteren unterscheiden sich die Aufnahmeuntersuchungen in den Gemeinschaftsunterkünften von Bundesland zu Bundesland. Einige Länder testen zusätzlich zur gesetzlich vorgeschriebenen Tuberkulose-Untersuchung auch noch auf andere Krankheiten, andere Länder wiederum nicht.

Können Asylsuchende einfach so zum Arzt gehen?

Nein. Sie müssen sich vorher von der zuständigen kommunalen Behörde nach dem Asylbewerberleistungsgesetz einen Behandlungsschein ausstellen lassen. Laut Koalitionsvertrag sollte eine "Asylbewerberkarte", ein Pendant zur Karte von Krankenkassen, kommen. Sie sollte ermöglichen, dass Asylsuchende unkomplizierter Medizinische Hilfe in Anspruch nehmen können. Voraussetzung war, dass Haushaltsmittel vorhanden sind, was 2017/2018 allerdings nicht der Fall war. Weil die Flüchtlingszahlen zurückgehen, diskutieren die Abgeordneten mittlerweile, ob eine solche Karte überhaupt noch gebraucht wird.

Mehr zum Thema

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN ANHALT HEUTE | 27. August 2017 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28.08.2017 | 12:00 Uhr

Quelle: MDR/mm/ff/as

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2017, 08:03 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

14 Kommentare

02.09.2017 02:06 Dada 14

Wo kommen dann aber auf einmal schon längst ausgerottete Krankheiten wie Masern, Keuchhusten, Tbc und und und wieder her?

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

Das liegt nicht an Flüchtlingen, sondern einer immer größer werdenen Impflücke. Stichwort: Impfgegner. Ein Problem, dass nicht erst seit zwei Jahren, sondern schon länger besteht.

01.09.2017 21:33 GregorSamsa 13

Die Halbwertszeit dieser Positivmeldungen ist bekanntlich seit 2015 drastisch gesunken. Meine persönliche Schätzung ist, spätestens zum Jahresende wird die Korrektur erfolgen, dass analog zum Kriminalitätsanstieg durch Migranten auch die Infektionshäufigkeit leider politisch motiviert etwas geschön wurde im September 17.

01.09.2017 15:58 Räudiger Hund 12

@4. [Volkserzieher]:
Index 0.24! Beschäftigen Sie sich doch bitte etwas mehr mit dieser Materie, ehe Sie hier eine Meinung dazu vom Stapel lassen!

01.09.2017 07:29 Hegedorn4 11

Angst macht mir eher eine ganz andere "Krankheit": Die nennt sich Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

31.08.2017 21:55 Henning 10

31.08.2017 10:45 HERBERT WALLASCH, Pirna
Aus genau diesem Grund werden die meisten Studien von der Bertelsmann Stiftung erstellt.

31.08.2017 15:09 mattotaupa 9

oh mann, da kommen ärzte und das rki zu wort ... fachleute wie man gemeinhin sagt aber "das volk" mag die aussagen nicht, ignoriert sie einfach und behauptet der einfachheit halber das gegenteil. die einen haben zahlen, die anderen das bauchgefühl des laien. man könnte sagen, daß schnee weiß ist, "das volk" würde behaupten, daß bei ihnen immer nur gelber schnee vor der tür läge und es daher gar keinen weißen schnee geben könne. @#4: "Wer bestellt, der bezahlt die Statistik, will also auch eine konkrete Linie verfogen," ... korrekt ... "...hier eine Politische . " ... unterstellung, gäbe da noch wissenerwerb, aufgabenerfüllung (insbesondere beim rki) oder einfach aufklärung (auch wenn das offensichtlich total sinnlos ist, weil wissenschaft und fakten immer schon von (aber- oder irr-)glaube ausgebremst wurden, weil nachdenken anstrengend und einfache erklärungen verlockend sind)

31.08.2017 13:40 Wo geht es hin? 8

Zitat aus dem Artikel: "Die Gesundheitsämter können Krankheitsfälle bei Asylsuchenden nur an das RKI übermitteln, wenn beispielsweise ein Arzt, der bei einem Asylsuchenden eine Grippe-Erkrankung feststellt, bei seiner Meldung auch angibt, dass der Patient ein Asylsuchender ist. Erfolgt diese Zuordnung nicht, taucht die Meldung beim RKI zwar als Grippeerkrankung auf – jedoch ohne Zusatz, dass ein Asylsuchender erkrankt ist." Zitat Ende. Dieses Zitat ist doch ein eindeutiger Hinweis auf die Belastbarkeit der "Studie". Der Reisswolf sollte Arbeit bekommen...

31.08.2017 13:15 Gehts noch 7

Das es nur diese eine Antwort geben kann, war 100% klar. Wie schon 4@ HERBERT WALLASCH, Pirna geschrieben hat. Wer eine Statistik, Gutachten usw. irgendwo bestellt und bezahlt, erwartet auch, dass diese in seinem Sinne ausfällt. Schade um den Platz MDR-DE, den Sie für diesen Artikel frei gehalten haben.

31.08.2017 12:50 Hor Es Te 6

Alles gut , keine Probleme, Leute was ihr sagt und denkt das grenzt ja fast an Hetze. Auch hier im bericht wird doch wieder " nachgeweisen " das das alles nicht so stimmt was die blöde bevölkerung da so raushaut und empfindet.Achja mal Meister Google und das auswärtige Amt bemühen wenn ihr genau in die Länder oder angrenzende Länder Urlaub machen wollt welche Impfungen ihr benötigt.Ja sonst kommt ihr da nicht hineien bzw. wenn ihr Euch doch eine dieser aufgeführten Krankheiten abholt ? na dann aber. Achja sind all diese neuengekommenden Asylbewerber gegen diese Krankheiten schon geimpft oder wird das dann mit den Versicherungsleistungen der einzahlenden in Deutschalnd " bereinigt " ?

31.08.2017 12:16 Mediator 5

Also manchmal kann man nur den Kopf bei den ignoranten Kommentaren hier schütteln.
Wenn Fachleute eine Aussage treffen, aus der sich nicht der drohende Untergang unseres Landes durch Flüchtlinge herbeireden lässt, dann sind diese Fachleute einfach nicht kompetent, haben ihre Untersuchungen und Statistiken gefälscht und handeln im Auftrag der Regierung an einem Vertuschungsprogramm mit. Vermutlich erreicht man diesen Teil der Bevölkerung mit keinem Argument mehr, dass nicht deren zementierte Vorurteile bestätigt.
68 gemeldete Fälle von Infektionskrankheiten bei Flüchtlingen in Sachsen sind ja auch furchtbar gefährlich. Die Statistiken des RKI sind übrigens monatlich abrufbar und so schreckliche Krankheiten wie Windpocken, Hepatitis und Tuberkulose, die waren ja in Deutschland vor den Flüchtlingen völlig unbekannt. In ST hat es 2017 in der KW 1-30 insgesamt 82 meldepflichtige Infektionskrankheiten gegeben. 3 bei Flüchtlingen.
Von was handelte noch einmal der Roman "Zauberberg"?