Ein Flüchtling arbeitet an einem Werkstück
Flüchtlinge gehen vor allem einer Beschäftigung in der Zeitarbeit nach. Bildrechte: dpa

Fragen und Antworten Wie Flüchtlinge eine Arbeit finden

Am 31. August 2015 sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Satz: "Wir schaffen das!". Er wurde zum Symbol für die deutsche Flüchtlingspolitik. Zwei Jahre nach den polarisierenden Worten zieht MDR SACHSEN-ANHALT Bilanz. Fünf Fragen und Antworten zur Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt.

Ein Flüchtling arbeitet an einem Werkstück
Flüchtlinge gehen vor allem einer Beschäftigung in der Zeitarbeit nach. Bildrechte: dpa

Wie viele Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt leben von ihrer eigenen Arbeit?

Etwa zehn Prozent der erwerbsfähigen Flüchtlinge haben einen Job. Nach Angaben des Ministeriums für Arbeit und Soziales sind 18.000 Flüchtlinge im Land erwerbsfähig. 1.800 von ihnen haben eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und sind vorwiegend über Zeitarbeitsfirmen in Gastronomie sowie Gesundheits- und Sozialwesen tätig.

Mindestens 60 Prozent dieser 1.800 Arbeitnehmer in Sachsen-Anhalt hatten bei Ankunft einen anerkannten Schulabschluss, ein Viertel verfügte über akademische Bildung. Weitere 600 Flüchtlinge sind geringfügig beschäftigt. Insgesamt leben in Sachsen-Anhalt rund 34.000 Flüchtlinge, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge inbegriffen. Die Menschen kommen vor allem aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Somalia, Nigeria, Irak, Iran und Pakistan.

Warum arbeitet der Großteil der Flüchtlinge und Asylbewerber in Sachsen-Anhalt nicht?

Bisher arbeiten rund 83 Prozent der Flüchtlinge und Asylbewerber im Land nicht. Bei zwei Dritteln kommen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit lediglich Helfertätigkeiten infrage, weil ein Mangel an Deutschkenntnissen besteht oder Berufsabschlüsse fehlen. Das erschwert die Integration. So befinden sich aktuell zum Beispiel 6.800 Menschen in Qualifizierung oder Sprachkursen. Arbeitslos gemeldet sind 4.700 der Flüchtlinge. Eine Arbeitsaufnahme in Deutschland ist zudem an Bedingungen geknüpft.

Unter welchen Voraussetzungen dürfen Flüchtlinge in Deutschland arbeiten?

Grundsätzlich spielt der Status von Geflüchteten eine Rolle dabei, inwiefern eine Arbeit aufgenommen werden darf. Anerkannten Flüchtlingen stehen alle Wege auf dem Arbeitsmarkt offen. Asylbewerber dürfen nach drei Monaten arbeiten – allerdings nur solange, bis über ihren Asylantrag entschieden wurde. Die Arbeitsaufnahme muss hier in einer Einzelfallprüfung von der Ausländerbehörde genehmigt werden, ebenso bei Geduldeten. Formal ist zudem die Bundesagentur für Arbeit hinzuzuziehen, um zu prüfen, ob für den angestrebten Job kein deutscher Staats- oder EU-Bürger oder anerkannter Flüchtling am Arbeitsmarkt verfügbar ist.

Bei dieser sogenannten Vorrangprüfung der Bundesagentur für Arbeit gibt es seit 2016 allerdings eine Neuerung: In 133 von 156 Agenturbezirken wurde sie befristet auf drei Jahre ausgesetzt – Sachsen-Anhalt eingeschlossen. Asylbewerber oder Geduldete können damit für diesen Zeitraum leichter Arbeit aufnehmen. In einer entsprechenden Mitteilung des Bundesarbeitsministeriums hieß es, die regionale Arbeitsmarktlage sei angemessen berücksichtigt worden.

Eine generelle Ausnahme gilt für Hochqualifizierte, die keine Zustimmung der Arbeitsagentur benötigen, um zu arbeiten – sie erhalten ihre Arbeitserlaubnis von der Ausländerbehörde. Ebenso stehen bestimmte Beschäftigungsarten frei, darunter Praktika und Berufsausbildungen.

Auch bei der Leiharbeit gab es zuletzt Lockerungen: Das generelle Leiharbeitsverbot für Asylbewerber und Geduldete entfällt nach drei Monaten, sofern es sich bei dem Arbeitnehmer um eine Fachkraft handelt. Für geringer qualifizierte Kräfte ist der Zugang zur Leiharbeit erst nach 15 Monaten möglich. In den meisten Regionen gilt die Aufnahme einer Leiharbeit ohne Vorrangprüfung durch die Arbeitsagentur als zulässig.

Asylbewerber aus als sicher eingestuften Herkunftsstaaten haben ein Beschäftigungsverbot. Sie dürfen auch keine Ausbildung aufnehmen.

Welche Ausbildungen und Qualifikationen haben Asylbewerber genau?

Seit Oktober 2015 werden bei Erstaufnahme der Flüchtlinge Bildungsabschlüsse und berufliche Qualifikation erfasst. Nach Zahlen der Bundesregierung haben demnach rund 19 Prozent der Asylbewerber in Deutschland eine Hochschule oder eine berufliche Bildungseinrichtung besucht. Nach eigenen Angaben sind rund 37 Prozent an eine weiterführende Schule gegangen, 31 Prozent an eine Mittelschule. Dabei gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Herkunftsländern: Syrer und Iraner bringen häufig eine bessere Bildung mit. Das geht aus der so genannten IAB-BAMF-SOEP-Befragung hervor, einer Studie zur Lebenssituation von Geflüchteten, die jährlich erarbeitet wird.

Die Daten zur Ausbildung werden auf dem Flüchtlingsausweis vermerkt und in eine Datenbank eingegeben. Sie sollen damit allen beteiligten Behörden zur Verfügung stehen. Es gibt Möglichkeiten für Asylbewerber, ihre Abschlüsse in Deutschland anerkennen zu lassen.

Wie hoch sind die Kosten für die Integration in den Arbeitsmarkt?

Bei der Integration in den Arbeitsmarkt fallen Kosten für berufsbezogene Deutschkurse an. 2017 stehen dafür laut Bundesregierung 430 Millionen Euro bereit – zusätzlich zu noch fließenden Geldern vom Europäischen Sozialfond (ESF). Der Bund übernimmt diese Aufgabe vom ESF zum Jahresende komplett.

Wie hoch die Kosten sind, die insgesamt für die Integration von Geflüchteten in den deutschen Arbeitsmarkt aufzubringen sind, lässt sich nicht pauschal sagen. Indikator ist eine Integrationspauschale, auf die sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs der Länder geeinigt haben, um Mehrkosten in den Kommunen auszugleichen: Demnach zahlt der Bund den Ländern jährlich zwei Milliarden Euro, sprich für 2016 ist das Geld bereits geflossen, 2017 und 2018 folgen – wobei es Mitte 2018 die Verhandlungen für eine Anschlussregelung geben soll.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 28. August 2017 | "Fakt Ist" I 22:05 Uhr

Quelle: MDR/mg/sp

Zuletzt aktualisiert: 28. August 2017, 15:57 Uhr

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21 Kommentare

30.08.2017 13:44 Dorfbewohner 21

Noch zu Jana 18

“@Dorfbewohner 17
Zunächst sollte man sich einmal klar machen, dass Deutschland nicht der Nabel der Welt ist und naturgemäß sind z.B. auch gebildete und politikinteressierte Amerikaner auch an sehr vielen anderen Regionen der Welt interessiert…”

aber wenn schon mal so geschrieben, was sagen denn Ihre “gebildete(n) und politikinteressierte(n) Amerikaner” zum Verhalten Deutschlands in dieser Flüchtlingskrise(vielleicht im Zusammenhang mit dem doch anderen Verhalten ihres Heimatlandes) und vielleicht definieren Sie mir mal anschließend das von Ihnen angewandte Wort “kleptokratisch”.

Danke

30.08.2017 12:57 Dorfbewohner 20

Jana 18

“@Dorfbewohner 17:
Zunächst sollte man sich einmal klar machen, dass Deutschland nicht der Nabel der Welt ist und naturgemäß sind z.B. auch gebildete und politikinteressierte Amerikaner auch an sehr vielen anderen Regionen der Welt interessiert…”,

sollte dies die Antwort auf meine Nr.17 sein und ich wäre ein Lehrer, dann müsste ich leider sagen, Thema verfehlt und bitte Aufgabe(Bezugskommentar) noch mal lesen.

30.08.2017 11:08 Janine 19

@zausel 14:

Dir ist schon klar, dass es einen Unterschied zwischen Migranten und Flüchtlingen gibt. Jemand der ohne Schutzanspruch in unser Land kommt wird sicher nicht auf ewig hier bleiben. Selbst Menschen denen Schutz gewährt wird erhalten den nur für die Dauer wie dieser notwendig ist.

Leute wie du reden unser Land seit Jahrzehnten gerne kaputt, aber trotzdem tummeln wir uns was Wohlstand, Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit angeht in der Weltspitze. Glaubst du wirklich so was gibt man auf um rassistischen und völkischen Erdoganklonen einer sogenannten Alternative die Regierung zu übergeben? Träum weiter.

30.08.2017 09:04 Jana 18

@Dorfbewohner 17:
Zunächst sollte man sich einmal klar machen, dass Deutschland nicht der Nabel der Welt ist und naturgemäß sind z.B. auch gebildete und politikinteressierte Amerikaner auch an sehr vielen anderen Regionen der Welt interessiert.
Dennoch sind die Probleme in HU und PL dort bekannt, wenn auch nicht im Detail.
Deutschland hat sehr viel mehr geleistet als nur "Hereinlassen". Die Menschen sind versorgt, es gibt Weiterbildungen, Kinder gehen in die Schule und so mancher arbeitet. Was wollen sie noch mehr geleistet sehen bei Menschen denen wir im Prinzip nur Schutz bieten wollen? Der schwammige Begriff Integration lässt sich halt nur schwer in einen Projektplan sperren.
Die Entlastungen Deutschlands für etliche instabile EU Länder im Rahmen der Flüchtlingssituation sind ebenfalls nicht zu verachten. Inzwischen hat ja auch die EU reagiert und mit wirksamen Maßnahmen Fluchtchancen in die EU reduziert.
Euphorie ist vielleicht nicht angebracht, Panik aber auch nicht.

29.08.2017 21:56 Dorfbewohner 17

Jana 15
“...man wundert sich im positiven Sinne, was Deutschland hier für Leistungen erbracht hat.”
und
“...Die Welt lacht doch eher über kleptokratisch-autoritäre Regime wie in Ungarn oder in Ansätzen in Polen…”,

ich würde dem lieben Gott danken, wenn Sie Recht hätten aber leider komm ich da um gewisse Zweifel nicht umhin.
Was hat denn Deutschland bisher schon außer dem Hereinlassen geleistet? Eine Abrechnung einer solchen großen Sache erfolgt nicht gleich zu Beginn sondern besser erst nach deren Erledigung und das wäre in dieser Sache in Jahrzehnten!
Ob Euphorie bei offenen Augen und zu dem jetzigen Zeitpunkt angebracht ist, ich habe da mal so meine Zweifel(...allein wenn ich da nur an die Verschuldung Deutschlands denke, mögliche wirtschaftliche Krisen, Streit um vielleicht zu Ende gehendes Erdöl...) und

ob das mit Ihrer lachenden Welt(bezüglich Ungarns, Polens) tatsächlich so ist, kommt ganz allein auch darauf an, wie groß Ihre ganze “Welt” eigentlich ist.

29.08.2017 21:07 Dorfbewohner 16

kritiker 9

“...Da die Integration fehlgeschlagen ist , sollte man dann auch die Konsequenzen ziehen und schneller abschieben !...”,

ist es denn so schwer zu begreifen, ohne Papiere nimmt kein Land jemanden zurück!

29.08.2017 16:25 Jana 15

@Holger H(13)
Erzähl doch mal, warum angeblich die komplette Welt über uns lachen sollte. In meinem int. Bekanntenkreis ist die Flüchtlingssituation in Europa entweder überhaupt kein Thema oder man wundert sich im positiven Sinne, was Deutschland hier für Leistungen erbracht hat.

Wenn man unterstellt, dass D den Erhalt der EU als vitales Interesse ansieht, dann erklärt sich recht schnell, dass man verhindern musst, dass der südl. Rand Europas unter der Last der Flüchtlinge zusammenbricht.

D als stärkstes Land und Motor der EU hat hier für Europa gehandelt. Inzwischen hat die EU mit int. Abkommen nachgezogen und Flüchtlinge werden in großer Zahl bereits in Afrika oder der Türkei abgehalten.

Die Welt lacht doch eher über kleptokratisch-autoritäre Regime wie in Ungarn oder in Ansätzen in Polen. Auch Herr Trump liefert so manchen unfreiwilligen Lacher. Im Gegensatz zu diesen Gestalten ist die Kanzlerin international hoch geachtet.

29.08.2017 15:52 zausel 14

Ab 2018, nachdem Frau Merkel ordnungsgemäß wieder gewählt wurde, beginnt der Familiennachzug. Mal sehen wann das soziale Netz bei Millionen weiterer Migranten den Bach runter geht. Mangels Qualifikation werden nur die wenigsten Migranten einen Job finden, meist schlecht bezahlt. Die Wirtschaft stellt niemand aus Mitleid ein. Bis 2021 dürfte sich dann die öffentliche Meinung soweit verändert haben, dass sich die AFD Hoffnung auf das Kanzleramt machen kann - auch Mutti muss mal Platz machen, was die Guten und Linken natürlich gar nicht begreifen können.

29.08.2017 15:33 Holger H. 13

18.000 Flüchtlinge erwerbsfähig. Nicht schlecht, das sind je 1% von denen die in den letzten zwei Jahren kamen. Ich hoffe die sind nicht zufällig alle unter den über 600.000 Ausreisepflichtigen die aus unerfindlichen Gründen keine Lust haben auszureisen und deshalb einfach da bleiben. Unser Land hat vor nicht all zu langer Zeit zu den geachtensten der Welt gehört. Inzwischen sind wir zu einem Witz verkommen. Die komplette Welt fragt sich ob die Deutschen den Verstand verloren haben und damit hat Sie Recht, die Welt.

29.08.2017 14:00 Mediator an B. Roeder(6) 12

Für einen der sich angeblich nicht mehr belügen lässt lügst du doch selbst ganz schön und verdrehst die Wahrheit ziemlich heftig. Und solche Leute glauben, dass man ihren Wahlempfehlungen für die blaubraunen folgen sollte?

Außer Rechtpopulisten hat doch nie jemand so getan als würden nur Ingenieure nach Deutschland kommen. Diese Übertreibung hatte lediglich den Sinn sich hinterher, wie du übrigens auch, über die eigene Lüge selbst künstlich zu erregen.

Findest du es nicht beeindruckend, dass 10% von Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis hier eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit gefunden haben? Viele Deutsche kriegen das nicht auf die Reihe.

Fehlende Sprachtätigkeiten, die den Zugang zu manchen Bereichen des Arbeitsmarktes verbauen sind auch nichts, was man nicht ersetzen kann.

Und in letzter Konsequenz werden diese Leute in ihr Land zurückkehren, wenn es dort wieder sicher ist.