Flüchtlinge auf einem Bahnhof
Im Jahr 2017 kommen im Schnitt 300 Asylsuchende pro Monat nach Sachsen-Anhalt. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Fragen und Antworten So viele Asylsuchende kamen nach Sachsen-Anhalt

Am 31. August 2015 sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Satz: "Wir schaffen das!" Er wurde zum Symbol für die deutsche Flüchtlingspolitik. Zwei Jahre nach den polarisierenden Worten zieht MDR SACHSEN-ANHALT Bilanz. Wie viele Flüchtlinge sind seit 2015 nach Sachsen-Anhalt gekommen? Und wie viele leben jetzt hier?

Flüchtlinge auf einem Bahnhof
Im Jahr 2017 kommen im Schnitt 300 Asylsuchende pro Monat nach Sachsen-Anhalt. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Wie viele Flüchtlinge leben zurzeit in Sachsen-Anhalt?

Im August 2017 leben fast 34.000 Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt (Stand: 30. Juli 2017). Das hat das Innenministerium MDR SACHSEN-ANHALT mitgeteilt. Laut Sozialministerium sind es 31.500 Menschen, da es die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge nicht mitzählt. 18.000 der Geflüchteten sind Männer und 13.500 Frauen. Die Menschen kommen vor allem aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Somalia, Nigeria, Irak, Iran und Pakistan. Etwa 12.000 Flüchtlinge von ihnen hätten keine Anerkennung oder seien noch im Asylverfahren. Das Verfahren kann sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Die durchschnittliche Dauer der Asylverfahren lag im dritten Quartal 2016 noch bei mehr als sechs Monaten.

Derzeit kommen nach Angaben des Innenministeriums pro Monat etwa 300 Asylsuchende nach Sachsen-Anhalt. Das sind weit weniger als in den Vorjahren.

Wie viele Menschen kamen im Zuwanderungsjahr 2015?

Die meisten Menschen kamen im November 2015. Laut dem Innenministerium waren es damals exakt 8.367 Asylsuchende. So sei 2015 mit insgesamt rund 34.000 Asylsuchenden auch das deutlich stärkste Zuwanderungsjahr gewesen. Ein Jahr später seien nur noch rund 9.000, dieses Jahr bisher knapp über 2.000 Menschen nach Sachsen-Anhalt eingereist.

Deutschlandweit sind im Jahr 2015 rund 890.000 Menschen registriert worden. Seit 2015 sind insgesamt mehr als 1,2 Millionen Geflüchtete nach Deutschland gekommen. Das geht aus den Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hervor.

Wie viele Menschen sind seit 2015 abgeschoben worden?

Seit 2015 sind nach Angaben des Innenministeriums 2.188 Menschen abgeschoben worden (Stand: 9. August 2017). 6.003 Personen sind aktuell zur Ausreise verpflichtet, halten sich aber noch in Sachsen-Anhalt auf.

Wo werden Geflüchtete im Land untergebracht?

Geflüchtete und Asylsuchende werden nach Paragraf 1 Abs. 1 und 2 des Aufnahmegesetzes (AufnG) in den Landkreisen und kreisfreien Städten untergebracht. In der Antwort einer Großen Anfrage zur Unterbringung von Geflüchteten und Asylsuchenden in Sachsen-Anhalt vom 2. Juni 2017 wird die Verteilung detailliert aufgelistet. Vor der Verteilung der Menschen auf die Landkreise werden die Geflüchteten jedoch in den sogenannten Landesaufnahmeeinrichtungen registriert.

Nach Angaben des Innenministeriums hält das Land dafür aktuell 2.500 Plätze bereit. Die Unterbringung erfolgt in der Zentralen Anlaufstelle in Halberstadt (ZASt) sowie den Landesaufnahmeeinrichtungen Klietz und Magdeburg und in Genthin.

In Zukunft soll der Bedarf an den Standorten Halberstadt, dazu gehört die ZASt und die Außenstelle in der Straße der Opfer des Faschismus, und der neu zu errichtenden Aufnahmeeinrichtung in Stendal gedeckt werden. Der Betrieb der übrigen Einrichtungen in Klietz und Magdeburg wird perspektivisch eingestellt.

Insgesamt sollen dann 2.000 Unterbringungsplätze zur Verfügung stehen.

Was hat die Bewältigung der Flüchtlingskrise gekostet?

Das Innenministerium teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit, dass  im Bereich Asyl im Jahr 2015 rund 78,5 Millionen Euro ausgegeben wurden und im Jahr 2016 etwa 266,5 Millionen. In den Kosten enthalten sind nach den Angaben:

  • die Kosten für die Landesaufnahme und Unterbringung,
  • die Kosten für die Erstuntersuchungen gemäß § 62 AsylG,
  • die Zuweisungen an Kommunen für die gesonderte Beratung und Betreuung,
  • und die Erstattungsleistungen an die Landkreise und kreisfreien Städte, die im Rahmen der kommunalen Fallpauschale für die Aufnahme und Unterbringung ausgezahlt wurden.

Zur Förderung der Integration und für Maßnahmen der zwangsweisen und freiwilligen Rückkehr wurden 2015 rund 2 Millionen Euro und 2016 rund 3,4 Millionen Euro benötigt.

Laut Innenministerium lassen sich die Kosten jedoch nicht einhundertprozentig eindeutig berechnen. So seien die Kosten für landeseigenes Personal nicht enthalten, auch Zahlen anderer Ressorts seien nicht ohne Weiteres zuordnungsbar.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN ANHALT HEUTE | 27. August 2017 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28.08.2017 | 12:00 Uhr

Quelle: MDR/ff,mp

Zuletzt aktualisiert: 30. August 2017, 20:53 Uhr

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10 Kommentare

01.09.2017 19:28 Dada 10

Ich sehe es so das wir das nicht schaffen, nicht schaffen können. Irgendwann ist das Geld alle und meine Nerven auch. Wir wohnen neben einem Wohnblock wo zu 80% Asylanten wohnen. Da geht es bis morgens 4.00 Uhr sehr laut zu, wenn man da zu derselben Zeit aufstehen muss ist man jeden Morgen stinksauer. So wird die CDU und andere Parteien keine Stimme bekommen. Dann sieht man wohlgemerkt nur Männer herumlaufen die jeden Tag Langeweile schieben und nur auf dumme Gedanken kommen und Frauen anzupöbeln. Was sagt denn da der MDR und Frau Merkel dazu?

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

Dass das natürlich nicht in Ordnung ist, wenn es sich so verhält wie Sie es beschreiben. Was Frau Merkel allerdings dazu sagt, können wir Ihnen nicht beantworten. Da fragen Sie an der falschen Stelle.

30.08.2017 20:46 SGDHarzer66 9

Es gibt viele schlaffe Bundesbürger, die diese Statistik sogar glauben, vor allem MZ und BILD-Leser. Die schlimme Wahrheit wird bald folgen. Aber diese biederen Leute haben es so gewollt. Traurig....

29.08.2017 20:33 Chris 8

28.08.2017 10:14 Paul
Aber dann nicht erschrecken wenn rot rot grün das Sagen haben.

29.08.2017 20:30 Maier-Grunwald 7

13.500 Frauen?
Interessant. Wo werden diese Frauen versteckt? Ich sehe alle paar Tage mal eine aber Männer dutzende jeden Tag.

29.08.2017 09:05 Mediator an REXt (5) 6

Potz Blitz, Deutschland ist von lauter EU Staaten umgeben. Da sind wir ja jetzt fein raus nach dem Dublin-Abkommen.

Die Griechen, Spanier und Italiener sind ja selbst schuld, wenn sie das Abkommen unterzeichnet haben. Sollen die doch selbst sehen wie sie klarkommen.

Europäische Solidarität sieht in meinen Augen doch ein wenig anders aus und genau solche Einstellungen haben dazu geführt, dass irgendwann Italien und Griechenland die Segel gestrichen haben, Flüchtlinge nicht mehr registriert wurden und diese einfach Richtung Norden wanderten.

Ausnahmesituationen lassen sich leider nicht mit den Normen für den Regelfall abarbeiten.

28.08.2017 21:44 REXt 5

Ca. 90% sind keine (Kriegs)Flüchtlinge, sondern Wirtschaft(Flüchtlinge) o. sie sind über sichere Drittstaaten eingereist(Dublinabkommen)!!!!!!!

28.08.2017 14:08 Beobachter 4

Zur MDR-Radaktion:
Keiner erfüllt den Status des Flüchtlings nach Genfer Konvention oder hätte nach Dublin 2 Asylanspruch (kommen alle aus sicheren Drittländern). Es sind Migranten, die unsere Regierung aufnimmt und dem Asylverfahren unterzieht.

28.08.2017 11:12 Beobachter 3

Es sind Migranten, verehrter MDR, keine Flüchtlinge. Wie lange braucht ihr noch bis zur korrekten Bezeichnung?

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Es geht im Artikel um Flüchtlinge und Asylbewerber, nicht um generelle Migration.

28.08.2017 10:16 Mediator 2

Dieses Diagramm sieht ja furchtbar bedrohlich aus.
Ich bin gespannt wie die üblichen besorgten Bürger dieses Diagramm interpretieren werden.

Einen ungebremsten und unkontrollierten Massenzustrom an Flüchtlingen kann man daraus ja wirklich nicht mehr ablesen.

Toll wie Frau Merkel das hingekriegt hat, ohne dass wir an der bayerisch-östereichischen Grenze eine Neue Zonengrenze errichtet haben.

Berücksichtigt man deutsche Verwaltungsvorschriften, EU Ausschreibungsrecht und die Auslastung aller Baufirmen im Moment, dann waren Frau Merkels internationale Bemühungen wohl trotzdem schneller als es jeder Mauerbau gewesen wäre.

Man sollte sich nichts vormachen: Verzweifelte Menschen abzuhalten zu uns zu kommen ist immer eine unangenehme Aufgabe. Egal ob man da die Sperrlinie in der Deutschland, Ungarn, der Türkei, Lybien oder in den Staaten der Sahelzone setzt.

28.08.2017 10:14 Paul 1

Morgen können wir Mamma Merkel in Bitterfeld fragen was sie schon alles geschafft hat. Und nicht vergessen- WÄHLEN ! Wer kein CDU-Fan ist bitte keine Briefwahl !