Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zwei Monate nach Brandanschlag Erste Flüchtlinge in Tröglitz eingetroffen

Die ersten drei Flüchtlingsfamilien leben in Tröglitz. Das teilte der Burgenlandkreis am Mittwoch in Naumburg mit. Für die Flüchtlinge stehen zwei Wohnungen bereit. Die eigentlich vorgesehene Flüchtlingsunterkunft wurde bei einem Brand vor zwei Monaten zerstört.

Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt
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Zwei Monate nach dem Brandanschlag in Tröglitz sind die ersten Flüchtlinge in dem Ort im Burgenlandkreis eingetroffen. Das teilte am Mittwoch der Burgenlandkreis mit. Es handelt sich um drei Familien. Für die Flüchtlinge stehen zwei Wohnungen in Tröglitz bereit.

Einzelheiten erst am Donnerstag

Der Kreis nannte noch keine Details über die Ankommenden. Für Donnerstag wurde eine Pressekonferenz anberaumt. Dabei sollen auch die Flüchtlingsfamilien anwesend ein.

Der Fall Tröglitz

Tröglitz im Burgenlandkreis, ein Ort mit gut 2.700 Einwohnern, ist seit Monaten bundesweit in den Schlagzeilen. Nachdem Ende 2014 bekannt wird, dass Asylbewerber untergebracht werden sollen, wendet sich der Ortsbürgermeister Markus Nierth in einem Schreiben an die Einwohner, in dem er seine Sorgen im Zusammenhang mit der Unterbringung der Asylsuchenden zum Ausdruck bringt.

Wir möchten eigentlich keine Asylanten hier in Tröglitz haben, weil wir die bisherige soziale Struktur schon durch einheimische Kriminelle und sich unsozial benehmende Menschen genügend überanstrengt sehen. Wir ahnen, das wird Probleme geben. […] Ich möchte Ihnen deutlich machen, dass ich hier nicht von 'heile heile Multikulti' rede, daran glauben wohl nur noch Menschen, deren Wohnhäuser weit weg von Asylantenheimen stehen, wir nicht. […] Liebe Tröglitzer, geben Sie 'den Fremden' eine Chance, schon um unsretwillen, denn sonst verliert Tröglitz womöglich!

Markus Nierth, seinerzeit Ortsbürgermeister von Trölitz im "Informations- und Heimatblatt der Gemeinde Elsteraue", Ausgabe Dezember 2014

Seit Anfang Januar finden unter der Führung des NPD-Kreisrates Steffen Thiel sonntägliche Versammlungen statt, in denen Stimmung gegen die Unterbringung der Asylbewerber gemacht wird. Nach den Worten Nierths werden zu den NPD-Veranstaltungen auch viele Unterstützer "herangekarrt". Parallel zu den Demonstrationen organisiert Nierth mit dem Ortspfarrer Friedensgebete.

Ortsbürgermeister tritt zurück

Marcus Nierth
Ortsbürgermeister Markus Nierth tritt Anfang März von seinem Amt zurück. Bildrechte: dpa

Anfang März eskaliert die Situation. Ortsbürgermeister Nierth erfährt, dass ein von der NPD organisierter Marsch bis direkt vor sein Privathaus führen soll, wo eine Kundgebung geplant ist. Nierth erklärt seinen Rücktritt vom Amt des Ortsbürgermeisters. Daraufhin streicht der Anmelder der Demo die Kundgebung vor dessen Privathaus.

In den daruffolgenden Tagen flammen heftige Diskussionen auf - über den Rücktritt Nierths, die Verantwortung der Politik sowie über die Unterbringung der Flüchtlinge. Der Kreistag beschließt, 40 Asylbewerber oder Flüchtlinge in Tröglitz aufzunehmen. Der Ort kommt nicht zur Ruhe - Gegenteil: Es gibt zahlreiche Demonstrationen von Asylgegnern - demgegenüber stehen Friedensgebete in der Tröglitzer Kirche.

Brandanschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft

Brandanschlag auf geplantes Flüchtlingsheim in Tröglitz
Am Ostersamstag legen Unbekannte ein Feuer in der Flüchtlingsunterkunft. Bildrechte: IMAGO

An der geplanten Flüchtlingsunterkunft in der Ernst-Thälmann-Straße werden Hakenkreuz-Schmierereien entdeckt. Am Ostersamstag, dem 4. April, wird ein Feuer in der Unterkunft gelegt. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer "besonders schweren Brandstiftung". Zwei Menschen wohnen in dem Haus, sie können sich retten.

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stehlknecht setzt 20.000 Euro Prämie für Hinweise auf die Brandstifter von Tröglitz aus. Eine Ermittlungsgruppe "Kanister" mit 17 Beamten ermittelt derweil in alle Richtungen. Sie vermutet, der Anschlag könnte aus dem rechten Spektrum heraus begangen worden sein. Sie hält es aber auch für möglich, dass die Tat begangen wurde, um das politische Spektrum zu diskreditieren.

Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2015, 08:21 Uhr