Das Kunstmuseum Moritzburg in Halle.
Bildrechte: MDR/Manuela Lonitz

Original van Gogh im Kunstmuseum Moritzburg Die wohl wertvollste Holzkiste Mitteldeutschlands

Im Kunstmuseum Moritzburg in Halle beginnt dieser Tage eine spektakuläre Ausstellung, einmalig in Mitteldeutschland: Gleich zwei van Goghs und viele französische Meisterwerke sind dann zu sehen. Unsere Reporterin war dabei, als ein van Gogh in Halle ausgepackt wurde.

von Manuela Lonitz, MDR INFO

Das Kunstmuseum Moritzburg in Halle.
Bildrechte: MDR/Manuela Lonitz

Eine unscheinbare große schmale Holzkiste. Während zwei Mitarbeiter des Moritzburgmuseums sie festhalten, löst ein dritter die Schrauben. Vorsichtig heben sie den Deckel beiseite, dann eine Polsterschicht. Darunter noch eine Kiste. Durch den transparenten Deckel sieht man zum ersten Mal van Goghs 1888 gemalten "Sämann".

Vincent van Goghs "Sämann" wird aus seiner Kiste befreit
Vincent van Goghs "Sämann" wird aus seiner Kiste befreit Bildrechte: MDR/Manuela Lonitz

Museumsdirektor Thomas Bauer-Friedrich steht daneben – mit einem breiten Lächeln im Gesicht: "Das ist natürlich ein traumhafter phantastischer Moment. Wir hatten vor eineinhalb Jahren eine Ausstellung, da haben wir uns dem Thema Kunstfälschung gewidmet. Da hatten wir hier exakt in diesen Räumen vier historische gefälschte van Goghs. Und jetzt zwei Originale zu haben und noch dazu aus den besten Schaffenszeiten, ist ein Glückserlebnis für mich natürlich aber auch für jeden anderen Museumsdirektor, wenn er so eine Ausstellung vorbereiten kann."

Transportkisten mit Gemälden im Wert von dreistelliger Millionenhöhe.
Transportkisten mit Gemälden im Wert von dreistelliger Millionenhöhe. Bildrechte: MDR/Manuela Lonitz

Mehr als 150 Werke von französischen Künstlern wie Henri Matisse, Paul Cézanne, Henri de Toulouse-Lautrec präsentiert die Ausstellung. Es ist das erste Mal, dass so eine hochkarätige Sammlung in Mitteldeutschland zu sehen ist. Was es so schwer macht, solche Kunst hierher zu holen, erklärt Museumsdirektor Thomas Bauer-Friedrich. Zum Einen muss das Haus die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen: "Und das können wir Gott sei Dank seit dem Erweiterungsbau, den wir 2008 eröffnet haben. Damit bieten wir alle Sicherheits- und klimatechnischen Voraussetzungen, um eine solch hochkarätige Sammlung hier bei uns präsentieren zu können. Auf der anderen Seite merken wir ja im internationalen Leihverkehr mehr und mehr, dass es immer schwieriger wird, die großen Highlights aus den Sammlungen zu bekommen."

Museumsdirektor Thomas Bauer Friedrich begutachtet van Goghs "Sämann"
Museumsdirektor Thomas Bauer-Friedrich begutachtet van Goghs "Sämann" Bildrechte: MDR/Manuela Lonitz

Die Kunstwerke hat das Sammlerpaar Hedy und Arthur Hahnloser Anfang des 20. Jahrhunderts in der Schweiz zusammengetragen. Gezeigt wurde die Ausstellung nach ihrem Tod in der Villa Flora in Winterthur. Doch als die Stadt 2014 ihre Zuschüsse strich, musste das Museum vorerst schließen. Deshalb wollte man die Sammlung auf eine Tournee durch namhafte Museen schicken, erklärt die Kuratorin der Villa Flora Dr. Angelika Affentranger-Kirchrath: "Wir hatten weltweit Anfragen – von Japan und überall her. Das Besondere hier aber mit dem Kunstmuseum Moritzburg war, dass sich Thomas Bauer-Friedrich so engagiert dafür eingesetzt hat. Er kam umgehend selber, hat diese Villa Flora noch besucht. Er hat ein tolles Anschreiben geschickt, was das vom kulturpolitischen Hintergrund her für eine spannende Chance für die Gegend sein könnte." Auch Sponsoren braucht es für eine solche Ausstellung – hier hauptsächlich das Land Sachsen-Anhalt, die Sparkassenstiftung und die Schweizer Kulturstiftung pro Helvetia.

Die Moritzburg und die Villa Flora verbindet übrigens eine traurige Parallele. Seit 2012 bekommt auch die Moritzburg von der Stadt Halle nicht mehr die vertraglich geregelten Zuschüsse, insgesamt über 650.000 Euro, sagt Thomas Bauer-Friedrich. Die Ausstellung sieht er deshalb als Chance.

Zuletzt aktualisiert: 03. März 2016, 18:58 Uhr