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Ausstellungen | MDR FIGARO : Der Kunstkalender im Januar

Im Kunsthaus Apolda Avantgarde gibt es noch nie öffentlich gezeigte Werke von Max Ackermann. Die Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig eröffnet die bisher umfangreichste Ausstellung zu Helga Paris. Die Stiftung Bauhaus Dessau stellt die Fotosammlung Thomas Walther aus. Die ACC Galerie Weimar hat Kunst entlang des Rennsteigs gesammelt und lädt zum Kunstpilgern ein. Und das Leonhardi-Museum Dresden stellt Werke von Jana Morgenstern aus. MDR FIGARO-Kunstredakteurin Ulrike Thielmann stellt hier die wichtigsten Ausstellungen im Januar 2013 vor.

Max Ackermann - Vom der ornamentalen Linie zur heiligen Fläche

Kunsthaus Apolda Avantgarde
Vom 13. Januar bis 1. April 2013

Max-Ackermann, Ausdruckstanz, um 192, Gouache (ACK 6238)
Max-Ackermann, Ausdruckstanz, um 192, Gouache (ACK 6238)

Studien von Mensch und Natur, abstrakte Werke, geometrische Farbflächen, mal an Kandinsky erinnernd, in Pastellen, mit dünnen schwarzen Linien, mal in leuchtendem Rot und Blau und Gelb – das ist die abstrakte Ästhetik Max Ackermanns. 1906 studierte er an der Kunstschule in Weimar bei Henry van de Velde und gilt als einer bekanntesten Schüler des Reformarchitekten.

Das Kunsthaus Apolda Avantgarde eröffnet mit einer Schau zu Max Ackermann das Thüringer Henry van de Velde-Jahr und präsentiert noch nie öffentlich gezeigte Werke, die knapp 70 Jahre auf einem Thüringer Dachboden schlummerten. Die Schau ist eine Würdigung des Malers, der als einer der ersten in Deutschland eine völlig eigenständige Bildsprache autonomer Kunst entwickelt hat. Das Gegenüber der Bilder in der Schau lässt erkennen, dass zwischen dem gegenständlichen frühen Ackermann und dem ungegenständlichen späten kein Bruch, sondern eine Fortsetzung liegt.

Helga Paris. Fotografie

Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig
Noch bis 27. Januar 2013

Helga Paris, aus der Serie Häuser und Gesichter. Halle 1983–85
Helga Paris, aus der Serie Häuser und Gesichter. Halle 1983–85

Als die Fotografin Helga Paris der Stadt Halle im Jahre 1986 - quasi zur 1.180-Jahrfeier der Stadt - ihre Halle-Bilder präsentierte, musste mancher tief Luft holen. Manch Hallenser und manch Funktionär, denn so hatten sie Halle noch nie gesehen. Zumindest nicht in einer Fotoserie. Verfallende, alte Bürgerhäuser waren da - auch noch in schwarz-weiß - abgelichtet. Häuser, die schon viele Zeiten überstanden hatten und nun auf die Abrissbirne zu warten schienen. Davor fotografierte Paris Bürger und Bürgerinnen aus Halle. Das Verblüffende: Der Niedergang ihrer Stadt schien ihnen nichts anhaben zu können. Der Betrachter schaut in selbstbewusste, offenherzige und arglose Gesichter. Doch gerade der Arglosigkeit misstrauten die Kulturoberen. Sie sagten die Foto-Ausstellung ab und ließen die Bilder verbieten.

Nun zeigt die Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig u. a. die berühmten Halle-Bilder der Fotografin Helga Paris, die der Stadt Halle den Beinamen "Diva in Grau" bescherten. Die Schau in der gfzk ist der Auftakt der bisher umfangreichsten Ausstellung zu Helga Paris, ausgerichtet vom Institut für Auslandsbeziehungen, die nach dem Auftakt in Leipzig durchs Land touren wird.

Helga Paris Fotografien berichten von der melancholischen Vitalität ostdeutscher Eckkneipen, eigenwillig wütenden Jugendlichen und stolzen Textilarbeiterinnen. Man bereist auch Polen, Georgien und Siebenbürgen. Nach 1989 setzte sich die Fotografin mit eigenen Kriegs- und Nachkriegs-Erfahrungen auseinander - auch diese Bilder sind in Leipzig zu sehen.


Das Bauhaus im Bild. Die Fotosammlung Thomas Walther

Stiftung Bauhaus Dessau, Bauhausgebäude
Noch bis 24. Februar 2013

László Moholy-Nagy (1895-1946), Blick vom Berliner Funkturm, 1928
László Moholy-Nagy (1895-1946), Blick vom Berliner Funkturm, 1928

Was ist eigentlich Bauhaus-Fotografie? Wer stand hinter der Kamera? Welche Motive wurden gewählt? Worin liegt die Bedeutung der Arbeiten und wer sammelt sie? Antworten auf all diese Fragen gibt die neue Ausstellung in Dessau. Dabei unbedingt erwähnenswert: Die Sammlung Thomas Walther, bei der sowohl ihr ästhetischer Wert als auch die Bedeutung für die Forschung sehr hoch geschätzt werden. Der Stiftung Bauhaus Dessau ist es gelungen, diese hochkarätige Sammlung von originalen Bauhaus-Fotografien zu erwerben - insgesamt 59 Fotografien von insgesamt 31 Bauhäuslern. Die Dessauer Sammlung kann somit um im Wert sehr hoch geschätzte Inkunabeln ergänzt werden, die nun zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind.

Die Besucher können sich auf zwei Vintage-Abzüge von László Moholy-Nagy freuen. Der "Blick vom Berliner Funkturm" von 1928 etwa darf wohl als eine fotografische Ikone des Bauhausmeisters bezeichnet werden, der die visuelle Wahrnehmung durch die Sicht von Oben erweitern wollte. Das von Moholy-Nagy ausgerufene "Neue Sehen" kannte viele Facetten und ungewöhnliche Blickwinkel.

Schließlich werden im Kontext des Bauhauses jene Fotografien gesammelt, die sich mit dem Sozialleben der Studierenden und Lehrenden beschäftigen - auch hierzu finden sich eine ganze Reihe erhellender Beispiele, darunter die Fotografien T. Lux Feiningers, einer der innovativsten Fotografen am Bauhaus. Seine frühen Aufnahmen zeigen nicht nur das Leben in der Dessauer Schule, sondern dokumentieren ebenso den Blick Feiningers, der immer auf der Suche nach einer dynamischen, unkonventionellen Perspektive war.


Bei den Antipoden vom Rennsteig

ACC Galerie Weimar
Noch bis zum 27. Januar 2013

Hardy Raub, Inneres, 2010
Hardy Raub, Inneres, 2010

Ist Pilgern eine Laune der Zeit? Früher pilgerte man nach Mekka. Die Kuratoren der ACC Galerie Weimar begaben sich dagegen auf eine Reise entlang des Rennsteigs, um Kunst zu suchen. Dieser 168 Kilometer lange Grenzweg des Thüringer Waldes bildet schließlich eine historische Landesscheide, Sprachgrenze und Nachrichtenverbindung.

Man wurde übermäßig fündig und beschloss, eine Ausstellung zu gestalten. Neben den zehn teilnehmenden Künstlern aus Göringen, Eisenach, Suhl, Altenberg, Neuhaus am Rennweg, Lauscha, Ernstthal und Tettau wurde schließlich noch einer am südöstlichen Rennsteigende gefunden: Jens-Peter Stötzner aus Blankenstein. Und so ist der Rennsteig nicht nur der älteste und der mit 100.000 Wanderern jährlich meistbegangene Weitwanderweg Deutschlands, er ist auch der kreativste Kunstwanderweg im Land. Davon können sich die Besucher in der Ausstellung überzeugen und mal übers Kunstwandern nachdenken.


Jana Morgenstern

Jana Morgenstern, "Steine I-23", 2008, Fettkreide, Tusche auf Papier, 420 x 600 mm
Jana Morgenstern, "Steine I-23", 2008, Fettkreide, Tusche auf Papier, 420 x 600 mm

Leonhardi-Museum Dresden
Vom 19. Januar bis 10. März 2013

Mit einer großen und schweren Walze hat Jana Morgenstern viele ihrer Bilder bearbeitet. So sind die bänderähnlichen Linien entstanden, die sich mehrfach überlagern und überschneiden und die für die Künstlerin charakteristisch sind. Jana Morgenstern verwendet oft Tusche und Kohle für die meist abstrakte Gestaltung ihrer Leinwände, seltener Farbe. In dem eher zufälligen, nicht genau geplanten Auftragen der Masse durch Walze oder Pinsel ergibt sich in Jana Morgensterns Bildern eine sehr malerische Komponente.

Das Schaffen der Künstlerin zeichnet sich vor allem durch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Überlagerung aus, die immer wieder Gegenstand ihrer Arbeiten in der Malerei als auch in der Grafik ist. Das Leonhardi-Museum Dresden widmet der Dresdener Malerin und Meisterschülerin von Max Uhlig nun eine eigene Sonderschau.

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2013, 10:33 Uhr

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