Referendar am Overheadprojektor
Bildrechte: IMAGO/Michael Weber

Für weniger Schulausfall Referendare sollen früher unterrichten

Die Ausbildung von Referendaren in Sachsen-Anhalt ändert sich. Künftig sollen sie schon nach einem Monat alleine eine Klasse unterrichten. Das schafft zwar schnell praktisches Wissen, stößt aber auch auf Kritik.

Referendar am Overheadprojektor
Bildrechte: IMAGO/Michael Weber

Referendare in Sachsen-Anhalt sollen schneller vor der Klasse unterrichten. Das hat das Bildungsministerium mitgeteilt. Bisher wurden Referendare am Anfang von einem Mentor betreut und durften erst nach vier Monaten bis zu acht Stunden selbstständig unterrichten. Die Neuregelung sieht nun vor, dass die Junglehrer schon nach dem ersten Monat komplett alleine unterrichten sollen. 

Damit sammeln die Referendare zwar schnell Praxiserfahrung, der Schritt von Theorie zu Praxis geht aber einigen zu schnell: "Ich kann nicht jemandem, der frisch von der Uni mit theoretisch fundiertem Fachwissen kommt, sagen: 'Geh in die Praxis und setze das um.' Das funktioniert nicht", sagte Thekla Mayerhofer vom Grundschulverband. Sie kritisierte außerdem, dass die eigenverantwortlich gehaltenen Stunden auf die Unterrichtsversorgung angerechnet werden sollen.

Tullner verteidigt Neuregelung

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) räumte ein, dass er mit dem Schritt auch dem Lehrermangel entgegenwirken wolle. "Das ist eine Maßnahme, die auch ein Stück weit die Unterrichtsversorgung erleichtert", so der Minister.

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU)
Marco Tullner will dem Lehrermangel entgegenwirken. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kritik des Grundschulverbandes an dem Konzept wies Tullner allerdings zurück. "Ich wundere mich über den Verband, der mit so viel Skepsis unterwegs ist." Von einem fünf Jahre lang gut ausgebildeten angehenden Lehrer könne man erwarten, dass er im Unterricht bestehe. Deshalb werde für die Referendare der Anteil an eigenverantwortlichem Unterricht "maßvoll erhöht".

Rechtliche Probleme

Allerdings sieht der Grundschulverband auch rechtliche Probleme bei der Neuregelung. So sei nicht geklärt, ob Referendare, wenn sie selbstständig unterrichten, auch Noten geben dürfen, die für das Abitur zählen. "Es wird nicht ausbleiben, dass es da zu Beschwerden seitens der Eltern kommt. Wir erwarten das, weil es wirklich eine Sache ist, die so nicht sein darf", warnt Mayerhofer.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22.08.2017 | 17:00 Uhr

Quelle: MDR/ms

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2017, 19:17 Uhr

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3 Kommentare

23.08.2017 08:46 Frauke Garstig 3

@2 Dann gehen sie mal bitte ins Jahr 2005 zurück, wo FDP und CDU dem Bildungskarren ein Rad abgeschraubt haben, weil die CDU-Wähler der Meinung waren, dass es zuviele Landesbedienste gibt!

22.08.2017 23:41 Hallenser 2

An unserer Schule bedeutet der Einsatz der Referendare bereits jetzt, dass die normalen altgedienten Lehrer an andere Schulen abgeordnet werden. Die Referendare sind keine Lückenfüller, sondern sie nehmen den etablierten bewährten Lehrern die Unterrichtstunden weg. Persönlich können sie nichts dafür. Es ist ein Systemfehler! Auch Tullner verwaltet im Endeffekt nur ein Mangelsysten was bereits seit Ministerpräsident Höppner kontinuierlich gegen den Abgrund gesteuert wurde. Verantwortlich dafür sind SPD, LINKE, CDU und GRÜNE mit ihren ständigen ideologisierten Bildungskriegen auf Kosten der Bevölkerung! Referendare benötigen die Begleitung und Einweisung durch Mentoren über mehrere Monate. Man schickt ja einen Arzt im ersten Ausbildungsjahr auch nicht gleich allein in den OP die schwierigsten Operationen ohne Anleitung durchzuführen. Ich hoffe, dass die Eltern dagegen Sturm laufen und gegen diese neue idiotische Praxis klagen. Schließlich geht es um die Abschlüsse ihrer Kinder im Abitur.

22.08.2017 20:28 Frauke Garstig 1

Letztendlich heißt das nur unbezahlte Mehrarbeit für die betreuenden Lehrer der Referendare! Die CDU kann einfach keine nachhaltige Bildungspolitik und verheizt damit einfach nur die jungen Lehrer schon bei ihrem Berufseinstieg!

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