Überblick über die Abgeordneten : Wer vertritt Sachsen-Anhalt im Bundestag?
Für Sachsen-Anhalt sitzen in der kommenden Legislaturperiode 17 Abgeordnete im Bundestag. Dabei handelt es sich um die Gewinner der Direktmandate in den neun Wahlkreisen und um Abgeordnete, die über die Landeslisten ihrer Parteien ins Parlament einziehen. Auf dieser Seite können Sie sich einen Überblick über alle 17 Abgeordneten verschaffen.
Die Abgeordneten der CDU
Christoph Bergner (über Landesliste der Partei)
Christoph Bergner kann in seiner politischen Vita schon auf einige beachtliche Stationen verweisen: Zwischen 1990 und 2002 saß er im Landtag von Sachsen-Anhalt, 1993/94 war er für einige Monate Ministerpräsident des Landes. 2002 zog er als Abgeordneter in den Bundestag ein. Bei der Bundestagswahl 2009 erzielte Bergner mit 30,9 Prozent nur das zweitbeste Ergebnis in seinem Wahlkreis (das Direktmandat holte Petra Sitte von der LINKEN), zog aber über die CDU-Landesliste ins Parlament ein. Bergner ist seit 1971 Mitglied der CDU und war von 1995 bis 1998 Vize-Chef der Bundes-CDU. Seit 2005 arbeitet er als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Christoph Bergner wurde 1948 in Zwickau geboren. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.
Manfred Behrens (Direktmandat im Wahlkreis 68: Börde und Jerichower Land)
Manfred Behrens ist ein Neuling im Bundestag. Mit 32,7 Prozent hat er das Direktmandat seines Wahlkreises deutlich gewonnen. Der gelernte KFZ-Mechaniker ist seit 1992 Mitglied der CDU. Er war unter anderem Bürgermeister im sachsen-anhaltischen Ebendorf, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Landtag Sachsen-Anhalts und ist Mitglied im Kreistag Bördekreis. Er engangiert sich in der Freiwilligen Feuerwehr und ist jeweils Ehrenmitglied im Schützenverein und im Hundesportverein von Ebendorf. Manfred Behrens wurde 1956 in Magdeburg geboren. Er ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern.
Heike Brehmer (Direktkandidatin im Wahlkreis 69: Harz)
Heike Brehmer hat im Wahlkreis Harz die meisten Stimmen auf sich vereinen können. Mit 33 Prozent sicherte sie sich das Direktmandat knapp vor der LINKE-Kandidatin Elke Reinke. Brehmers Einstieg in die Politik begann mit dem Zusammenbruch der DDR: 1990 wurde sie Mitglied im ehemaligen Kreistag Aschersleben-Staßfurt. Von 2003 bis 2007 amtierte sie dort als Landrätin. Zudem wurde Brehmer im Jahr 2003 in den Landesvorstand der CDU Sachsen-Anhalt gewählt. Sie ist Geschäftsführerin des Studentenwerks Magdeburg, Vorstandsmitglied der Stiftung Staßfurter Waisenhaus und Ehrenmitglied des Hecklinger Karnevalvereins. Heike Brehmer wurde 1962 in Staßfurt geboren. Sie wohnt in Tarthun und ist Mutter von zwei Kindern.
Ulrich Petzold (Direktkandidat im Wahlkreis 71: Dessau-Wittenberg)
Ulrich Petzold hat mit 36 Prozent das beste Ergebnis in Sachsen-Anhalt erzielt. Er vertritt im Bundestag den Wahlkreis Dessau-Wittenberg. Hier liegen auch seine persönlichen Wurzeln. 1951 wurde Petzold in der Lutherstadt Wittenberg geboren. Er studierte von 1970 bis 1974 Technologie der Metallverarbeitung in Magdeburg. Sein Studium schloss er als Diplomingenieur ab. Im Oktober 1989 trat Petzold in die CDU ein, seit 1998 ist er Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Wittenberg. Petzold war bereits zwischen 1990 und 1998 Mitglied des Bundestags. Nach vierjähriger Unterbrechung zog er 2002 erneut ins Parlament ein. In seiner Freizeit sammelt Ulrich Petzold historische Zinnfiguren und betätigt sich als Hobby-Imker. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Dieter Stier (Direktkandidat im Wahlkreis 74: Burgenland-Saalekreis)
Mit Dieter Stier zieht ein weiteres neues Gesicht in den Bundestag ein. In seinem Wahlkreis setzte er sich mit 33 Prozent knapp gegen den LINKE-Kandidaten Roland Claus durch. Als diplomierter Agraringenieur ist er ein ausgewiesener Landwirtschaftsexperte. 1999 trat Stier in die CDU ein. Im selben Jahr wurde er auch in den Stadtrat von Weißenfels gewählt, wo er kurz darauf CDU-Fraktionschef wurde. 2007 übernahm Stier zudem den Vorsitz im Kreistag Burgenlandkreis. In seiner Freizeit engagiert er sich als ehrenamtlicher Trainer und Richter für Pferdesport und Pferdezucht. Dieter Stier wurde 1964 in Weißenfels geboren und ist ledig.
Die Abgeordneten der LINKEN
Rosemarie Hein (Direktmandat im Wahlkreis 70: Magdeburg)
Rosemarie Hein hat ihr Direktmandat mit 32 Prozent der Erststimmen gewonnen. Damit lag sie knapp vor dem CDU-Bewerber und früheren Fußball-Schiedsrichter Bernd Heynemann. Im Bundestag will Hein sich vor allem für Chancengleichheit und Gerechtigkeit beim Bildungszugang einsetzen. Die gebürtige Leipzigerin trat 1976 in die SED ein, nach der Wende wechselte sie in die PDS. 1997 bis 2005 war sie Landesvorsitzende der PDS Sachsen-Anhalt. Bis 2006 saß Hein im Landtag und war dort hauptsächlich für die Bildungspolitik zuständig. Seit 2004 ist sie Stadträtin in Magdeburg. Auch in diesem Amt liegt ihr Schwerpunkt auf dem Thema Schulpolitik. Rosemarie Hein ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.
Harald Koch (Direktmandat im Wahlkreis 75: Mansfeld)
Auch im Wahlkreis Mansfeld ist die LINKE als stärkste Kraft hervorgegangen. Direktkandidat Harald Koch erhielt 35,2 Prozent der Erststimmen. Von 1976 bis 1990 war Koch Mitglied der SED. Danach wechselte er in die SPD, war bis 2003 Mitglied und Vorsitzender des Kreisverbandes Sangerhausen. 2005 trat er dann der WASG bei und war Mitglied des Landesvorstandes der Partei in Sachsen-Anhalt. Seit 2007 gehört Koch zur LINKEN. Der Diplomökonom engagiert sich unter anderem bei der Arbeiterwohlfahrt und dem Kinderschutzbund. Koch wurde 1954 geboren, ist verheiratet und hat drei erwachsene Töchter.
Jan Korte (Direktmandat im Wahlkreis 72: Anhalt)
Im Wahlkreis Anhalt gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Kandidaten der LINKEN Jan Korte und dem CDU-Bewerber Kees de Vries. Als Gewinner ging Korte denkbar knapp mit 31,6 Prozent der Erststimmen hervor. Sein Vorsprung betrug lediglich 0,3 Prozentpunkte. Korte entdeckte sein Interesse an der Politik schon als Schüler und engagierte sich unter anderem in der Schülervertretung. Mitte der 1990er-Jahre wurde er Vorstandsmitglied des Bündnis90/Die Grünen. In die PDS trat der Politikwissenschaftler 1999 ein. Dort war er von 2004 bis 2005 Vorsitzender des PDS-Kreisverbandes Hannover und von 2004 bis 2007 Mitglied des Parteivorstandes der Linkspartei.PDS. Seit 2007 gehört Korte dem Parteivorstand der LINKEN an. Im Bundestag vertritt er seine Partei seit 2005. Korte ist Mitglied im Innenausschuss des Bundestages und Datenschutzbeauftragter sowie stellvertretendes Mitglied des Rechtsausschusses und des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.
Katrin Kunert (Direktmandat im Wahlkreis 67: Altmark)
Katrin Kunert vertritt den Wahlkreis Altmark. Dort hat sie mit 33,4 Prozent der Erststimmen das Direktmandat gewonnen und zog damit erneut in den Bundestag ein. 2005 war ihr das nur über die Landesliste gelungen. Kunert ist kommunalpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag. 1982 trat sie in die SED ein, 1990 wurde sie Mitglied der PDS. IN den Jahren danach engagierte sie sich vor allem in der Kommunalpolitik, saß in den Kreistagen von Osterburg und später Stendal. Seit 2009 gehört sie dem Stadtrat von Stendal an. Die 45-Jährige wurde in Wolmirstedt geboren und machte nach der Schule eine Ausbildung zum Rinderzüchter, später eine Umschulung zur Floristin. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn.
Petra Sitte (Direktmandat im Wahlkreis 73: Halle)
Petra Sitte hat mit 33,7 Prozent der Erststimmen in Halle ein Direktmandat gewonnen. Sie verwies dabei Ex-Ministerpräsident Christoph Bergner auf den zweiten Platz. Sie gehört zu den profiliertesten und angesehensten Persönlichkeiten der LINKEN in Sachsen-Anhalt. Sitte saß nach der Wende für die PDS 15 Jahre im Landtag von Sachsen-Anhalt, war jahrelang Fraktionschefin. 2005 ging Sitte dann nach Berlin. Im 16. Bundestag war sie stellvertretende Fraktionschefin der LINKEN und Forschungs- und Technologiepolitische Sprecherin. Die 48-Jährige setzt sich vor allem für mehr Investitionen in Bildung und Forschung ein.
Roland Claus (über Landesliste der Partei)
Roland Claus zieht über Platz vier der Landesliste in den Bundestag ein. Er saß bereits von 1198 bis 2002 im Bundestag, war in dieser Zeit zunächst Parlamentarischer Geschäftsführer und dann für zwei Jahre PDS-Fraktionschef. 2005 gelang ihm die Rückkehr in den Bundestag, war Mitglied im Haushaltsausschuss und Beauftragter der Linksfraktion. Claus, der in den letzten Monaten der DDR in der Volkskammer gesessen hatte, war zu Wendezeiten der PDS beigetreten und sieben Jahre lang Parteichef in Sachsen-Anhalt. In die Schlagzeilen geriet der Politiker, nachdem bekannt wurde, dass die DDR-Staatssicherheit ihn als IM führte. Claus hat zwei Kinder und zwei Enkel. Er wohnt mit seiner Lebenspartnerin in Schönebeck.
Die Abgeordneten der SPD
Burkhard Lischka (über Landesliste der Partei)
Burkhard Lischka ist neu im Bundestag. In seinem Wahlkreis Magdeburg belegte er mit 21,9 Prozent Platz drei hinter den Kandidaten von LINKE und CDU. Lischka trat 1989 in die SPD ein und ist seit 2004 Mitglied im Magdeburger Stadtrat. Seit 2006 amtiert er als Staatssekretär im Justizministerium Sachsen-Anhalt. Er studierte Rechtswissenschaften und ist seit 1998 Geschäftsführer der Notarkammer Sachsen-Anhalt. Im Bundestag will sich der 44-jährige unter anderem für faire Bildungschancen, die Gleichstellung von Frauen und Männern und die soziale Einheit Deutschlands einsetzen. Lischka wurde 1965 im nordrhein-westfälischen Marsberg geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Silvia Schmidt (über Landesliste der Partei)
Silvia Schmidt ist ein erfahrenes Bundestagsmitglied. Sie sitzt bereits seit 1998 für die SPD in Berlin. In ihrem Wahlkreis Mansfeld erhielt sie 17,2 Prozent der Stimmen und musste sich mit dem dritten Platz begnügen. Schmidt ist seit 1995 SPD-Mitglied und wurde zwei Jahre später stellvertretende Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Mansfelder Land. Die diplomierte Sozialarbeiterin leitete bis 1998 das Förderpädagogisch-Therapeutische-Zentrum in Wippra. Seit 1997 ist sie Behindertenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion. Silvia Schmidt engagiert sich unter im Tierschutz-, Feuerwehr- und Fördervereinen ihrer Heimatregion Mansfeld. Zudem ist sie ehrenamtliche Vorsitzende des Fördervereins der Bundesinitiative "Daheim statt Heim". Silvia Schmidt wurde 1954 in Klostermansfeld geboren. Sie ist geschieden und hat zwei Kinder.
Waltraud Wolff (über Landesliste der Partei)
Waltraud Wolff vertritt ihre Partei seit 1998 im Bundestag. Dort ist sie Sprecherin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft der SPD-Fraktion. Im Jahr 1991 trat sie der SPD bei. Wolff sitzt zudem im Kreistag Börde und im Stadtrat ihrer Heimatstadt Wolmirstedt. Dort arbeitete sie bis 1998 auch als Schulleiterin an einer Sonderschule für geistig Behinderte. Die 53-Jährige engagiert sich in vielen Vereinen – so als Mitglied im Naturschutzbund, beim DRK und im Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt. Waltraud Wollf wurde 1956 in Weißandt-Gölzau geboren. Sie hat vier Kinder und zwei Enkel.
Die Abgeordneten der FDP
Jens Ackermann (über Landesliste der Partei)
Jens Ackermann vertritt seit 2005 die FDP im Bundestag. In seinem Wahlkreis Börde-Jerichower Land erhielt er nur 9,7 Prozent der Erststimmen. Über Platz zwei der Landesliste zieht er dennoch in den Bundestag ein. Ackermann ist seit 2005 Kreisvorstandsmitglied des FDP-Kreisverbandes Börde und seit 2004 Kreistagsmitglied der FDP-Fraktion des Bördekreises. Dort gehört der Diplom-Medizinpädagoge dem Krankenhaus- und Jugendhilfeausschuss an. Von 2006 bis 2007 war Ackermann Vorsitzender des Landesfachausschusses Soziales und Gesundheit des FDP-Landesverbandes. Ackermann wurde 1975 in Magdeburg geboren, ist ledig und hat einen Sohn.
Cornelia Pieper (über Landesliste der Partei)
Cornelia Pieper zieht als Spitzenkandidatin der FDP über Listenplatz eins in den Bundestag ein. Sie gilt als starke Frau des Ostens in der FDP. Die 1959 in Halle geborene Politikerin ist stellvertretende FDP-Vorsitzende und FDP-Landeschefin in Sachsen-Anhalt. Zwischen 2001 und 2005 war die 50-Jährige Generalsekretärin der Bundespartei. Die politische Karriere der studierten Dolmetscherin gleicht einem Auf und Ab. Gleich nach der Wende trat sie in die FDP ein und baute in Sachsen-Anhalt den Landesverband der Jungen Liberalen mit auf. Sie zog in den ersten frei gewählten Landtag ein und wurde dessen Vizepräsidentin. Heftige Kritik erntete Pieper, als der FDP 2002 mit ihr an der Spitze der Wiedereinzug in den Landtag gelang, sie aber im gleichen Jahr den Bundestag vorzog.
Die Abgeordneten der GRÜNEN
Undine Kurth (über Landesliste der Partei)
Undine Kurth war Spitzenkandidatin der GRÜNEN und vertritt nun ihre Partei im Bundestag. Sie kam über die Arbeit in einer Bürgerinitiative zu den GRÜNEN. Damals, 1994, ging es um ein Straßenbauprojekt im Harz. Noch im gleichen Jahr wurde die heute 51-Jährige Parteivorsitzende in Sachsen-Anhalt. Sie legte das Amt jedoch sechs Jahre später nieder, nachdem sie in den Bundesvorstand gewählt worden war. 2002 trat die studierte Innenarchitektin als Spitzenkandidatin zur Landtagswahl an, die GRÜNEN scheiterten allerdings an der Fünf-Prozent-Hürde. Dafür zog sie im gleichen Jahr in den Bundestag ein, war Fraktionssprecherin für Tourismus und Naturschutz. Im Februar 2005 wurde sie zur Parlamentarischen Geschäftsführerin der Fraktion gewählt. Seit Oktober 2005 ist sie zudem Fraktionssprecherin für Tierschutzpolitik.


