Sachsen-Anhalt

Warnstreik im Nahverkehr : Arbeitgeber wollen verhandeln

Der Warnstreik im öffentlichen Personennahverkehr in Sachsen-Anhalt hat seine Wirkung offenbar nicht verfehlt. Im Tarifkonflikt für die landesweit rund 1.800 Beschäftigten der Branche haben die Arbeitgeber Gesprächsbereitschaft signalisiert. Der Vertreter der kommunalen Arbeitgeber, René Walther, sagte am Montag: "Wir gehen davon aus, dass wir am morgigen Tag im kommunalen Arbeitgeberverband beraten werden, ob dann kurzfristig ein Angebot vorgelegt werden kann." Das Angebot werde sich auf die Themen Arbeitszeit, Lohnerhöhung und die Länge der Dienstschichten konzentrieren. Zu konkreten Zahlen wolle und könne er sich vor der Beratung aber nicht äußern, sagte Walther, der zugleich Arbeitsdirektor der Stadtwerke Halle ist. Allerdings räumte er ein: "Der Warnschuss durch die Gewerkschaft hat gesessen."

Busse und Straßenbahnen stehen still

Straßenbahn in Halle
Auch in Halle stehen die Straßenbahnen still.

Mit einem 24-stündigen Warnstreik hat die Gewerkschaft ver.di am Montag den gesamten Straßenbahn- und Busverkehr in den Großstädten Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau lahmgelegt. Auch der Nahverkehr in den Burgenlandkreis-Städten Naumburg, Weißenfels, Zeitz, Hohenmölsen und Bad Bibra stand ab 3 Uhr still. Auch der Schulbusverkehr war betroffen. Wegen der dennoch geltenden Schulpflicht mussten Eltern selbst für den Transport ihrer Kinder sorgen. Lediglich in den Randgebieten von Magdeburg fuhren vereinzelt Busse. Wie eine Sprecherin der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) sagte, werden die betreffenden Linien von einer Tochterunterfirma der MVB bedient, die nicht streike.

Gewerkschaft fordert mehr Lohn und kürzere Arbeitszeit

Ein Sprecher der Gewerkschaft ver.di zeigte sich mit dem Verlauf des Warnstreiks sehr zufrieden. Es drehe sich kein Rad mehr. Das sei auch das Ziel gewesen, sagte er am Vormittag. Hintergrund des Streiks ist der Tarifkonflikt im sachsen-anhaltischen Nahverkehr. Ver.di will für die 1.800 Beschäftigten der Branche einen Sockelbetrag von 350 Euro brutto mehr im Monat, eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 38 Stunden sowie veränderte Dienstschichten für Straßenbahn- und Busfahrer durchsetzen. Die Gewerkschaft kritisierte, dass der Kommunale Arbeitgeberverband für die Beschäftigten im Spartentarifvertrag Nahverkehr Sachsen-Anhalt nach zwei Tarifrunden noch kein Angebot vorgelegt habe.

MVB-Chefin: "Absolut überzogen"

Arbeitgeber-Vertreter Walther sagte dazu, man habe bei den bisherigen Verhandlungsrunden noch keine Offerte machen können, da die Forderungen der Gewerkschaft zu hoch und nicht finanzierbar seien. MVB-Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel bezeichnete die Forderungen der Gewerkschaft als "absolut überzogen". Dies würde eine Steigerung der Personalkosten um 27 Prozent bedeuten. Die Arbeitgeber trügen die Verantwortung für die wirtschaftlichen Ergebnisse der Unternehmen und einen bezahlbaren öffentlichen Personennahverkehr. Die MVB seien gesprächsbereit, sie hofften auf eine für die Unternehmen und die Gewerkschaft verträgliche Einigung. Die Tarifverhandlungen sollen am 5. März in Dessau fortgesetzt werden.

Zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2013, 21:31 Uhr

44. Paulchen:
@Bernd Sie schreiben: "Warten bis die Herren Arbeitgeber mal etwas mehr zahlen? Das passiert dann ja dann die nächsten 100 Jahre nicht". Das stimmt so nicht. Bei uns war die letzte Lohnerhöhung vor reichlich einem Jahr, verbunden mit einer Fahrpreiserhöhung im Herbst um 8% (angeblich knapp die Hälfte aufgrund gestiegener Personalkosten). Folge: diesen Februar sofort wieder ein ganztägiger Streik, weil man den erst erhöhten Lohn nun in 38h haben will und nicht in 40h. Dazu noch erhöhte Zulagen. Ich bin für Streiks, solange die Forderungen gerechtfertigt sind und die Abwägung der Folgen vertretbar ist. Ja, zu streiken ist ein Bürgerrecht in Deutschland -- aber deswegen noch lange nicht in allen Situationen sinnvoll. Auch ich muss das Geld für die angedrohten (erneuten) Fahrpreiserhöhungen erst erarbeiten und von meinem Nettoeinkommen(!) bezahlen. Daher habe ich kein Verständis für die aktuelle kompromisslose "Verhandlungs"-strategie seitens Verdi.
26.02.2013
18:56 Uhr
43. Jürgen P.:
als arbeitssuchender Bürger stelle ich mal die Frage an die MVB-Chefin, wie auch an alle anderen verantwortlichen Leiter: Wieviele Arbeitssuchende könnten eingestellt werden wenn die Überstunden, der Stress bei den Arbeitsstunden, dem Weg von und zur Arbeit auf ein Niveau gesenkt werden, die eine 40 Stundenwoche der betreffenden Arbeitnehmer 100%ig berücksichtigen, so das auch die Familie etwas von einem ordentlichen Familienleben hat? Nicht nur das Vater oder Mutter wegen der Arbeitszeit nur zum Schlafen oder Essen zuhause sind. Wie hoch ist denn das Einkommen eines Arbeitnehmers im Fahrdienst bei normalen Stundendienst? Es würde viele Mitbürger mal interessieren um sich ein Bild zu machen, wie ein(e) Fahrer(in) die Dienstleistung / der Fahrdienst finanziell wirklich als Arbeitsleistung honoriert wird. Nur so werden dann auch Spekulationen ausgeschalten.
26.02.2013
07:41 Uhr
42. Holger Ass:
Ich arbeite auch fast jedes Wochenende. Ich arbeite auch so lange und ich habe nicht mal die Hälfte Brutto. Irgendwas läuft hier verdammt schief wo leben die eigentlich
25.02.2013
23:13 Uhr
41. Busfahrer PVG:
Lieber MDR. Ich habe einige Kommentare hier gelesen und weiß nich wie die Leute auf 2300 € Verdienst kommen?! Ich bin seid zweieinhalb Jahren bei der PVG und bekomme 1095 € netto. Ich bin Alleinverdiener, verheiratet und hab ein Kind. Ich arbeite im Durchschnitt 12 Stunden am Tag, davon 9 Stunden reine Fahrzeit und dazu jedes zweite Wochenende. Das ist die Realität!
25.02.2013
19:53 Uhr
40. Micha:
Ich kann die Heulerei und das Selbstmitleid nicht mehr hören bzw. lesen. Der schlechtbezahlte Ossi heult lieber und verhindert, dass seine Landsmänner mehr bekommen. Achso, ich bin selbst ein Ossi der im bösen Westen arbeitet und dort nur gute Erfahrungen gemacht hat. Soviel Missgunst gibst da nicht.
25.02.2013
19:48 Uhr
39. Sachsen-Anhalter:
Hat sich eigentlich schon mal jemand gefragt, wen dieser Streik am meisten trifft? Herrn Bullerjahn? - Der bekommt keinen Cent weniger von seinem Ministergehalt. Die Geschäftsführer der Verkehrsunternehmen? Auch die bekommen ihr Geld weiter. Oder die Verantwortlichen bei der Gewerkschaft? Die Mitgliedsbeiträge werden nicht weniger durch den Streik. Aber was ist mit der Bevölkerungsgruppe, die nicht mal eben schnell aufs Auto umsteigen kann? Rentner, Schüler, Pendlerfamilien mit nur 1 Pkw usw.? Die haben heute real draufgezahlt, sei es fürs Taxi, für ausgefallene Arbeitszeiten, verpasste Termine. Und das ersetzt keiner der am Streik beteiligten Parteien! Es sollten Protestformen gewählt werden, die die Arbeitgeber treffen - Arbeitskampf auf Kosten der sozial Schwachen ist dagegen total daneben. Aber morgen findet dieses Trauerspiel seine Fortsetzung beim Lehrerstreik. Dafür habe ich NULL Verständnis!
25.02.2013
19:42 Uhr
38. Otto von Ost nach West gegangen:
Liebe Leut, die Arbeitgeber schwindeln und rechnen die Forderungen unnachvollziehbar hoch. Und das gemeine Volk fällt darauf rein und zerfleischt sich gegenseitig. Zeigt doch mal Verständnis füreinander!!! Im Osten wurde der "Kapitalismus" in den verbliebenen Klein- und Kleinstbetrieben doch ohnehin neu erfunden. Keine Rechte, kein Miteinander. Beim Mauerfall war das mal anders!!! Wirklich schade drum...
25.02.2013
19:40 Uhr
37. b:
also in magdeburg fahren busse :-) alle 30 minuten
25.02.2013
17:52 Uhr
36. pinochio:
Die Busfahrten werden auch immer teurer, das muss aber nicht sein. Man schaue auf die Linienpläne der Landkreise. Dort kommen doppelt- und dreifach Linienführungen von Buslinien zwischen Orten vor. Im Extremfall fährt ein Bus 10 Kilometer mit einer verlorenen Haltestelle mitten im Wald unterwegs, obwohl eine andere Buslinie den gleichen Zielort ansteuert, vom Ausgangsort des Ersten nur 5 Kilometer entfernt. Die Landkreise haben alle ein grosses Busdepot und das war's dann. Was es da für Leerfahrten gibt ! Wenn alles Busse vom gleichen Ausgangsort abfahren und den gleichen Zielort anfahren, das muss ja teuer sein. Aber wenn alle Busse von verschiedenen Orten starten, sind sie ohne Umwege gleich am Anfangsort, sofort gut verteilt, im Busliniennetz. Und sparsame Minibusse gibt es kaum.
25.02.2013
17:47 Uhr
35. Potkowa:
Magdeburger: Mal eine Frage erlaubt. Kennen Sie/Du die echten Arbeitsstunden eines Fahrers irgendeines Verkehrsmittels? Wenn ja dann verstehe ich nicht diese Ihre Einstellung-Kommentar. Vielleicht sollte man als Wähler der politisch Verantwortlichen auch rechtliche Forderungen erwarten wie die Tatsachen das sich Streiks auch auf die Schulpflicht auswirken indem man als Eltern die Verantwortung für mögliche Unfälle der Kinder auf den Schulwegen solchen Politikern vorhält die partu nicht bereit waren gleich ein besseres Lohn-Angebot an die Gewerkschaften vorzulegen. Das war doch die Ursache des Warnstreiks. IGdLB
25.02.2013
14:49 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK