Ein totes Reh liegt nach der Kollision mit einem Auto am Straßenrand
Im Herbst gibt es besonders viele Wildunfälle. Bildrechte: dpa

Daten-Übersicht Meiste Wildunfälle im Oktober

Während Verkehrsunfälle insgesamt seit Jahren rückläufig sind, nehmen Wildunfälle zu. Einige Regionen in Sachsen-Anhalt sind besonders betroffen. Jetzt in diesen Wochen müssen Autofahrer sehr aufmerksam sein.

von Manuel Mohr, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein totes Reh liegt nach der Kollision mit einem Auto am Straßenrand
Im Herbst gibt es besonders viele Wildunfälle. Bildrechte: dpa

Die gute Nachricht zuerst: Die Zahl der Verkehrsunfälle in Sachsen-Anhalt nimmt – über einen langen Zeitraum betrachtet – immer weiter ab. Während es Ende der 1990er Jahre noch über 100.000 an der Zahl waren, waren es im vergangenen Jahr noch rund 75.000. Die schlechte Nachricht: Im gleichen Zeitraum haben sich die Wildunfälle vervielfacht. 2016 wurde mit 13.883 wieder ein neuer Höchststand gemessen.

Statistisch betrachtet passiert auf Sachsen-Anhalts Straßen also etwa alle 38 Minuten ein Wildunfall. Im Ranking der Hauptverkehrsunfallursachen waren Unfälle mit Wildtieren damit erstmals die Nummer 1 im Land. Fast jeder fünfte polizeilich aufgenommene Verkehrsunfall (18,5 Prozent) war ein Wildunfall. Die am häufigsten beteiligten Wildarten waren dabei Rehwild und Schwarzwild. Warum das so ist, lässt sich nicht eindeutig erklären. Mögliche Gründe sind allerdings die stetige Zunahme des Verkehrsaufkommens und der Zahl der Wildtiere.

Landkreis Börde besonders betroffen

Bei den Wildunfällen in Sachsen-Anhalt gibt es eine klare örtliche Verteilung: Fast alle Unfälle passieren – entsprechend dem Lebensraum der Wildtiere – außerorts, zwei von drei Zusammenstößen geschehen auf Land- und Bundesstraßen. Während also im Stadtgebiet von Magdeburg, Halle und Dessau es nur relativ selten zu Wildunfällen kommt, die Landkreise deutlich stärker betroffen, allen voran die Börde.

Erhöhte Vorsicht im Herbst

Im Vergleich zu anderen Unfallarten bleibt es bei Wildunfällen häufig bei Sachschäden, Schwerverletzte gibt es hingegen nur selten, Todesopfer im Schnitt nur eines pro Jahr. In den kommenden Wochen sollten Autofahrer besonders vorsichtig sein, denn im Herbst steigen die Wildunfallzahlen – genau wie im Frühling – regelmäßig an:

Verkehrsexperten des ADAC begründen dies gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT wie folgt:

Wildschweine, Rehe und Hirsche finden in den abgeernteten Feldern kein Futter mehr und überqueren auf der Suche nach neuen Nahrungsquellen die Straßen. Zwar sind die Tiere hauptsächlich in der Dämmerung aktiv, dann sind sie – vor allem in waldreichen Gebieten – auch vermehrt am Tag auf Wanderschaft.

ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt

Hinzu kommt die alljährliche Zeitumstellung im Oktober:

Auf der Suche nach Futter sind Reh, Hirsch und Wildschwein in der Morgendämmerung unterwegs, und die ist dann etwas früher, so dass sie verstärkt in den Berufsverkehr fällt.

ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt

Tipps für Autofahrer

Um Kollisionen mit Reh oder Wildschwein zu vermeiden, empfiehlt der ADAC:

  • Tempo drosseln
  • Abstand zum Vordermann erhöhen
  • bremsbereit sein
  • Straßenrand im Blick behalten

Neben Straßen, die durch Wälder oder entlang von Feldern führen, sind auch neugebaute Strecken anfällig für Wildunfälle, da die Tiere diese noch nicht als Straße und damit potentielle Gefahr wahrgenommen haben. Taucht plötzlich ein Tier an oder auf der Straße auf, sollten Autofahrer abbremsen, das Licht abblenden, hupen und langsam weiterfahren, da die Tiere oft im Rudel unterwegs und kurz nacheinander mehrere Tiere am Straßenrand auftauchen können.

Wenn eine Kollision unvermeidbar ist, sollten Autofahrer laut ADAC das Lenkrad fest umfassen, geradeaus fahren und kräftig bremsen.

Ist es doch zu einem Wildunfall gekommen, muss die Gefahrenstelle gesichert werden. Wer einfach weiterfährt, begeht Fahrerflucht! Also Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anziehen und das Warndreieck aufstellen. Anschließend Polizei oder Jäger alarmieren, die eine Wildschadensbescheinigung ausstellen. Verletzte Tiere keinesfalls anfassen, da sie aggressiv sein können.

ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20.10.2017 | 12:00 Uhr

Quelle: MDR/mm

Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2017, 11:25 Uhr

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