Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann im MDR-Studio.
Wissenschaftsminister Armin Willingmann will das Hochschulgesetz reformieren und setzt dabei auch auf mehr Barrierefreiehit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Barrierefreiheit an Hochschulen Willingmann: "Es muss was geschehen"

In Sachsen-Anhalt gibt es rund 2.500 Studenten mit Behinderung. Sie fordern Änderungen im neuen Hochschulgesetz. Fragen dazu an Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willingmann.

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann im MDR-Studio.
Wissenschaftsminister Armin Willingmann will das Hochschulgesetz reformieren und setzt dabei auch auf mehr Barrierefreiehit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR SACHSEN-ANHALT: Studenten fordern in einer Online-Petition Änderungen im neuen Landeshochschulgesetz im Hinblick auf ein barrierefreies Studium. Wie werden Sie diese Petition berücksichtigen?

Armin Willingmann: "Es ist hervorragend, dass sich die Studenten mit Einschränkungen melden und eine solche Petition auf den Weg gebracht wurde. Wir haben das Thema auf dem Schirm. Für uns ist es wichtig, dass wir unser Hochschulgesetz auch an dieser Stelle modernisieren und auf Menschen mit Beeinträchtigung Rücksicht nehmen."

MDR SACHSEN-ANHALT: Geklagt wird unter anderem darüber, dass die baulichen Voraussetzungen nicht überall die Besten seien – Stichwort Rollstuhlfahrer – wie wollen sie für Besserungen sorgen?

Armin Willingmann: "Es ist in Bezug auf die Altbausubstanz, die an vielen Hochschulen in unserem Lande existiert, nicht ganz so einfach mit der Barrierefreiheit. Es ist aber nicht unmöglich. Noch ärgerlicher ist natürlich, wenn man Neubauten hat und nicht von vornherein mitgedacht wird, dass man solche Barrierefreiheit herstellt. Aber grundsätzlich muss was geschehen."

MDR SACHSEN-ANHALT: Wie gehen Sie bei der Überarbeitung des Landeshochschulgesetzes jetzt vor?

Armin Willingmann: "Es wird noch eine Anhörung geben. Es ist ohnehin mein Weg, dass wir versuchen, mit den Beteiligten dieses Hochschulgesetzes zu reden: da ist die Hochschulleitung, die Personalvertretung und der gesamte politische Raum. Aber wir werden uns auch mit den Studenten und ihrer Vertretung auseinandersetzen."

MDR SACHSEN-ANHALT: Die Petition fordert, im Hochschulgesetz zu verankern, dass Prüfungsordnungen den Belangen behinderter Menschen gerecht werden. Bisher gilt das nur fürs Studium, aber nicht für Promotionen und Habilitationen. Sehen sie da Änderungsbedarf?

Armin Willingmann: "Also in der Tat ist es richtig, für Prüfungen, im normalen Hochschulablauf gilt es jetzt schon. Entscheidend ist, dass sich der Studierende meldet. Das bekannt ist, dass es eine Beeinträchtigung oder einen Nachteil gibt, der ausgeglichen werden muss. Bei Promotion und Habilitation leben wir im Moment ja sehr stark davon, dass es eine besondere Beziehung zur Betreuerin oder zum Betreuer gibt. Wenn wir da etwas sinnvoll umgestalten können, dann wird es an mir nicht scheitern."

MDR SACHSEN-ANHALT: Kritik gibt es auch an der geplanten Regelung, dass Behindertenbeauftragte an den Hochschulen von ihrer sonstigen Tätigkeit freigestellt werden sollen. Das sei gut gemeint, aber kontraproduktiv, da Professoren damit künftig automatisch ausgeschlossen würden. Sie gelten aber als starke Interessenvertreter. Wie könnte eine Lösung aussehen?

Armin Willingmann: "Man sollte diskutieren, ob das tatsächlich das zentrale Problem ist. Im Moment schießt mir so durch den Kopf, man kann von seinen sonstigen Dienstpflichten befreit werden, aber man muss es ja nicht. Ich will gerade bei Hochschullehrern, dass sie auch weiterhin in der Lehre tätig sind. Im Gegenzug könnten sie ihre Stunden verringern. Das sollten wir vielleicht dem weiteren Diskussionsprozess überlassen."

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13.04.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/jw

Zuletzt aktualisiert: 13. April 2017, 20:09 Uhr

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