Wölfe
Bestände wachsen, laut aktuellem Wolfsmonitoring aber langsamer als vielfach vermutet. Bildrechte: IMAGO

Neue Zahlen Wölfe reißen mehr Kälber

Die Wölfe sind im Land heimisch geworden. Nach den neuesten Zahlen aus dem am Dienstag vorgestellten Wolfsmonitorng ist der Zuwachs im Land verhalten. Doch die Risse bei Kälbern hätten auffallend zugenommen.

Wölfe
Bestände wachsen, laut aktuellem Wolfsmonitoring aber langsamer als vielfach vermutet. Bildrechte: IMAGO

Die Zahl der Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere ist gestiegen. Das teilte das Umweltministerium in Sachsen-Anhalt am Dienstag auf einer Pressekonferenz zum aktuellen Wolfsmonitoring mit. So seien Vorfälle mit Wölfen von 44 im Vorjahr auf nun 70 angewachsen (Stand 4. Dezember 2017). Dabei seien konkret 43 Kälber betroffen gewesen, zudem 122 Schafe. Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) sagte MDR SACHSEN-ANHALT die erhöhte Zahl der Kälberrisse sei ein "neues Phänomen", das seit dem vergangenen Jahr zunehmend auffalle. Was die genaue Ursache für diese Entwicklung ist, sei noch unklar. "Was wir sagen können, ist, dass die Kälber nicht gut geschützt sind."

Deshalb, so Dalbert, sei ein Modellprojekt angedacht, um Tierhaltern Hinweise zu geben, wie sie ihre Kälber gut gegen Wölfe schützen könnten, während eine Weidehaltung weiter möglich bleiben müsse. Das Projekt werde federführend vom Wolfskompetenzzentrum Sachsen-Anhalt im Jerichower Land übernommen. Dort habe es die Kälberrisse vermehrt gegeben. Ziel solle sein, "zu eruieren, wie ein guter Herdenschutz aussehen kann". Man müsse die Tiere schützen und es dem Wolf schwer machen.

11 Rudel und 70 Tiere im Land

Wie das Umweltministerium weiter mitteilte, wächst der Wolfsbestand insgesamt im Land eher langsam. Dalbert sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Die Wolfspopulation wächst, aber das doch nur verhalten." Die neuesten Zahlen sollten Anlass geben, die Debatte zu versachlichen und Emotionen zurückzunehmen. Bei den Wölfen hätten drei Elternpaare, die im Vorjahr gezählt worden seien, nun Welpen bekommen und Rudel gebildet. Neue Elternpaare oder einzelne residente Wölfe seien nicht nachgewiesen worden. Man gehe aktuell von einem Bestand von 11 Rudeln mit insgesamt 70 nachgewiesenen Tieren im Land aus. Zwei weitere Rudel an den Grenzen zu Brandenburg und Niedersachsen werden laut Ministerium nicht Sachsen-Anhalt zugerechnet.

Der Wolfsmonitoringbericht für Sachsen-Anhalt wird seit fünf Jahren erstellt. Im September dieses Jahres hat zudem das Wolfskompetenzzentrum in Iden seine Arbeit aufgenommen und bittet für die genauere Dokumentation auch um Hinweise auf Wölfe im Land.

Bundesweit gehen die Experten von 60 nachgewiesenen Rudeln mit 150 bis 160 Tieren aus, das sind 13 Rudel mehr als ein Jahr zuvor.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. Dezember 2017 | 16:00 Uhr

Quelle: MDR/mg

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2017, 17:27 Uhr

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15 Kommentare

07.12.2017 17:00 Mufflon an Maria 15

Das Muffelwild kommt ursprünglich aus dem Mittelmeeraum (Sardinien und Korsika) und ist ein Gebirgsschaf, das aus jagdtechnischen Gründen in Deutschland angesiedelt wurde und hier nie heimisch war.

Es hat als Gebirgstier ein ganz anderes Fluchtverhalten und ohne unzugängliche Felswände, ist es für die heimischen Prädatoren auf flacher Ebene eine leichte Beute.

Von einem Arten sterben kann hier also nicht die Rede sein.

07.12.2017 16:26 Eulenspiegel 14

Hallo maria 13
Zu erst ein mal möchte ich sagen das ich durauf bestimmte Erfahrungen mit Wölfen habe. In Skandinavien leben Mensch und Wolf durchaus friedlich zusammen. Und zwar schon immer. Ich habe dort wild gezeltet und die Erfahrung gemacht das der Wolf den grölst möglichen Abstand vom Menschen hält.
„Hunderte anderer Nutztiere werden getötet, ganze Arten sterben aus“
Dann erklären sie uns doch einfach mal wie konnten diese Tierarten in den 2000 Jahren bevor der Wolf ausgerottet wurde überleben.
Also ich habe nur auf eine Diskrepanz aufmerksam gemacht das es da einerseits ein großes Geschrei gibt wenn da wieder Tiere vom Wolf gerissen wurden und andererseits die bereitgestellten Mittel nicht abgerufen werden.

07.12.2017 14:25 maria 13

@Eulenspiegel...nicht nur nach Überschriften urteilen, sondern alles verstehen i.S. Hütehund, da fallen noch viel Punkte rein!!!

Ich finde es immer wieder interessant wie sich Wolfsliebhaber für ihre Schützlinge einsetzen und haben so gar nichts mit dem Wolf zu tun....Ich höre noch die Rufe, ein Mensch wird einen Wolf nie zu Gesicht bekommen, der Wolf stellt das natürliche Gleichgewicht der Natur her.....Ha, alles widerlegt...Hunderte anderer Nutztiere werden getötet, ganze Arten sterben aus ( Muffelwild), aber der Wolf ist anscheinend mehr wert. Ich frage mich nur wie da das Wort Tierschützer passt, erschließt sich mir wirklich nicht....was ich allerdings hasse, wenn Leute von Ihrem Balkon aus, oder weil Sie mal einem Wolfsgehege waren ideologisch agieren!!

07.12.2017 14:09 Eulenspiegel 12

Vor einigen Tagen konnte man hier Lesen:
„Herdenschutz: Kaum Nachfrage nach Fördergeld
In Sachsen-Anhalt wird das Fördergeld für Herdenschutzhunde kaum genutzt. Nach Angaben des Umweltministeriums liegt bislang nur ein Antrag vor. Die Hunde sollen Schäfern helfen, ihre Herden vor Wölfen zu schützen.“
Also ich denke das Problem hier sind die Menschen und nicht der Wolf.

07.12.2017 02:18 G. Schmitz 11

Der Wolf hat eben einen guten Geschmack und weiss jedes ungeschützte Steak zu schätzen.

06.12.2017 15:08 K.Morasch 10

@ Federic (8)
Das ist nun gerade in Bezug auf den Wolf absolut falsch. Der Wolf reißt im Jagdrausch oftmals 2 bis 4 Tiere und knabbert nur ein bisschen ab. Die Halter entdecken dann die gerissenen Tiere, die mitnichten vollständig aufgefressen wurden.
Aber beim Thema "Wolf" liegen Fakten, Halbwissen und Wunschvorstellungen ja dermaßen weit auseinander wie bei fast keinem anderem Thema.

06.12.2017 14:24 @05.12.2017 21:17 A. SCHOLZ 9

Darf ich Sie nach Ihrer Qualifikation fragen, eine solche Aussage zu treffen ?

06.12.2017 11:37 Frederic 8

Aha - die Wolfgegener sind wieder unterwegs. Fakt ist; kein Wildtie, ob Wolf, Löwe oder Hyäne reisst mehr Tiere als es fressen kann.
Wenn eine Beute erlegt ist, macht sich das Rudel daran, das zu fressen.
Nur bei den Menschen ist es üblich, mehr zu töten als er "fressen kann" Der Wolf das schöne Tier - der seltsame Mensch. Erst alles haben wollen, dann alles töten !!

06.12.2017 09:40 Wolpertinger 7

Anzahl der Kälber und Jungrinder in Sachsen-Anhalt im Mai 2016: 98435 (Angaben des stat. Landesamtes)
Wolfsrisse 2017: 70.
Ach wenn Ihr alle bei Kalbsleberwurst doch genausoviel Mitleid mit den Kälbern zeigen würdet.

06.12.2017 07:57 Simone S. 6

Der Wolf wird nur so lange unter Naturschutz stehen, bis er das gesunde Maaß an Population überschritten hat. Ohne diesen Schutz wäre er m.E. nie "angekommen".
Der Wolf ist aus meinen Erfahrungen weniger gefährlich für den Menschen, als so mancher Hund & Halter.
Der Wolf zeigt noch Respekt und Distanz... diese Tugend ist den meisten Hunden "abhanden" gekommen.