US-Präsident in Mitteldeutschland
Obama: Holocaust darf sich niemals wiederholen
Der Besuch von US-Präsident Barack Obama am Freitag in Mitteldeutschland war mit symbolträchtigen Auftritten und politischen Gesprächen gespickt. Zunächst sprach er in Dresden mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über politische Fragen und besichtigte die Frauenkirche. Danach besuchte er die KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar.

Während seines Kurzbesuchs in Deutschland hat US-Präsident Barack Obama am Freitag Station in Mitteldeutschland gemacht. Er war zunächst in Dresden zu Gast, anschließend besuchte er die KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar.
In dem ehemaligen Konzentrationslager legte er gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel Blumen zum Gedenken an die Opfer des NS-Konzentrationslagers nieder. Begleitet wurden sie dabei vom Vorsitzenden des Internationalen Lagerkomitees Buchenwald-Dora, Bertrand Herz, und dem Holocaust-Überlebenden und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel. Dieser hatte Obama zu dem Besuch in Buchenwald bewogen. Anschließend besichtigten Obama und Merkel die Gedenkstätte.
"Immerwährend wachsam sein"
Nach dem Rundgang sagte Obama, "ich werde das, was ich hier gesehen habe, nicht vergessen". Schon als kleiner Junge habe er von diesem Ort erfahren, und zwar aus Erzählungen seines Großonkels, welcher an der Befreiung des Buchenwald-Außenlagers Ohrdruf im April 1945 beteiligt gewesen war. "Dieser Ort ist der endgültige Beweis dafür, dass der Holocaust stattgefunden hat", sagte der US-Präsident. Hier erfahre man immer wieder aufs Neue, "dass wir wachsam sein und gegen jede Form der Ignoranz vorgehen müssen". So etwas dürfe sich nie wiederholen.
Merkel unterstreicht Deutschlands Verantwortung
Merkel betonte die besondere Verantwortung Deutschlands für seine Geschichte. Die Erinnerung an den "Zivilisationsbruch durch die Shoa" müsse wachgehalten werden. Das sei man den Opfern und den Überlebenden schuldig. Ausdrücklich dankte sie Obama für den Besuch der Gedenkstätte und sagte, der "Blutzoll" der Vereinigten Staaten und seiner Alliierten werde nicht vergessen. Dieser habe Deutschland die Chance für einen Neuanfang gegeben.
Wiesel rief dazu auf, die Geschichte nicht zu vergessen und daraus endlich Lehren zu ziehen. Das 21. Jahrhundert solle ein "Jahrhundert des Neuanfangs" werden. Wiesel bedauerte, dass die tiefe Hoffnung der in Buchenwald 1945 Befreiten auf eine friedliche Zukunft noch nicht Realität geworden sei. Das zeigten in jüngerer Vergangenheit Bosnien, Darfur oder Ruanda.
Erste Station: Dresden
Bereits war am Donnerstagabend war Obama aus Kairo kommend in Dresden eingetroffen. Am Freitagvormittag traf er sich mit Bundeskanzlerin Merkel im Grünen Gewölbe des Residenzschlosses. Dort trugen sich beide zunächst ins Goldene Buch des Freistaates Sachsen und der Stadt Dresden ein und wurden von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Dresdens Oberbürgermeisterin Helga Orosz begrüßt. Anschließend zogen sich Merkel und Obama zu einem Vier-Augen-Gespräch zurück. Zum Abschluss seines Besuches in Dresden besichtigte Obama in Begleitung von Merkel, Orosz und Tillich die wiederaufgebaute Frauenkirche.
Das bis zuletzt von den Dresdnern erhoffte Bad in der Menge vor der Frauenkirche blieb jedoch aus. Die schwarze Limousine des US-Präsidenten rollte ohne Zwischenstopp davon. Dafür schüttelte die Kanzlerin sichtlich erfreut zahlreiche Hände, die ihr die Dresdner entgegen streckten.
"Deutschland ein enger Freund"
Bei ihrem Gespräch im Grünen Gewölbe besprachen Merkel und Obama eine Vielzahl politischer Probleme. Beide Regierungschefs versicherten, weiter eng zusammenarbeiten zu wollen. Merkel sagte den USA unter anderem Unterstützung im Nahost-Konflikt und im Atomstreit mit dem Iran zu. Präsident Obama nannte Deutschland einen engen Freund und entscheidenden Partner für die USA. Die Zusammenarbeit mit Deutschland in der Wirtschaftskrise und beim Klimaschutz sei für die ganze Welt von Bedeutung.
Frauenkirche - Symbol der Versöhnung
Bei seinem Besuch in der Frauenkirche zeigte sich Barack Obama tief beeindruckt. Er schrieb ins Fürbittbuch, die Kirche stehe für Aussöhnung, Wiederaufbau und Hoffnung und sei ein Symbol für Versöhnung. Obama und Merkel zündeten eine Kerze mit der Aufschrift "Friede sei mit Euch" an. Bei dem Rundgang durch die Frauenkirche erläuterte Landesbischof Jochen Bohl dem Präsidenten Details zu Geschichte, Zerstörung und Wiederaufbau der Frauenkirche.
"Obama ist einfach unkompliziert, freundlich, salopp und charmant."
Bürgerfest auf dem Altmarkt
Obwohl die Dresdner wenig vom US-Präsidenten gesehen haben, feierten sie seinen Besuch. Auf einer 40 Quadratmeter großen Leinwand wurden alle TV-Bilder vom Dresden-Besuch Obamas live übertragen. Tausende Polizisten sorgten für die Sicherheit Obamas. Im Dresdner Stadtzentrum wurden drei Sicherheitszonen eingerichtet. Die Bewohner benötigten spezielle Ausweise, um in ihre Wohnungen zu gelangen. Die Museen im Zwinger blieben geschlossen. Der Nahverkehr und die Schifffahrt auf der Elbe waren eingeschränkt.
Weiterreise nach Frankreich
Nach seinem Abstecher nach Buchenwald flog Obama nach Landstuhl weiter. Im dortigen US-Militärhospital besuchte er US-Soldaten, die in Afghanistan oder im Irak verwundet wurden. Am Sonnabend nimmt er in Frankreich an den Feierlichkeiten zum 65. Jahrestag der Invasion der Westalliierten in der Normandie teil.
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Weitere Beiträge zum Besuch des US-Präsidenten
Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2009, 16:41 Uhr
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- Stadt Dresden: Obama zu Gast in der Landeshauptstadt
- Gedenkstätte Buchenwald: English Page
- Die Gedenkstätte Buchenwald über das Außenlager Ohrdruf
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