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Landgericht Dresden

Angeklagter tötet Zeugin im Gerichtssaal

Im Dresdner Landgericht hat am Mittwoch ein Mann während eines laufenden Prozesses eine Zeugin erstochen. Zwei weitere Menschen wurden durch den Täter verletzt. Wie Christian Avenarius von der Staatsanwaltschaft Dresden sagte, konnte der 28-Jährige noch im Gerichtssaal überwältigt werden. Dabei habe ein Polizeibeamter im Gericht einen Schuss aus seiner Dienstwaffe abgegeben. Gegen den gebürtigen Russen werde nun wegen Totschlags ermittelt. Die Dresdner Rettungsleitstelle war um 10:26 Uhr aus dem Gerichtsgebäude alarmiert worden. Drei Notärzte, ein Leitender Notarzt und vier Rettungswagen seien zum Einsatzort geschickt worden, sagte Feuerwehrsprecher Thomas Mende.

"Es ist ganz fürchterlich, dass eine solche Alltagssituation in einer Katastrophe mündete. Alle Beteiligten stehen unter Schock."

Oberstaatsanwalt Christian Avenarius
Ein Bestattungswagen steht vor dem Landgericht in Dresden.; Rechte: dpa
Im Dresdner Landgericht wurde am Mittwoch eine Frau getötet, ein Bestattungswagen brachte das Opfer in die Gerichtsmedizin.

Täter war wegen Beleidigung angeklagt

Zu der Messerattacke kam es bei einer Berufungsverhandlung. Gerichtssprecherin Bettina Garmann sagte, vor dem Termin habe es keine Waffenkontrollen gegeben, da es sich um ein Verfahren ohne besondere Sicherheitsvorkehrungen gehandelt habe. "Es gab keinerlei besondere Anhaltspunkte, der Täter war auch nicht in Haft", erklärte Garmann. Nach ihren Worten hatte der Angeklagte im August 2008 auf einem Spielplatz in Dresden eine Frau als "Islamistin und Terroristin" beschimpft. Der arbeitslose Lagerfacharbeiter war dafür Ende 2008 vom Amtsgericht Dresden zu einer Geldstrafe von knapp 800 Euro verurteilt worden. Darüber sollte am Mittwoch erneut entschieden werden.

Sachsens Justizminister Geert Mackenroth (CDU) sagte nach einer Besichtigung des Tatorts, er sei völlig schockiert und entsetzt über die Tragödie. Mit der getöteten jungen Frau und deren Familie habe er tiefes Mitgefühl. "Wir werden alles tun, dass die Hintergründe der Tat aufgeklärt werden", sicherte Mackenroth zu. Derzeit wisse man aber noch nichts darüber.

Richterbund: Sicherheitsvorkehrungen überdenken

Der Vorfall müsse ausgewertet und notwendige Konsequenzen geprüft werden, forderte der CDU-Landtagsabgeordnete Marko Schiemann. "Waffen haben im Gerichtssaal nichts zu suchen", sagte er. Der Rechtsstaat müsse höchste Anstrengungen auf den Schutz von Zeugen richten und für die Sicherheit in Gerichtsgebäuden das Bestmögliche getan werden. Auch der Sächsische Richterbund mahnte, über Sicherheitsvorkehrungen nachzudenken. "Man kann aber keine generelle Lösung für alle Gerichte finden", sagte der Landesvorsitzende Reinhard Schade.

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2009, 14:03 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

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